Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Mindestens 270 Tote bei Luftangriffen im Gazastreifen – DAPD
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Weltsicherheitsrat fordert Ende Mindestens 270 Tote bei Luftangriffen im Gazastreifen

DAPD

28.12.2008

(AP Photo/Sebastian Scheiner)
(AP Photo/Sebastian Scheiner)

Gaza – Bei den schwersten israelischen Luftangriffen seit Jahrzehnten sind im Gazastreifen bis Sonntag mindestens 270 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 600 wurden nach palästinensischen Angaben verletzt. Die israelische Luftwaffe flog nach Angaben eines Sprechers seit Samstagmittag etwa 250 Angriffe auf Einrichtungen der Sicherheitskräfte unter dem Kommando der Hamas.

Das erklärte Ziel der Offensive, die Raketenangriffe auf Israel zu stoppen, wurde zunächst aber nicht erreicht. Militante Palästinenser schossen am Sonntag Dutzende von weiteren Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab. Eine Rakete schlug in der Nähe von Aschdod ein, der größten Stadt im Süden Israels, die 38 Kilometer vom Gazastreifen entfernt ist. Dies ist die bislang größte Reichweite palästinensischer Raketen. Am Samstag wurde ein Bewohner der israelischen Ortschaft Netivot getötet. Sechs Menschen wurden verletzt.

Die Regierung in Jerusalem stimmte die Öffentlichkeit darauf ein, dass die Offensive noch länger dauern könnte. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte am Samstagabend, es gehe um „eine grundsätzliche Verbesserung der Sicherheitslage“, und fügte hinzu: „Das kann einige Zeit dauern.“ Dabei erwägt Israel nach Informationen aus Militärkreisen auch einen möglichen Einmarsch von Bodentruppen im Gazastreifen. Mehrere hundert Soldaten seien auf dem Weg zur Grenze, teilten israelische Offiziere mit.

Erste Angriffswelle mit Bomben von mehr als 100 Tonnen

Die israelische Luftwaffe warf in den ersten neun Stunden der Angriffe nach eigenen Angaben Bomben mit einem Gewicht von insgesamt mehr als 100 Tonnen ab. Die erste Angriffswelle richtete sich gegen militärische Ausbildungslager, Waffenlager und mutmaßliche Werkstätten für den Bau von Raketen. Eine zweite Welle galt am Samstagabend den Stellungen entlang der Grenze, von denen Raketen auf Israel abgeschossen wurden.

Angegriffen wurde auch die Sendezentrale von Al Aksa TV. Das Studiogebäude des von der Hamas genutzten Senders wurde zerstört. Die Übertragungen wurden aber mit Hilfe eines mobilen Senders fortgesetzt.

Der Ministerpräsident der Hamas im Gazastreifen, Ismail Hanijeh sagte über einen örtlichen Fernsehsender, seine Bewegung werde sich dem militärischen Druch nicht beugen. In der syrischen Hauptstadt Damaskus rief Hamas-Führer Chaled Maschaal zum Widerstand gegen Israel auf und sagte in Anspielung an die bisher zwei Aufstandsbewegungen der Intifadah ab 1987 und ab September 2000: „Dies ist die Zeit für einen dritten Aufstand.“

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rief Israel und die Palästinenser zu einer sofortigen Einstellung der Gewalt auf. Nach mehr als vierstündigen Beratungen äußerte sich der Rat am Sonntag in einer Erklärung sehr besorgt über die Eskalation im Gazastreifen und sprach sich auch für eine Öffnung der Grenzübergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen aus.

Die Dringlichkeitssitzung wurde von Libyen im Namen der arabischen Staatengruppe bei den Vereinten Nationen beantragt. Vor Beginn sagte der palästinensische UN-Beobachter Rijad Mansur über die israelischen Luftangriffe: „Diese kollektive Bestrafung ist unmenschlich, unmoralisch und sollte sofort gestoppt werden.“ Im Westjordanland und in mehreren arabischen Ländern kam es zu Demonstrationen gegen die israelische Regierung. (AP)

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