Jena/München - Bei Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß haben am Samstag mehr als 4.500 Menschen in Deutschland gegen Rechtsextremismus demonstriert. In Jena, München und Berlin marschierten laut Polizei insgesamt mehr als 700 Rechtsextremisten auf. In Berlin und München kam es zu einzelnen Ausschreitungen, insgesamt wurden knapp 50 Menschen festgenommen.
Im thüringischen Jena versammelten sich demnach 350 Neonazis, rund 1.800 Menschen nahmen an einer Gegendemonstration teil. Es gab laut Polizei nur eine Festnahme. In München waren rund 130 Rechtsextremisten und etwa 700 Gegendemonstranten unterwegs. Laut Polizei wurden hier 26 Personen festgenommen, darunter 24 Gegendemonstranten, die Flaschen und andere Gegenstände geworfen hatten. Zwei Neonazis hatten verfassungsfeindliche Symbole gezeigt.
In Berlin zogen 230 Rechte und 400 Gegendemonstranten durch den Bezirk Mitte. Insgesamt wurden in der Hauptstadt zwölf Personen aus dem rechten und linken Spektrum festgenommen, unter anderem wegen Landfriedensbruch, Tragen verfassungswidriger Abzeichen und Widerstand gegen Vollzugsbeamte, wie ein Polizeisprecher sagte.
Auch im bayerischen Wunsiedel und im hessischen Fulda fanden Demonstrationen gegen Rechts statt, nachdem Neonazi-Kundgebungen verboten beziehungsweise abgesagt worden waren. In Wunsiedel wurden laut Polizei zehn Rechtsextremisten festgenommen, einige davon, weil sie verbotene Aufkleber an Straßenschildern angebracht hatten. In der nordbayerischen Stadt gingen nach Angaben der Polizei rund 400 Menschen gegen Rechtsextremismus auf die Straße, darunter ein Motorradclub mit 55 Mitgliedern. Die rechtsextreme Kundgebung war von der Stadt untersagt worden.
In Fulda protestierten trotz der Absage des rechtsextremistischen Aufmarsches rund 1.500 Menschen für Demokratie und Menschenrechte. Zahlreiche Redner riefen zu stärkerer Geschlossenheit der demokratischen Kräfte. Die Absage des Neonazi-Aufmarsches wurde mit Erleichterung aufgenommen und als «Etappensieg gegen Rechtsradikalismus» gewertet.
Eine Gruppierung Namens «Freie Nationalisten» hatte ihre Demonstration in der osthessischen Stadt am Samstag in letzter Minute abgesagt. Laut Oberbürgermeister Gerhard Möller teilte der Veranstalter mit, die Auflage der Stadt nicht erfüllen zu können, wonach nur Ordner eingesetzt werden dürfen, die bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten seien. Kommunalpolitiker kritisierten den Verwaltungsgerichtshof Kassel, der das von der Stadt verfügte Verbot der Neonazi-Demonstration aufgehoben hatte. Möller sagte, er sei «sprachlos und zornig, dass der Rechtsstaat Katz und Maus mit sich spielen lässt». Es stelle sich die Frage, wie die Politik Städte und Bürger noch schützen könne.
(AP)
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