China News - Menschenrechte – „Flamme der Schande“ – Tobias Schmidt
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Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte

„Flamme der Schande“

Tobias Schmidt

07.04.2008

Das Symbol von Reporter ohne Grenzen für Peking 2008 - fünf Handschellen wie olympische Ringe auf schwarzem Hintergrund - wird am Eiffelturm befestigt. (AP Photo/Francois Mori)
Das Symbol von Reporter ohne Grenzen für Peking 2008 - fünf Handschellen wie olympische Ringe auf schwarzem Hintergrund - wird am Eiffelturm befestigt. (AP Photo/Francois Mori)
(AP Photo/Patrick Kovarik, Pool)
(AP Photo/Patrick Kovarik, Pool)
(AP Photo/Francois Mori)
(AP Photo/Francois Mori)
(AP Photo/Francois Mori)
(AP Photo/Francois Mori)
(AP Photo/Thibault Camus)
(AP Photo/Thibault Camus)

Paris – Die Fackel fünf Mal gelöscht, Anti-China-Banner an den größten Wahrzeichen von Paris, tausende tibetische Flaggen und demonstrierende Buddhisten auf der Strecke: Der Versuch Chinas, mit dem olympischen Fackellauf Werbung für sich und die Sommerspiele in Peking zu machen, ist seit Montag endgültig gescheitert. Die Veranstaltung wurde abgebrochen, den letzten Teil der Strecke legte die Fackel in einem Bus zurück.

Ein einmaliger Vorgang in der olympischen Geschichte und der bislang größte Imageschaden für das einst hehre Symbol für Frieden, Freiheit und Völkerverständigung.

Als „Flamme der Schande“ bezeichneten Tibeter und ihre Anhänger das olympische Feuer. Zu Tausenden hatten sie sich auf dem „Platz der Menschenrechte“ gegenüber dem Eiffelturm versammelt. „Die Vergabe der Olympischen Spiele an China hat zu einer Verschlechterung der Lage in Lhasa beigetragen“, sagte die buddhistische Nonne Fabienne Gacon. Peking sehe sich durch die weltweite Aufmerksamkeit zu einem harten Durchgreifen gezwungen. „Es ist schade, dass die Proteste hier gewaltsam verlaufen sind, aber wir müssen die Menschen aufrütteln.“

„Keine Spiele im größten Gefängnis der Welt“

Der Zorn der Aktivisten war selbst von 3.000 Sicherheitskräften nicht zu bändigen. Mit Feuerlöschern, Wasserkanonen, Pappbechern und Flaschen attackierten sie die Flamme. Selbst einer im Rollstuhl sitzenden Sportlerin versuchten sie die Fackel zu entreißen. „Tibet, Tibet!“, riefen die Gruppen, die sich dem Zug am Ufer der Seine und auf den Champs Élysées in den Weg setzten und mit Tränengas vertrieben wurden. Vor dem Eiffelturm bespuckten sich Tibeter und Chinesen und mussten von Sicherheitskräften getrennt werden. „Ihr seid Lügner und beschmutzt unseren Ruf“, schrie ein Chinese mit der Flagge seines Landes in der Hand.

Peking zeigte sich bereits nach den Protesten in London am Sonntag gekränkt. Ein Sprecher des Olympia-Organisationskomitees sprach von einem „abscheulichen Sabotageversuch tibetischer Separatisten.“ In Paris machten aber auch die Grünen, Reporter ohne Grenzen und Human Rights Watch mit den Tibetern eine Front.

Der Grünen-Politiker Sylvain Garel versuchte gleich beim Start auf der ersten Etage des Eiffelturms, die Fackel an sich zu reißen. „Die Spiele dürfen nicht im größten Gefängnis der Welt stattfinden“, sagte er. Die Reporter befestigten riesige Banner, auf denen die olympischen Ringe als Handschellen dargestellt waren, am Eiffelturm, an der Kathedrale Notre Dame und am Rathaus.

Es sind gerade diese symbolischen Angriffe, die die Perversion der olympischen Fackel am Deutlichsten machten: Als Werbung für ein Land, in dem die Menschenrechte unterdrückt, Dissidenten verhaftet und protestierende Mönche getötet werden, sollen sie nicht missbraucht werden, so die Botschaft.

Botschaft bei IOC angekommen

Nach den Protesten bei der Entzündung der Fackel in Olympia, den Aktionen in St. Petersburg und London ist die Botschaft inzwischen selbst auch bei IOC-Präsident Jacques Rogge angekommen. „Ich bin sehr besorgt über das, was in Tibet geschieht“, sagte er in Peking. „Das IOC ruft zu einer raschen und friedlichen Lösung auf.“

Verhalten fiel dagegen die Reaktion des DOSB-Präsidenten Thomas Bach aus: „Gegen friedliche Demonstrationen hat niemand etwas einzuwenden“, sagte er dem ZDF. „Wirklich befremdlich ist, dass bei dem Fackellauf ein Symbol mit Gewalt angegriffen wird.“

Der politische Druck auf den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy wird nach dem Chaostag in Paris noch steigen. Ihm kommt die undankbare Aufgabe zu, in Peking als Ratspräsident die EU zu vertreten, und Europa ist in der Olympia-Frage gespalten. Während Kanzlerin Angela Merkel ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier schon ausgeschlossen hat, will der britische Premier Gordon Brown anreisen.

Sarkozy schließt einen Boykott der Auftaktzeremonie nicht aus, will seine Entscheidung aber von der weiteren Entwicklung in Tibet abhängig machen. Bei seinem Amtsantritt versprach er vollmundig, den Menschenrechten weltweit zu mehr Geltung zu verschaffen. Jetzt werfen ihm viele Franzosen einen Eiertanz vor. „Wir sind das Mutterland der Menschenrechte, es sei denn, wir wollen unsere Schnellzüge, Atomkraftwerke oder Flugzeuge nach China verkaufen“, sagte der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit. (AP)

 
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