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3,5 Millionen Besucher und kaum ein Gekrakel

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07.05.2006

Menschen laufen zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin am 12. Mai 2005. Ein Jahr nach seiner Eroeffnung im Mai 2005 ist das Denkmal fuer die ermordeten Juden Europas in der Mitte Berlins ein Besuchermagnet fuer Millionen geworden. (AP Foto/ Markus Schreiber)
Menschen laufen zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin am 12. Mai 2005. Ein Jahr nach seiner Eroeffnung im Mai 2005 ist das Denkmal fuer die ermordeten Juden Europas in der Mitte Berlins ein Besuchermagnet fuer Millionen geworden. (AP Foto/ Markus Schreiber)

Berlin - Was war nicht alles geunkt worden: Zur «Trimm-dich-Attraktion» würde das frei zugängliche Holocaust-Mahnmal verkommen, zum vermüllten Picknickplatz, beschmiert würde es werden mit Graffiti und Hassparolen. Weit gefehlt. Ein Jahr nach seiner Eröffnung ist das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in der Mitte Berlins ein Besuchermagnet für Millionen geworden. Und selbst das jugendliche Publikum benimmt sich.

«Das Konzept des offenen Denkmals ist aufgegangen», freut sich Uwe Neumärker, Geschäftsführer der Mahnmal-Stiftung. 60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur und nach 17 Jahren teils erbittert geführter Diskussion war das Mahnmal in unmittelbarer Nähe von Brandenburger Tor und Reichstag am 10. Mai 2005 feierlich eröffnet und zwei Tage später für Besucher freigegeben worden.

Seither haben nach Berechnungen der Berlin Tourismus Marketing 3,5 Millionen Menschen das vom US-Architekten Peter Eisenman gestaltete Stelenfeld besucht, wie Neumärker berichtet. Allein im unterirdisch gelegenen «Ort der Information», der über die Verfolgung und millionenfache Ermordung der Juden unterrichtet, wurden bis Ende April rund 490.000 Besucher gezählt. Für April und Mai allein sind fast 300 Gruppen angemeldet. Schulklassen stehen ebenso an der Eingangsschleuse an wie Erwachsene.

Die Initiatoren freuen sich sehr über das große Interesse. Der Stiftungs-Geschäftsführer erwartet einen ungebrochenen Zustrom, da nach dem ersten Ansturm der Neugierigen das Mahnmal nun in die touristischen Programme eingeflossen sei. Man habe sich viel erhofft, doch niemand habe das Wagnis eines frei begehbaren, Tag und Nacht zugänglichen Denkmals ermessen können.

Die befürchteten Schmierereien an den extra gegen Graffiti beschichteten Betonsäulen jedenfalls sind weitgehend ausgeblieben. Fünf Hakenkreuze mussten im Lauf des Jahres entfernt werden, vier Davidsterne, ein Graffito und ab und zu «tags», wie die kurzen Signatur-Krakel der Sprayer genannt werden. «In der Hauptstadt der Sprayer ist das nichts», findet Neumärker.

«Kein Architekturpreis» für Imbiss-Pavillon

Die Mehrheit der Besucher verhalte sich angemessen, berichtet er erleichtert. Vielleicht liege das daran, dass das Denkmal eine bestimmte Würde ausstrahle. Das anfangs häufig kritisierte Herumturnen Jugendlicher auf den Säulen hält sich sehr in Grenzen: «Das sind Einzelfälle.» Außerdem ermahnten nicht nur die Sicherheitskräfte, sondern auch Bürger die Übermütigen, Klettereien zu unterlassen.

Dass Besucher am Rand des Feldes mal auf den niedrigen Stelen sitzen, ausruhen und eine Schrippe verzehren, regt Neumärker nicht auf. Viele unterhielten sich dabei auch über das Mahnmal, den Anlass. Das Denkmal sei schließlich «nicht der steinerne Schlussstrich». Gelassen sieht er auch den neuesten Aufreger in der langen Streitgeschichte um und über das Mahnmal, den direkt daneben platzierten klotzigen Gastronomie-Pavillon.

«Er wird keinen Architekturpreis gewinnen», räumt er ein. Für die drei Jahre, die die hölzerne Imbissbude dort stehen soll, kann er aber damit leben. Insgesamt überwögen die Vorteile. Schließlich müssten die wartenden Besucher doch irgendwo etwas zu trinken und zu essen bekommen und auch eine Toilette aufsuchen können. Zudem bietet der Pavillon eine Aussichtsplattform mit Blick über das Stelenfeld, und Neumärker hofft, dass die Besucher «statt auf die Stelen zu klettern, dann von dort oben fotografieren».

http://www.stiftung-denkmal.de/

(AP)

 

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