Aktuelle Nachrichten – Europa
21.05.2008
St. Gallen – Rund 400 frustrierte St. Galler Fussballfans haben am Dienstagabend die Niederlage gegen Bellinzona im Stadion Espenmoos mit roher Gewalt kompensiert. Sieben verletzte Sicherheitsleute, 60 Festnahmen und Sachschaden in sechsstelliger Höhe lautet die Bilanz. Im Aargau bestätigte die Regierung ein Rayonverbot für vier Hooligans.
Ausgerechnet das letzte Spiel des ältesten Fussballclubs der Schweiz im legendären Stadion Espenmoos nach 98 Jahren ging in Gewalt unter. Zu den ersten Ausschreitungen kam es bereits fünf Minuten vor Abpfiff des Barrage-Spiels beim Stand vom 0:2 für Bellinzona, was den Abstieg des FC St. Gallen in die Challenge League besiegelte.
Wie Stadtpolizeikommandant Pius Valier am Mittwoch vor den Medien berichtete, gingen die Ausschreitungen ausschliesslich von den St. Galler Fans aus, während die Gäste aus Bellinzona nicht auffielen. Rund 400 Personen verwandelten das Espenmoos in ein Schlachtfeld. Sie gingen mit Schlagstöcken, Raketen und Knallpetarden auf Beamte los und steckten vor der Haupttribüne ein meterhohes Feuer an, als sich die Polizei nach einer Stunde zurückzog. Rund 100 Personen lieferten sich danach in der Innenstadt mit der Polizei Scharmützel und warfen auch Pflastersteine.
Die Polizei nahm rund 60 Personen vorübergehend fest. Beim Einsatz wurden laut Valier drei Polizisten und vier Securitas-Leute leicht verletzt. Über verletzte Fans lagen keine Angaben vor. Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Sachbeschädigung sind im Gang. Der Sachschaden im Stadion, das Ende Juni zur weiteren Nutzung an die Stadt übergeht, wird auf 100.000 bis 200.000 Franken geschätzt.
Der 90-minütige Einsatz sei angesichts des noch nie erlebten Gewaltpotenzials teilweise lebensgefährlich gewesen, sagte Valier. Die rund 300 Sicherheitskräfte von Stadtpolizei, dem Ostschweizer Polizeikonkordat und der Liechtensteiner Landespolizei seien zwar gut auf das historische und emotionale Spiel vorbereitet gewesen. Sie seien aber an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestossen.
Im Kampf gegen Hooliganismus bestätigte die Aargauer Regierung inzwischen, dass vier als gewaltbereit eingestufte Fussballfans im Herbst 2007 zu Recht vom Spiel FC Aarau – FC Zürich ferngehalten wurden. Die Beschwerden gegen die Rayonverbote von einem bis neun Monaten wurden abgewiesen, wie die Staatskanzlei am Mittwoch mitteilte. Die Entscheide können noch beim Verwaltungsgericht angefochten werden. (AP)
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