Des Moines – Ein neuer Stall, Flachbildfernseher, Wasserbetten – den Kühen von Kirk Christie mangelt es nicht an Komfort. Zu verdanken haben sie diesen Luxus der Philosophie des Landwirts, dass nur eine glückliche Kuh eine produktive Kuh ist. Und mehr Milch bedeutet wiederum mehr Einnahmen.
Weil er überzeugt ist, dass die Rechnung aufgeht, stellt Christie seinen Tieren gerne alle Annehmlichkeiten zur Verfügung. „Diese Kühe sind meine Mädchen“, sagt der Inhaber der Farm bei Slater, rund 40 Kilometer nördlich von Des Moines im US-Staat Iowa. „Sie können fragen, wen Sie wollen, ich habe vor diesen Kühen wahrscheinlich mehr Hochachtung als vor mir selbst.“
Christies 23 Kühe entspannen sich etwa 18 Stunden pro Tag auf Wasserbetten, die er im November angeschafft hat. Die mit Wasser gefüllten Gummimatten seien von Anfang an gut angekommen, sagt der Landwirt. Im Winter halten sie die Kühe angenehm warm, im Sommer spenden sie Abkühlung – je nachdem, welche Temperatur das Wasser hat, das Christie hineinpumpt. Und damit das Ganze noch bequemer wird, sind die Matten mit Holzspänen bedeckt.
„Wenn sie so daliegen und wiederkäuen, dann sind sie glücklich“, glaubt Christie. Er ist nicht der einzige, der seinen Kühen einen solchen Komfort gönnt. Landesweit sind in immer mehr Ställen Wasserbetten zu finden, ebenso wie in Kanada und Europa, wo die Idee im vergangenen Jahrzehnt geboren wurde. Der Gedanke, der dahintersteckt, lautet: Je wohler sich die Kühe fühlen, umso lukrativer sind sie.
Leo Timms, Molkerei-Experte an der Iowa State University, schätzt, dass die Kühe täglich etwa sechs Prozent mehr Milch geben, wenn sie einen bequemen Platz im Stall haben. „Keine Frage, einer der wichtigsten Faktoren ist wahrscheinlich die Beschaffenheit der Liegefläche“, sagt Timms, der entsprechende Studien an einer Forschungseinrichtung der Universität durchführt.
Christie schätzt sogar, dass seine Kühe bis zu zehn Prozent mehr Milch geben, seit er ihnen die Wasserbetten spendiert hat – für etwa 200 Dollar (130 Euro) pro Stück. Auch ein Fernseher im Stall könne nichts schaden, dachte sich der Landwirt. So dösen die Kühe nun auf ihren Matten und lassen sich von Talkshows und Serien unterhalten. „Das Gute daran ist, dass sie an verschiedene Stimmen gewöhnt sind“, sagt Christie. Folglich würden die Kühe nicht nervös, wenn Besucher den Stall besichtigten.
Während Christie auf Wasserbetten schwört, nutzen die meisten Milchbauern in den USA eine andere Art von Ruhestätte für ihre Tiere, beispielsweise Matratzen oder Sand. Das ist in der Anschaffung billiger, allerdings auf Dauer aufwendiger. Hinzu kommt, dass Sand die Melkvorrichtungen beschädigen kann. Und eine Studie, die die Universität von Colorado im vergangenen Jahr veröffentlichte, besagt, dass die Beine der Kühe auf Matratzen eher anschwellen als auf Wasserbetten oder Sand.
Diese Erkenntnisse dürften immer mehr Bauern dazu bewegen, über kurz oder lang in die wassergefüllten Matten zu investieren, glaubt Temple Grandin, der Leiter der Studie. Vorreiter seien wahrscheinlich die neuen Farmen. Ältere Betriebe würden dagegen nicht über Nacht umstellen. „Das braucht Zeit“, sagt der Professor.
Auf diesen Trend setzt auch Dean Throndsen, der Inhaber der Firma Advanced Comfort Technolgy in Reedsburg im US-Staat Wisconsin. Das Unternehmen verkauft Wasserbetten an Molkereibetriebe in Nordamerika und Europa. Vor etwa drei Jahren hätten die Landwirte in den USA begonnen, in Wasserbetten zu investieren, sagt Throndsen. Seitdem floriere das Geschäft. Bislang habe er etwa 200.000 Stück verkauft, schätzt der Geschäftsmann. „Und die Nachfrage steigt enorm.“ (AP)
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