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Wiederholtes Erdbeben Nachbeben erschüttert aufgestauten See in China

Cara Anna

08.06.2008

Eltern fordern Gerechtigkeit für ihre Kinder, die beim Erdbeben ums Leben kamen. (AP Photo/Ng Han Guan)
Eltern fordern Gerechtigkeit für ihre Kinder, die beim Erdbeben ums Leben kamen. (AP Photo/Ng Han Guan)

Jiangyou/China – Ein heftiges Nachbeben hat am Sonntag den von Erdrutschen aufgestauten Tangjiashan-See in China erschüttert. Von den umliegenden Hängen seien Schlammlawinen niedergegangen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Folgen für den See, dessen Pegel bereits zuvor gefährlich anstiegen war, waren zunächst nicht bekannt. Der Druck auf den Damm könnte sich dadurch weiter erhöhen. Sollte es zu einer Flutwelle kommen, wären rund eine Million Menschen gefährdet. 250.000 Anwohner wurden deswegen bereits evakuiert.

Mit gezielten Sprengungen versuchten chinesische Soldaten noch wenige Stunden vor dem Nachbeben, das Abfließen der Wassermassen aus dem See zu beschleunigen. Die Sprengungen wurden notwendig, weil der Wasserstand trotz eines kürzlich geöffneten Abflusskanals weiter anstieg. Die Soldaten sprengten gezielt im Wasser schwimmende Holzhäuser, große Trümmer und auch Felsblöcke, die den Abfluss blockierten.

Obwohl das Wasser abfließe, seien die Behörden immer noch in größter Alarmbereitschaft, berichtete Xinhua. Die Einsatzkräfte standen vor einer schwierigen Aufgabe: Läuft nicht genug Wasser ab, könnte der Druck hinter dem aufgeschütteten Damm zu groß werden. Wenn das Wasser allerdings zu schnell abläuft, könnte es den knapp 500 Meter langen Abflusskanal aushöhlen und damit den ganzen Damm gefährden.

Rund 45 Kilometer flussabwärts im Dorf Jiuling war von einem Abfließen der Wassermassen kaum etwas zu merken: Der Fluss Tongkou floss gemächlich dahin. „Ich wünschte, die würden sich beeilen“, sagte Reisbauer Cai Yuhua, der mit hunderten anderer Familien in Behelfszelten auf einem nahegelegenen Hügel ausharren musste. „Das letzte Mal, dass wir in unsere Häuser konnten, war am 22. Mai“, sagte Cai. Staatliche Medien berichteten, dass die Anwohner frühestens in einer Woche in ihre Häuser zurück könnten.

Erst am Samstag wurde damit begonnen, Wasser aus dem See abzulassen. „Die Rettungsarbeiten dauern an, aber in absehbarer Zeit besteht kein Risiko eines Dammbruchs“, sagte der stellvertretende Armeechef in der Region Chengdu, Fan Xiaoguang.

Die Behörden kündigten unterdessen an, sie wollten Vorwürfe von Spendenbetrug im Zusammenhang mit dem Erdbeben untersuchen. Ein Bericht sollte am 20. Juni vorliegen. Xinhua berichtete, im In- und Ausland seien bisher 6,3 Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) für die Opfer gespendet worden.

Eltern dürfen zweites Kind bekommen

Das Erdbeben in der Provinz Sichuan vom 12. Mai hatte eine Stärke von 7,9. Nach offiziellen Angaben wurden 69.127 Menschen getötet, fast 18.000 weitere werden noch vermisst.

Schätzungen zufolge waren unter den Todesopfern 7.000 Kinder ohne Geschwister. Die Kommission für Familienplanung kündigte an, sie werde Mediziner ins Katastrophengebiet schicken, die Sterilisierungen rückgängig machen sollten, falls Paare ein weiteres Kind haben wollten. In China dürfen Paare meist nur ein Kind bekommen. Wenn das Kind getötet oder schwer verletzt wird, dürfen sie ein zweites bekommen. (AP)

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