Aktuelle Nachrichten – Welt
11.02.2009
Kabul – In einer dreisten Kommando-Aktion haben Taliban-Kämpfer das afghanische Justizministerium angegriffen und 19 Menschen getötet. Auch alle acht Angreifer kamen uns Leben. 46 Menschen wurden verletzt. Ein Taliban-Sprecher bezeichnete die Aktion als Vergeltung für die Behandlung inhaftierter Gesinnungsgenossen und warf den Behörden Folter vor.
Mit Sturmgewehren und Sprengstoffwesten drangen fünf Angreifer nach Angaben der Behörden am Mittwochvormittag in das Gebäude des Justizministeriums ein. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte, im Gang sei ein Mann mit einem Sturmgewehr gewesen, „der auf alle Angestellten geschossen hat, die er gesehen hat“. Er sei dann aus einem Fenster im ersten Stock geklettert, um den Angreifern zu entkommen, sagte Nasir Mohammed mit zitternder Stimme. Auch Justizminister Sarwar Danesch war zeitweise in dem Gebäude eingeschlossen. „Sie setzen Handgranaten und AK-47, Sturmgewehre, ein“, sagte er über Mobilfunk der Nachrichtenagentur AP.
Zwei Stunden nach Beginn des Angriffs hatten die Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle – ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah, wie Polizisten am Fenster ein entsprechendes Zeichen gab. Alle fünf Angreifer wurden im Schusswechsel mit den Sicherheitskräften getötet.
Zur gleichen Zeit sprengten sich zwei Männer vor der Gefängnisbehörde des Justizministeriums im Norden der afghanischen Hauptstadt in die Luft. Zu einem dritten Zwischenfall kam es in der Nähe des Bildungsministeriums. Dort wurde ein Bewaffneter von der Polizei erschossen. Von den insgesamt acht Tätern hatten alle eine Sprengstoffweste angezogen, aber nur drei von ihnen zündeten die Bomben.
Ein Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid, sagte, die Angriffe seien eine Antwort auf die Misshandlung von Taliban-Häftlingen in den Gefängnissen der Regierung. „Wir haben die afghanische Regierung gewarnt, mit dem Foltern unserer Gefangener aufzuhören“, sagte der Sprecher in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP. „Heute haben wir das Anwesen des Justizministeriums angegriffen.“
Der Angriff erfolgte kurze Zeit vor dem geplanten Besuch von Richard Holbrooke, dem Sondergesandten von US-Präsident Barack Obama für Afghanistan und Pakistan. Die neue Regierung in Washington hat angekündigt, ihren militärischen Einsatz gegen die fundamentalistische Taliban-Miliz in Afghanistan zu verstärken. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte in Berlin den Anschlag.
Bei einem Angriff auf eine Militärpatrouille südlich der Hauptstadt Kabul wurden am Mittwoch ein französischer Soldat und ein afghanischer Übersetzer getötet. Ein weiterer französischer Soldat erlitt schwere Verletzungen, wie die Regierung in Paris mitteilte. Frankreich hat 3.300 Soldaten in Afghanistan stationiert.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Mittwoch, seine Regierung sei bereit, USA und NATO bei der Bekämpfung von Taliban und Al Kaida zu helfen. Dazu könnte auch die Genehmigung von Waffentransporte über russisches Territorium nach Afghanistan gehören. Zuvor hatte Russland schon zugesagt, Versorgungslieferungen für die US-Truppen zuzulassen. (AP)
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