Frankfurt/Main – Entgegen der landläufigen Meinung wirkt Kaffee nicht entwässernd. Koffeinhaltige Getränke können nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten daher durchaus in die tägliche Flüssigkeitsbilanz einbezogen werden. Als Durstlöscher seien Kaffee und Schwarztee jedoch trotzdem nicht zu empfehlen.
„Mehrere Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sich die Wirkung von Kaffee auf den Flüssigkeitshaushalt des Körpers kaum von der von Wasser unterscheidet“, erklärt der Münchner Internist Johannes Mann. Wer Kaffee trinke, scheide bis zu 84 Prozent der aufgenommenen Flüssigkeit innerhalb eines Tages wieder über den Urin aus. Wer reines Wasser trinke, scheidet bis zu 81 Prozent aus – ein vernachlässigbarer Unterschied. Kurzzeitig erhöhe Koffein zwar die Filterfunktion der Nieren, so dass mehr Urin gebildet werde. Dieser Effekt lasse aber schnell wieder nach.
Auch die Zusammensetzung des Urins unterscheidet sich nach Kaffee-Genuss nicht. „Allerdings hängt die Wirkung von Kaffee oder Tee stark davon ab, ob jemand an Koffein gewöhnt ist: Bei regelmäßigem Genuss reagiert der Körper schwächer“, erklärt der Professor. Auch das Alter, Medikamente oder Krankheiten könnten die Wirkung von Koffein beeinflussen. „Allgemein aber gilt: Koffein-Mengen bis 550 Milligramm Koffein täglich – das entspricht etwa fünf bis sieben Tassen – sind unbedenklich, was den Flüssigkeitshaushalt angeht“, sagt der Nierenspezialist.
Trotz dieser Erkenntnisse wird Koffein laut Mann vielfach immer noch entwässernde Wirkung zugeschrieben. Demnach könne Koffein den Elektrolyt-Haushalt durcheinanderbringen und sei deshalb insbesondere vor körperlicher Anstrengung schädlich. „Diese Warnungen sind definitiv übertrieben. Trotzdem sollte man Kaffee oder Tee natürlich nicht gegen den Durst trinken, denn sehr viel Koffein kann beispielsweise den Blutdruck erhöhen“, betont der Experte. Mineralwasser oder Saftschorlen seien sehr viel besser geeignet, Flüssigkeitsverluste auszugleichen.
http://www.internisten-im-netz.de (AP)
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