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Schäuble will härtere Strafen für Doping-Sünder Erste Zusammenfassung

DAPD

28.07.2006

Der Tour de France Sieger Floyd Landis während eines Interview für CNN.
Der Tour de France Sieger Floyd Landis während eines Interview für CNN.

Hamburg - Als Reaktion auf den Doping-Verdacht gegen den Tour-de-France-Sieger Floyd Landis hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble härtere Gesetze angekündigt. Laut «Bild»-Zeitung (Samstagausgabe) plant er höhere Strafen für banden- und gewerbsmäßiges Doping. «Wir müssen alles tun, um die Glaubwürdigkeit des Sports wieder herzustellen und zu erhalten», sagte Schäuble dem Blatt. In enger Zusammenarbeit mit dem Sport wolle er weitere Maßnahmen vorbereiten. Deutsche Mediziner erklärten, sie hätten keine Zweifel daran, dass Landis gedopt gewesen sei.

Schäuble sagte: «Dopende Sportler gefährden nicht nur ihre Gesundheit. Sie verzerren auch den sportlichen Wettbewerb und sind schlechte Vorbilder für die Jugend.» Der Minister dringt darauf, dass Sport, Justiz und Politik entschieden auf solche Vorfälle reagieren.

Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) will mit Sponsoren und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) über das weitere Vorgehen gegen Doping beraten. Wie NADA-Vorstandsmitglied Hans-Hubertus Schröder am Freitag dem Nachrichtensender N24 sagte, ist in Kürze ein Treffen mit dem Radfahrerbund und Sponsoren geplant. «Wir müssen diese kriminelle Verantwortungslosigkeit, die einige Sportler - ich bezeichne sie schon gar nicht mehr als Sportler - an den Tag legen, eindämmen», sagte Schröder. Zum Beispiel sollten häufiger als bisher Urin und Blut getestet werden.

Am Wochenende gebe es das erste Gespräch zwischen BDR-Präsident Rudolf Scharping, den Rennställen und den Sponsoren. «Und danach gibt es sofort eine Runde zwischen BDR, Sponsoren und NADA», sagte Schröder. «Es geht ja nicht nur um Radsport und Tour de France, es geht uns insbesondere um die jugendlichen Radfahrer und Sportler.»

Der BDR sieht im Fall Landis eine Mitschuld bei der Teamleitung. «Da ist so viel vorgekommen, das kann der Teamleitung und anderen nicht verborgen geblieben sein», sagte Scharping in N24. Deswegen müsse die Lizenz von Landis' Schweizer Team Phonak überprüft werden. «Wir können es nicht dulden, dass bestimmte Rennställe, ob jetzt in Spanien oder der Schweiz offenkundig systematisches Doping mindestens durch Wegschauen fördern», sagte Scharping.

Auch ARD droht mit Rückzug

Scharpings Stellvertreter Wolfgang Schoppe forderte im MDR harte Bestrafungen für Doping-Sünder und ihre Hintermänner. Schuld seien nach seiner persönlichen Ansicht auch die Organisatoren einiger Rennen, die noch mehr Berge und noch brutalere Anstiege planten. «Wenn da Etappen gefahren werden über 240 Kilometer, wo es die Hälfte nur bergauf geht, dann ist das schon makaber», sagte Schoppe.

Nach dem ZDF hat auch die ARD gedroht, sich wegen der Doping-Affäre aus der Tour-de-France-Berichterstattung zurückzuziehen. Ihr Sportkoordinator Hagen Boßdorf forderte am Freitag im «Mittagsmagazin» von Veranstaltern, Mannschaften und Verbänden klare Garantien für einen sauberen Sport.

Der Sportmediziner Wilfried Kindermann erklärte: «Die positive A-Probe spricht dafür, dass Landis gedopt hat. Auch medizinisch ist der Parforceritt von Landis nach dem Einbruch am Vortag nicht zu erklären», sagte der Leitende Olympiaarzt des Nationalen Olympischen Komitees der AP. Auch nach Ansicht des Bonner Hormon-Experten Axel Allera war Landis zweifellos gedopt. Die erhöhten Testosteron-Werte könnten keinen natürlichen Ursprung haben, sagte er der AP. Die B-Probe werde Landis nicht entlasten. «Die B-Probe ist in 99,5 Prozent aller Fälle identisch mit der A-Probe», sagte Allera. «Meiner Einschätzung nach waren alle Tour-Sieger der letzten Jahre gedopt.»

(AP)

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