Aktuelle Nachrichten – Europa
23.11.2008
Zürich – Der Direktor der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), Daniel Zuberbühler, schliesst eine zusätzliche Staatshilfe für die UBS nicht aus. Eine Fusion mit der Credit Suisse komme hingegen nicht in Frage und eine Übernahme sei unwahrscheinlich, sagte Zuberbühler in einem Interview der „SonntagsZeitung“.
„Wenn man die Marktentwicklung anschaut, ist es tatsächlich eine offene Frage, ob unser Massnahmenpaket ausreichen wird“, sagte Zuberbühler zum Eindruck, dass die UBS noch nicht über dem Berg sei. Sicher sei aber, dass das Rettungspaket von Bund und Nationalbank die Lage und die Liquiditätssituation stabilisiert habe. Ohne dieses Paket würde die Bank viel schlechter dastehen, das sei offensichtlich.
Die Frage von zusätzlichen Rettungsmassnahmen stelle sich im Moment nicht. Wenn noch mehr passiere, brauche es aber wohl oder übel eine weitere Kapitalerhöhung. Auf die Frage, ob dann der Staat noch einmal einspringen müsse, sagte Zuberbühler: „Nüchtern betrachtet, ist das nicht auszuschliessen.“ Wie viele ausländische Staaten müsste auch die Eidgenossenschaft nötigenfalls mehr Eigenkapital einschiessen. „Die Kunden und Gegenparteien sowie die ganze Volkswirtschaft müssen sich darauf verlassen können, dass wir eine Grossbank nicht untergehen lassen“, sagte der Direktor der Aufsichtsbehörde.
Er bezeichnete die Finanzkrise als aussergewöhnlich und umfassend. Leider sei sie auch längst nicht ausgestanden. Auf weitere Notfallszenarien der Behörden angesprochen, verwies der EBK-Direktor auf den Hinweis in der Botschaft des Bundesrats zum Rettungspaket, wonach man für neue Anleihen der Banken Garantien abgeben könnte, wie das in England und Deutschland bereits gemacht worden sei.
Auf die Möglichkeit eines Verkaufs der UBS angesprochen, erinnerte Zuberbühler daran, dass dies vor dem von Bund und Nationalbank beschlossenen Hilfspaket von Mitte Oktober eine Szenario gewesen, von der Bank aber verworfen worden sei. In der jetzigen Situation nach dem starken Kursrückgang der UBS scheine die Option Verkauf auf den ersten Blick eine nahe liegende Option. Weil ein Käufer dabei aber auch den gesamten Bundesdeal, also auch die bei der Nationalbank liegenden illiquiden UBS-Aktiven übernehmen müsste, dürfte eine Übernahme im heutigen unsicheren Umfeld wenig Sinn machen, sagte der EBK-Direktor.
Auch in einer Fusion zwischen UBS und Credit Suisse (CS) sieht er keine Lösung. Denn dies wäre eine Anhäufung von Problemen im Investment Banking. „Das käme nicht gut“, sagte Zuberbühler und fügte hinzu: „Auch wollen wir kein solches Monstrum für dieses kleine Land. Wettbewerbsrechtlich wäre es zwar durch einen Teilverkauf machbar, aber die Antwort ist klar Nein, weil die Risiken einer solchen Fusion in einer solch schwierigen Phase viel zu gross wären.“ Zur Situation der CS sagte der Chef der Aufsichtsbehörde, wegen deren viel kleineren Exposition im Subprime-Bereich am Anfang der Krise stehe die CS wesentlich besser da. Zudem habe sie die Kapitalerhöhung aus eigener Kraft bewerkstelligen können. Aber auch sie leide mit ihrer Investmentbank unter der allgemeinen Marktentwicklung. (AP)
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