Flensburg - Der junge Finnwal «Henry» tummelt sich nach wie vor in der Flensburger Förde, doch ist zunehmend unklar, ob er dies freiwillig tut oder nicht. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace meldeten zwei Segler am Samstag, dass sie den Zehn-Meter-Riesen erneut in der Flensburger Innenförde gesehen hätten. «Henry» hält bereits den vierten Tag Behörden und Umweltschützer der Stadt in Atem.
Mehrfach war der Dutzendtonnenschwere Meeressäuger zum großen Vergnügen vieler Schaulustiger im Flensburger Innenhafen aufgetaucht und bis zur Kaimauer geschwommen, zuletzt am Freitagnachmittag. Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace hatte noch am Samstagmorgen gehofft, dass «Henry» zurück in die offene Ostsee abgedreht ist. «Wir hatten den Wal aus den Augen verloren und konnten ihn auch bei einem einstündigen Kontrollflug über die Innenförde nicht mehr sichten», sagte Maack am Samstag. Möglicherweise sei der Koloss wegen des regen Schiffsverkehrs und des damit verbundenen Unterwasserlärms so lange abgetaucht gewesen.
Derzeit findet im Flensburger Hafen und in der Förde das traditionelle Segelfest «Flensburg Nautics» mit vielen Oldtimern, Feuerwerken und Regatten statt. Spätestens wenn «Henry», der am Tag rund 400 Kilo Fisch frisst, nicht mehr genügend Nahrung in der Flensburger Förde findet, wird er nach Angaben von Maack den Rückweg antreten. Um zurück in die Ostsee zu gelangen, muss er allerdings die Enge bei Holnis passieren und einer 180-Grad-Kehre des Fjordes folgen.
Maack vermutet, das der Finnwal von seiner Sommerroute in Richtung Polargewässer abgekommen ist, als er einem Fischschwarm folgte. «In den vergangenen Jahren wurden häufiger Großwale in der Ostsee beobachtet, ein bis dahin sehr seltenes Phänomen», sagte Maack. Finnwale sind nach den Blauwalen (35 Meter Körperlänge) die zweitgrößte Walart und können 24 Meter lang und 80 Tonnen schwer werden.
(AP)
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