Umwelt – Für die Freie Heide – Sven Kästner
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Aktuelle Nachrichten – Umwelt

Naturerbe Kyritz-Ruppiner Heide Für die Freie Heide

Sven Kästner

10.07.2009

Ostermarsch gegen den Truppenübungsplatz "Bombodrom" in der Wittstocker Heide bei Fretzdorf in Nordbrandenburg mit einem Banner "Für die Freie Heide". Das Aus für den früheren Bombenabwurfplatz Bombodrom in Nordbrandenburg bringt der strukturschwachen Region nach Einschätzung der Bürgerinitiative Freie Heide auch wirtschaftliche Vorteile. Ihr Sprecher Benedikt Schirge sagte im rbb, auch die Wirtschaft habe sich stets dafür ausgesprochen, das Gelände für zivile Zwecke zu nutzen. (AP Photo/Thomas Haentzschel)
Ostermarsch gegen den Truppenübungsplatz "Bombodrom" in der Wittstocker Heide bei Fretzdorf in Nordbrandenburg mit einem Banner "Für die Freie Heide". Das Aus für den früheren Bombenabwurfplatz Bombodrom in Nordbrandenburg bringt der strukturschwachen Region nach Einschätzung der Bürgerinitiative Freie Heide auch wirtschaftliche Vorteile. Ihr Sprecher Benedikt Schirge sagte im rbb, auch die Wirtschaft habe sich stets dafür ausgesprochen, das Gelände für zivile Zwecke zu nutzen. (AP Photo/Thomas Haentzschel)

Potsdam – Tiefflüge und Bombenabwürfe wird es über dem „Bombodrom“ definitiv nicht geben – jetzt hat eine Diskussion über die Zukunft des riesigen Geländes in Nordbrandenburg begonnen. Die Deutsche Umwelthilfe forderte am Freitag, den 142 Quadratkilometer großen, ehemals russischen Truppenübungsplatz in das Nationale Naturerbe aufzunehmen. Brandenburger Landespolitiker wollen Konzepte für eine Entwicklung des Tourismus unterstützen. Die Linkspartei verlangte von der Bundeswehr, alte Munition schnell zu räumen.

Gleichzeitig verlangten die Anrainergemeinden der anderen deutschen Luftwaffen-Übungsplätze im niedersächsischen Nordhorn und im bayerischen Siegenburg auch ein Ende der Tiefflüge bei ihnen. „Wir werden nun den Rechtsweg beschreiten und eine Petition an den Bundestag richten. Uns bleibt nichts anderes übrig. Unser Ziel ist, dass der Übungsplatz geschlossen wird“, sagte der Siegenburger Bürgermeister Franz Kiermaier (CSU) der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Die Entscheidung der Bundeswehr zur Aufgabe des „Bombodroms“ nannte Kiermaier enttäuschend. „Wir hatten gehofft, dass die Lasten gleichmäßig in Deutschland verteilt werden“, erklärte er. Der Nordhorner Bürgermeister Meinhard Hüsemann (SPD) äußerte die Befürchtung, dass die Luftwaffe am dortigen Übungsplatz künftig wieder häufiger als derzeit fliegen könne.

Forderung nach Munitionsbeseitigung

Dagegen herrscht nach dem Sieg der Bürgerinitiative „Freie Heide“ in Brandenburg Feierstimmung. Am Sonntag soll ein Freudenfest in der Heide bei Wittstock steigen. Sprecher Benedikt Schirge forderte die Bundeswehr auf, zügig alte Munition auf dem „Bombodrom“-Gelände zu beseitigen. Auch die Brandenburger Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann verlangte, die im Bundeshaushalt für die Munitionsräumung des „Bombodroms“ vorgesehenen Mittel in Höhe von 220 Millionen Euro sofort freizugeben. Die Altlasten stammen größtenteils von der russischen Armee, die das Areal zwischen 1952 und 1992 ebenfalls für Bombenabwurfübungen nutzte.

Schirge sah im Aus für das „Bombodrom“ auch wirtschaftliche Vorteile für die Region. Er verwies im rbb auf eine Studie der Industrie- und Handelskammer, wonach eine militärische Nutzung 15.000 Arbeitsplätze gefährdet hätte. Dagegen habe die Bundeswehr nur 150 Arbeitsplätze schaffen wollen, sagte er. Die Bürgerinitiative sprach sich für eine Mischung aus Naturschutz und sanftem Tourismus in der Region aus.

Einladung zu Tourismuskonferenz

„Wir haben jetzt die einmalige Chance, die Kyritz-Ruppiner Heide mit ihren Vorkommen seltener Vogelarten und auch ersten Wolfsnachweisen für zukünftige Generationen zu erhalten“, sagte auch der Naturschutzleiter der Deutschen Umwelthilfe, Ulrich Stöcker. Der ursprüngliche Plan, das Gelände ins Nationale Naturerbe aufzunehmen, müsse wieder aufgegriffen werden.

Unterdessen luden die Wirtschaftsminister von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern für September 2009 zu einer Tourismuskonferenz in der Region ein. „Mir geht es darum, schnellstmöglich einen wirtschaftlichen Impuls zu setzen“, erklärte der Brandenburger Minister Ulrich Junghanns (CDU). Bei Touristen beliebt ist vor allem die nahe gelegene Müritz in Mecklenburg.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte am Donnerstag bekannt gegeben, seine Pläne für einen Luft-Boden-Schießplatz in der Region aufzugeben. Minister Franz-Josef Jung erklärte, keine Berufung gegen ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg einzulegen, das die Planungen für rechtswidrig erklärt hatte. Die Luftwaffe wollte auf dem Areal eigentlich Tiefflüge und Bombenabwürfe trainieren. Die Übungen sollen nun im Ausland absolviert werden. Ob und wann die Bundeswehr von dem Platz abzieht, ist aber noch offen. (AP)

 

 
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