Aktuelle Nachrichten – Lebensmittel
14.04.2009
Frankfurt/Main – Nach dem Anstieg der Temperaturen hat die Spargelernte in den meisten Anbaugebieten Deutschlands begonnen. Gab es bisher überwiegend ausländisches Stangengemüse im Supermarkt, ist nun je nach Region auch deutsche Ware bei den Höfen direkt, auf Märkten oder im Einzelhandel erhältlich. Der Preis dürfte sich laut Experten auf dem Vorjahresniveau von im Schnitt fünf Euro je Kilogramm einpendeln.
Im bedeutenden Anbauland Niedersachsen wird die Spargelkönigin beispielsweise erst am Freitag ausgerufen, in Brandenburg die Beelitzer Saison am Donnerstag eingeläutet. Doch die Staude richtet sich nicht nach den Terminkalendern, sondern nach der Natur. Das frühsommerliche Wetter führt in Südwestdeutschland bereits dazu, dass gleichzeitig viele Stangen pro Pflanze wachsen, wie Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, VSSE, der Nachrichtenagentur AP am Dienstag sagte. „Die Ernte hat schon kräftig begonnen.“
Auch in Thüringen und Nordrhein-Westfalen wird schon der erste Spargel gestochen. Den Anfang mache das Stangengemüse aus Folientunneln, sagte Peter Komp, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe, der AP. Der Spargel, der eine Bodentemperatur von zwölf Grad brauche, um zu wachsen, sei schon auf Wochenmärkten zu haben. Der massenhafte Verkauf habe allerdings noch nicht begonnen. Grundsätzlich würden 70 Prozent des Spargels von den Höfen direkt verkauft.
Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle, ZMP, sind auch schon in Bayern und Sachsen die ersten Erntehelfer an der Arbeit. Im Lebensmittelhandel dominiere allerdings noch Spargel aus dem Ausland, sagte ZMP-Fachmann Michael Koch. Im vergangenen Jahr lag die importierte Ernte der ZMP zufolge bei 29.000 Tonnen, die in Deutschland geerntete Menge bei 92.000 Tonnen. Hauptlieferant beim Import war Griechenland mit 16.000 Tonnen, dazu kam Gemüse aus Spanien oder Marokko.
„Weiß überwiegt immer noch sehr deutlich“, erläutert Koch. Der grüne Spargel erreiche einen Anteil von gerade einmal vier Prozent. Die weiße Variante wächst unterirdisch, die grüne oberirdisch mit Blattgrün. Mit einem Anteil von 85 bis 90 Prozent wird nach Angaben Kochs fast aller Spargel in Deutschland unter Folien angebaut.
Bei der anstrengenden Ernte gebe es in diesem Jahr weniger Probleme als in der vergangenen Saison, sagt Schumacher vom VSSE. Es kämen wieder mehr Erntehelfer überwiegend aus Polen und Rumänien nach Deutschland, da die Lage in ihren Heimatländern wegen der Konjunkturkrise schwieriger geworden sei. Zudem gingen nicht mehr so viele nach England, da die Währungskurse inzwischen eher für eine Bezahlung in Euro sprächen. Vergangenes Jahr halfen Schumacher zufolge 273.000 ausländische Arbeitskräfte bei der Ernte in Deutschland.
Hobbyköche sollten Ware aus möglichst nahem Anbau mit kurzem Transport wählen. „Spargel verliert sehr schnell an Qualität und sollte möglichst kurz gelagert werden“, erklärt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Frische ist am Anschnitt zu erkennen. Ist dieser schon trocken und hart, kann aus der Delikatesse ein holziges und bitteres Essen werden. Daher sollten Käufer nach dem Rat der Verbraucherschützerin auch die Finger von verpacktem Spargel lassen, bei dem die Schnittstellen nicht zu erkennen sind.
Das vergleichsweise teure Gemüse sollte möglichst schnell nach dem Kauf zubereitet werden. Aufbewahren lässt es sich am besten in einem feuchten Tuch im Gemüsefach des Kühlschranks.
Da sich die Anbaufläche kaum geändert habe, rechnet ZMP-Experte Koch mit einer vergleichbar großen Ernte und ähnlichen Preisen wie in der vergangenen Saison. Damals habe der Preis im Schnitt bei fünf Euro pro Kilogramm gelegen. Bleibe es sonnig, könne die Erntemenge schnell steigen und der Preis fallen. „Spargel reagiert sensibel auf das Wetter und damit auch der Preis“, erklärt Koch. (AP)
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