Aktuelle Nachrichten – Pflege
29.06.2009
Berlin – Teure Pflegeheime sind nicht unbedingt die besseren, die regionalen Preisunterschiede sind enorm, die Zahl der Pflegefälle wird weiter ansteigen und zu einem großen Bedarf an Fachkräften führen: Dies sind Ergebnisse des „Pflegeheim Rating Report 2009 – Konsolidierung voraus!“, die das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) am Montag in Berlin präsentierte. Gewarnt wird vor einem Mindestlohn für Pflegekräfte, da dieser zu einer Versorgungslücke mit Pflegeplätzen führen könnte.
Laut Studie lässt sich zwischen Preisniveau und Qualität kaum ein statistischer Zusammenhang feststellen. Zwar seien teurere Heime baulich besser ausgestattet und böten eine bessere soziale Betreuung. In Bereichen wie Flüssigkeits- und Nahrungsgabe, Sondenernährung und Versorgung bei Demenz schnitten sie jedoch nicht nachweisbar besser ab. Ein Grund könnte der derzeit kaum ausgeprägte Qualitätswettbewerb zwischen Pflegeheimen sein, heißt es in dem Report.
Der deutsche Pflegemarkt ist geprägt von steigenden Zahlen. Zwischen 1997 und 2007 hat sich sein Anteil der Studie zufolge an allen Gesundheitsausgaben von 8,6 Prozent auf 11 Prozent erhöht. Die Zahl der Pflegebedürftigen sei zwischen 2005 und 2007 um 5,6 Prozent auf 2,25 Millionen Menschen angestiegen. Da immer weniger Pflege von Angehörigen geleistet werde, gewinne die stationäre Pflege zunehmend an Bedeutung.
Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl der stationären Pflegefälle voraussichtlich um 36 Prozent, bis zum Jahr 2030 sogar um 57 Prozent ansteigen. Vor diesem Hintergrund sei mit einem zusätzlichen Bedarf von fast 80.000 Pflegefachkräften bis 2020 zu rechnen. Die Kapitalreserve der sozialen Pflegeversicherung dürfte bei konstanten Pflege- und Erwerbsquoten bis etwa 2021 aufgezehrt sein.
In den vergangenen Jahren habe das Angebot an Pflegeplätzen überproportional zugenommen. Bis 2011 sei mit einer sinkenden Auslastung zu rechnen. Dennoch würden 2010 bis 2020 rund 150.000, bis zum Jahr 2030 sogar rund 310.000 neue Pflegeplätze benötigt werden. Bis zum Jahr 2020 sei mit einem Investitionsbedarf von 27 Milliarden Euro in die stationäre Versorgung zu rechnen.
Auf regionaler Ebene bestehen der Studie zufolge signifikante Preisunterschiede für die stationäre Pflege. Besonders teuer seien Heime in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein. Günstig seien Heime in den ostdeutschen Ländern und Niedersachsen. Die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime habe sich seit dem letzten Report von 2007 kaum verändert. Es befänden sich immer noch 13 Prozent der Heime, was ihre Finanzlage angeht, im insolvenzgefährdeten, 72 Prozent im „grünen“ Bereich.
Ein Mindestlohn für Pflegekräfte bedeute ein Risiko für die Heime, hieß es weiter. In der Folge würde sich mittelfristig die Insolvenzwahrscheinlichkeit erhöhen. Zwar könnten Pflegeheime in den nächsten Jahren mit einem sicheren Nachfragewachstum rechnen. Trotzdem müssten sich gerade Heime in Hochpreisregionen auf einen wachsenden Preisdruck einstellen.
Der Report wurde von RWI, ADMED GmbH und Institute for Health Care Business GmbH (HCB) zum zweiten Mal erstellt. Für die Untersuchung wurden Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in Rheinland-Pfalz verwendet. Zudem greift die Studie auf Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder und auf Jahresabschlüsse von über 1.000 Pflegeheimen zurück.
http://www.rwi-essen.de/ (AP)
Gesundheitskosten sind 2007 deutlich gestiegen
(30.03.2009)
Schockierende Folgen von "Sparhysterie" in Pflegeheimen
(25.02.2009)
Die wichtigsten Gesetzesänderungen 2009
(22.12.2008)