Aktuelle Nachrichten – Europa
19.01.2009
Zürich/Bern – Mit Melamin verunreinigte Milch lässt sich dank einer neuen Methode von Zürcher Forschern schneller analysieren. Innerhalb von nur 30 Sekunden kann so festgestellt werden, ob Milch verunreinigt ist oder nicht, wie die ETH Zürich am Montag mitteilte. Neue Melamin-Fälle in der Schweiz sind nicht aufgetreten.
Mit bisherigen Verfahren brauchte ein Analytiker zwischen 20 und 60 Minuten zur Bestimmung des Melamingehalts in der Milch. Eine raschere Analysemethode drängte sich insbesondere nach dem Skandal in China auf, wo Tausende von Kleinkindern wegen Nierenproblemen behandelt werden mussten, weil sie verunreinigte Milch bekommen hatten. Forscher um Renato Zenobi am Laboratorium für Organische Chemie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Analyse noch 30 Sekunden dauert, wie die ETH schreibt.
Die Methode basiert auf der Massenspektrometrie, bei der geladene Moleküle eines Probegemischs anhand ihres Molekulargewichts bestimmt werden. Im Falle der Milch wird zudem Ultraschall eingesetzt, um die Probe fein zu zerstäuben. Wie Zenobi zitiert wird, kann Milch dadurch direkt, ohne vorgelagerte Aufarbeitungsschritte analysiert werden. Die Gruppe um den Zürcher Forscher, der bereits Verfahren zur Bestimmung von Gammelfleisch vorgestellt hatte, arbeitet nun daran, die Methode für eine Nutzung im Feld weiterzuentwickeln. Den Wissenschaftern schwebt dabei ein tragbares Gerät vor, mit dem der Melamin-Gehalt direkt bei der Milchverarbeitung gemessen werden könnte.
In der Schweiz wurde Melamin bisher nur in wenigen Lebensmitteln nachgewiesen, die Milchbestandteile aus China enthielten. Dabei handelt es sich, wie im vergangenen Oktober berichtet, um Caramelbonbons, Kekse und schokoladehaltige Produkte. Seither habe es keine neuen Fälle gegeben, hiess es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag auf Anfrage. Seit einigen Wochen werden aber in den Kontrollstellen auch Eiweiss- und Sojaprodukte aus dem asiatischen Raum untersucht, wie aus dem aktuellen BAG-Bulletin hervorgeht. Neuere Untersuchungen hätten nämlich gezeigt, dass nicht nur Milch und Milcherzeugnisse, sondern auch andere proteinhaltige Lebensmittel mit Melamin verunreinigt sein könnten. Das Bundesamt weist darauf hin, dass Milch und Milchprodukte aus China weder in die Schweiz noch in die EU importiert werden dürfen. Zugelassen sei lediglich die Einfuhr von verarbeiteten Produkten. Deren Anteil an Milchbestandteilen sei aber meist gering. (AP)
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