Hamburg – Unabhängige Finanzberater erleben derzeit einen ungeahnten Boom. Durch den Ansturm der Anleger bei den Verbraucherzentralen sind deren Kapazitäten längst erschöpft. Bis zu zwei Monate Wartezeit müssen Sparer einplanen, die eine ausführliche persönliche Beratung wollen. Und auch bei den Honorarberatern ist die Nachfrage enorm. „Mit einem solchen Ansturm haben wir nicht gerechnet“, sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer beim Verbund Deutscher Honorarberater (VDH).
Insbesondere die Verbraucherzentralen spüren die Auswirkungen der Finanzkrise. „Wir werden von Anfragen geradezu überrollt“, sagt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. „Die Leute sorgen sich um ihr Erspartes, und wollen wissen, wie sie ihr Geld sicher anlegen können.“ Im Mittelpunkt stünden dabei die Überprüfung von Wertpapierdepots und Beratungen zum Thema Altersvorsorge. Bis zu zwei Monate müssen Kunden hier auf ein persönliches Gespräch warten.
In anderen Verbraucherzentralen sieht es nicht viel besser aus. Ohne Wartezeit sei derzeit sowieso nirgends ein Beratungstermin zu bekommen, sagt Christian Fronczak vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der schon lange einen steigenden Beratungsbedarf feststellt. „Aber derzeit gibt es eine große Verunsicherung bei den Bürgern. Und für immer mehr sind die Banken offenbar nicht mehr der erste Ansprechpartner in Finanzfragen“, sagt Fronczak. Zwar ist das Angebot bei den Verbraucherzentralen nicht kostenlos, dafür aber neutral. Eine persönliche Beratung dauert zwischen 20 und 90 Minuten, die Kosten sind regional verschieden und betragen je nach Leistungsumfang zwischen 20 und 120 Euro.
Das ist vergleichsweise günstig, allerdings sind bundesweit gerade einmal rund 200 Finanzberater für die Verbraucherzentralen tätig. Damit kommt statistisch gesehen nur ein Finanzexperte auf 200.000 Haushalte. Eine Aufstockung der Kapazitäten sei nicht zu erwarten, denn die meisten Bundesländer würden die Mittel für die Verbraucherzentralen weiter reduzieren, sagt Fronczak. Derzeit liege die jährliche Förderung bundesweit gerade einmal bei 35 Cent pro Bürger.
Auch die 1.200 privaten Honorarberater, die im VDH zusammengeschlossen sind, erleben derzeit einen ungeahnten Ansturm. „Beim Verbund hat sich die Zahl der monatlichen Anfragen auf bis zu 500 etwa verdreifacht“, sagt VDH-Geschäftsführer Dieter Rauch. Dabei profitiere man auch davon, dass manche Kunden schlechte Erfahrungen bei den Banken gemacht hätten. „Viele haben erkannt, dass es eine Finanzberatung dort nicht zum Nulltarif gibt, und die Beratung sich oft eher am Verkaufsinteresse der Bank als an den tatsächlichen Bedürfnissen des Kunden orientiert“, sagt Rauch.
Rund 90 Prozent aller deutschen Honorarberater haben sich im VDH zusammengeschlossen. Die Fachleute werden ausschließlich vom Kunden bezahlt und erhalten keine Provisionen oder andere Vergütungen. Billig ist eine Beratung hier jedoch nicht. Der Stundensatz beträgt in der Regel zwischen 100 und 150 Euro. Für eine umfassende Finanzplanung müssen Kunden zwischen 1.000 und 1.500 Euro einkalkulieren. Eine kurze Überprüfung des Depots ist laut Rauch für rund 100 Euro zu haben. Übrigens machen sich immer mehr Bankberater als freie Honorarberater selbstständig. Laut VDH haben inzwischen sieben von zehn neuen Experten vorher bei einer Bank gearbeitet.
„Bei der Auswahl eines Honorarberaters sollten Anleger darauf achten, welche Ausbildung er hat und ihn nach Referenzen fragen“, rät Karin Baur vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Wichtig sei auch eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, damit im Fall einer Falschberatung der Schaden ersetzt werde. Und vor der Auftragsvergabe sollten Anleger mit dem Berater immer genau vereinbaren, was er tun soll und die Kosten vereinbaren. Grundsätzlich sei eine Honorarberatung empfehlenswert, denn: „Unabhängige Berater verkaufen eher das am besten geeignete Produkt und nicht das, an dem sie viel verdienen“, sagt Baur.
http://www.finanztest.de
http://www.v-d-h-online.de
http://www.vz-berlin.de
http://www.vzbv.de (AP)
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