Aktuelle Nachrichten – Buchmesse Frankfurt
16.10.2008
Frankfurt/Main – Das PEN-Zentrum Deutschland hat die Einladung des Dalai Lamas zur nächsten Buchmesse angeregt, bei der China Ehrengast ist. „Um ein Zeichen zu setzen. Um deutlich zu machen, dass es in der Welt der Bücher nicht nur um wirtschaftliche Interessen geht“, hieß es in einer Erklärung der PEN-Vizepräsidentin Katja Behrens. Die Organisation legte am Donnerstag in Frankfurt am Main neue Zahlen vor. Danach sind allein im ersten Halbjahr 2008 weltweit 20 Autoren umgebracht worden, sieben weitere verschwunden. 189 seien inhaftiert sowie 223 vor Gericht gestellt worden.
Insbesondere kritisierte das PEN Menschenrechtsverletzungen in China und der Türkei, dem diesjährigen Ehrengast der Buchmesse. Dort sei es rechtens, Untersuchungsgefangene monatelang festzuhalten, ohne sie über den Grund ihrer Verhaftung zu informieren, hieß es. Der Paragraf 301 – „Beleidigung des Türkentums“ – sei nur reformiert, nicht aber abgeschafft worden. Nach dem Stand von Juli 2008 stünden 75 Autoren in der Türkei unter Anklage, davon ein Drittel nach dem Paragrafen 301.
Die Übersetzerin Sezer Duru, Mitglied des türkischen PEN-Zentrums, relativierte die Vorwürfe. „Wir sind noch kein echtes demokratisches Land geworden, aber wir sind auf dem Weg dorthin“, sagte sie. Menschenrechtsverletzungen in der Türkei seien nicht systematisch, „aber es gibt Einzelfälle“.
Seit einigen Jahren hilft das PEN-Zentrum exilierten Schriftstellern und Autoren mit einem bis zu dreijährigen Stipendium in Deutschland, wieder zur Ruhe zu kommen und arbeiten zu können. Eine von ihnen, die Weißrussin Svetlana Alexijewitsch, berichtete auf der Frankfurter Buchmesse über die Situation in ihrer Heimat.
Alexijewitsch lebt in einer vom PEN angemieteten Wohnung in Berlin, ebenso wie der Kubaner Amir Valle und Rohitha Bashana Abeywardane aus Sri Lanka. In Köln ist Itai Mushekwe aus Simbabwe untergebracht, in München der Iraner Khalil Rostamkhani und in Hamburg Alhierd Bacharevic aus Weißrussland. Die Bundesregierung unterstützt das „Writers-in-Exile“-Programm.
http://www.pen-deutschland.de/htm/aufgaben/writers_in_prison (AP)
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