Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Hinweise auf Massaker in Haditha verdichten sich – Patrick Quinn
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Hinweise auf Massaker in Haditha verdichten sich

Patrick Quinn

01.06.2006

Abbas, links, weint um seinen Bruder Zaman, der am Mittwoch bei einem Schusswechsel nahe Bagdad getötet worden war. (AP Photo/Hadi Mizban)
Abbas, links, weint um seinen Bruder Zaman, der am Mittwoch bei einem Schusswechsel nahe Bagdad getötet worden war. (AP Photo/Hadi Mizban)

Bagdad/New York - Die USA geraten wegen eines mutmaßlichen Massakers amerikanischer Marineinfanteristen an irakischen Zivilpersonen in Haditha immer mehr unter Druck: Der irakische Ministerpräsident Nurik al-Maliki verurteilte am Donnerstag erneut Übergriffe von Koalitionstruppen und kündigte Gespräche mit den US-Streitkräften über Regeln bei Einsätzen an. Der Ministerausschuss für Sicherheit werde sich mit der Angelegenheit befassen, sagte Al-Maliki in einer Pressekonferenz.

Die Hinweise auf ein Massaker von US-Marineinfanteristen in Haditha verdichten sich unterdessen. US-Ermittler kommen in einem vorläufigen Bericht zu dem Schluss, dass mehrere Offiziere ihren Vorgesetzten falsche Angaben über den Vorfall im vergangenen November machten. Das meldete die Zeitung «Washington Post» auf ihrer Web-Site am Mittwochabend. In einem von mehreren Fernsehsendern ausgestrahlten Video schilderte ein zwölfjähriges Mädchen das Vorgehen von US-Marineinfanteristen, die mehr als zwei Dutzend Zivilpersonen getötet haben sollen.

Bei der «Washington Post» hieß es unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, es gebe Hinweise auf nicht provozierte Morde durch die Marineinfanteristen. Die von den Offizieren darüber gemachten Angaben seien von ihren Vorgesetzten nicht ausreichend überprüft worden. Die Ermittler, die nichts mit einer separaten Untersuchung über ein mögliches Strafverfahren gegen Marineinfanteristen zu tun haben, empfahlen der Zeitung zufolge Änderungen bei der Ausbildung von Truppen, die im Irak eingesetzt werden sollen.

Der Befehlshaber der multinationalen Streitkräfte im Irak, General Peter Chiarelli, ordnete am Donnerstag eine Sonderausbildung für alle Soldaten an, «um professionelle militärische Werte und die Bedeutung disziplinierten, professionellen Verhaltens im Gefecht» ebenso wie kulturelle Erwartungen der Iraker zu betonen. «Als professionelle Militärs ist es wichtig, dass wir uns die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was uns von unseren Feinden unterscheidet», sagte Chiarelli. Das Fehlverhalten einiger weniger dürfe nicht die gute Arbeit der Mehrheit zunichte machen.

In dem Videofilm berichtet die zwölfjährige Safa Junis über das Vorgehen von US-Marineinfanteristen am 19. November in Haditha. Sie ist eine von wenigen Überlebenden des Angriffs, bei dem irakischen Angaben zufolge 24 unbewaffnete Zivilpersonen getötet wurden.

«Die Amerikaner klopften an die Tür», berichtet das Mädchen in dem Video. «Mein Vater wollte öffnen, sie haben ihn durch die Tür erschossen. Nachdem sie die Tür öffneten, haben sie nochmal auf ihn geschossen.» Die Marineinfanteristen hätten auch ihre Mutter und ihre vier Geschwister erschossen. Sie habe nur überlebt, weil sie sich zwischen den Leichen ihrer Familie tot gestellt habe. Die Menschenrechtsgruppe Hammurabi machte das Video bereits Ende November, am Mittwoch wurde es von mehreren Sendern ausgestrahlt.

Nach US-Angaben sind die Details des Vorfalls noch nicht vollständig ermittelt. Bekannt ist, dass eine Bombe explodierte und dass dabei ein Marineinfanterist getötet wurde. Anwohnern zufolge rasteten die US-Soldaten daraufhin aus und töteten zwei Familien in nahe gelegenen Häusern. US-Präsident George W. Bush äußerte sich am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme «beunruhigt». Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er.

(AP)

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