China News - Gesellschaft – Todesstrafe in Prozess um chinesischen Milchskandal – DAPD
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Melamin-Hersteller verurteilt Todesstrafe in Prozess um chinesischen Milchskandal

DAPD

22.01.2009

(Frederic J. Brown/AFP/Getty Images)
(Frederic J. Brown/AFP/Getty Images)
Polizeisperren vor dem Gerichtshof in Shijiazhuang in Chinas Provinz Hebei, an dem die Urteile gegen die Hersteller von Melamin verkündet wurden. (AP Photo/Greg Baker)
Polizeisperren vor dem Gerichtshof in Shijiazhuang in Chinas Provinz Hebei, an dem die Urteile gegen die Hersteller von Melamin verkündet wurden. (AP Photo/Greg Baker)

Shijiazhuang/China – Der erste Prozess um den Milchskandal in China ist mit einem Todesurteil abgeschlossen worden. Das Gericht in Shijiazhuang befand den Angeklagten Zhang Yujun nach Angaben eines Sprechers für schuldig, ein Labor zur Herstellung von Melamin betrieben zu haben. Mit diesem giftigen Stoff wurde versucht, einen höheren Eiweißgehalt von Milch und Milchpulver vorzutäuschen. Zhang wurde wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verurteilt.

Wegen des gleichen Delikts wurde am Donnerstag ein zweiter Angeklagter, Zhang Yanzhang, zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil gegen den Geschäftsführer eines Molkereiunternehmens, Tian Wenhua, wurde ebenfalls noch am Donnerstag erwartet. Der Milchskandal führte zum Tod von mindestens sechs Säuglingen. Nahezu 300.000 weitere Kinder erkrankten.

Skandal monatelang vertuscht

Die ehemalige Geschäftsführerin der Molkerei Sanlu, Tian Wenhua, bekannte sich im Laufe des Prozesses schuldig, qualitativ minderwertige Ware hergestellt und verkauft zu haben. Sie war die prominenteste Angeklagte im Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal. Tian räumte ein, ihr Wissen über eine Verunreinigung der Milch monatelang für sich behalten zu haben. Ihr steht nun lebenslange Haft bevor.

Vor dem Gericht in Shijiazhuang versammelten sich am Donnerstag zahlreiche Angehörige von erkrankten oder verstorbenen Babys. Die Polizei bewachte das Justizgebäude und riegelte die nähere Umgebung ab. Sanlu sowie weitere 21 Molkereien haben eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Yuan (124 Millionen Euro) angeboten. Mehr als 200 Familien haben Klage eingereicht, um eine höhere finanzielle Entschädigung zu erreichen. Außerdem fordern sie, dass ihre Kinder langfristig kostenlos behandelt werden.

Melamin ist eine chemische Stickstoffverbindung, die vor allem zur Produktion von Kunstharz verwendet wird, den sogenannten Melamin-Harzen. Auch in Farben und Lacken ist Melamin enthalten. Der weiße, staubförmige Stoff wurde 1834 erstmals von dem deutschen Chemiker Justus von Liebig hergestellt. Heute wird er in kommerziellem Maßstab aus Harnstoff gewonnen. Wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung ist es in Deutschland verboten, Melamin zusammen mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Medikamenten zu lagern.

Melamin hat schon mehrfach eine Rolle bei Lebensmittelskandalen in China gespielt. Bevor die Substanz jetzt offenbar verwendet wurde, um in verdünnter Milch einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen, wurde sie schon bei der Produktion von Weizengluten für Tierfutter eingesetzt, das auch nach Nordamerika exportiert wurde. (AP)

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