Aktuelle Nachrichten – Städtereisen & Kulturreisen
22.07.2009
Die Dame Bangkok zeigt sich janusköpfig: Fratze der Vorhölle für die einen, anmutige Maske des Lächelns für die anderen - gar eine „Stadt der Engel", wie sie schon in früheren Zeiten genannt wurde. Das Grandhotel „Oriental" am Chao Phya-Fluss ist zweifellos der zweiten Sichtweise zuzuordnen. In 140 Jahren herangewachsen zu einem Mythos, war es jahrelang die Nummer eins nicht nur in Asien, sondern weltweit.
Einer meiner Lieblingsplätze ist die Author's Lounge, in der täglich mit silbernen Teekännchen und Streichquartett die urbritische Zeremonie des „High Tea" zelebriert wird. Genau hier saßen einst im gleichen Ambiente Autoren wie Somerset Maugham und Joseph Conrad, die in den bequemen Korbsesseln ihre Eindrücke und Erlebnisse zu literarischen Kunstwerken verarbeiteten, die die Zeiten überdauerten. Selbst Prinz Charles und Lady Di, deren gemeinsames Foto den blank polierten Flügel ziert, erwiesen einst diesem gediegenen Ort die Ehre.
Der Weg aus der Author's Lounge führt hinaus auf die Terrasse an der Uferkante des Flusses. Als Sundowner wähle ich einen „Peacable Potion", jenen Drink, den bereits „Oriental"-Stammgast James A. Michener bevorzugte: Zitronensaft mit Rum, Creme de Banane, Curacao blau und Ananas. Je tiefer die Sonne sinkt und je mehr die wendigen Langboote knatternd über die goldgelbe Wasseroberfläche jagen, desto mehr erwächst das Gefühl, irgendwo an einem der alten Klongs mit ihren schwimmenden Märkten zu sitzen.
Und während schon bald das Mondlicht den Fluss mit seinem silbernen Licht übergießt, stelle ich mir die Frage, warum ich jederzeit ins „Oriental" zurückkommen würde. Ist es die stimmungsvolle Lage am Chao Phya-Fluss? Oder vielmehr die spezielle Form des „understated luxury", der niemals aufdringlich wird? Oder besteht das Geheimnis einfach darin, dass ich wie kaum irgendwo sonst weiß: „Ich bin angekommen!" - jenes heimatliche Gefühl, das aller Wahrscheinlichkeit nach auch den Mythos des „Oriental" begründet
Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.
In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.
01. Piazza San Marco, Venedig / Italien
02. Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien
03. Montmartre, Paris / Frankreich
04. Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen
05. Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg
06. Suomenlinna, Helsinki / Finnland
07. Askona, Lago Maggiore / Italien08. Oriental, Bangkok / Thailand
09. Santorin, Ägäis / Griechenland
10. Piazza Navona, Rom / Italien 11. Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien 12. Puente la Reina, Navarra / Spanien 13. Dubrovnik, Adria / Kroatien 14. Aleppo / SyrienSchlagworte