Aktuelle Nachrichten – China - Umwelt
26.07.2009
Im Jahre 1986, als China seinen ersten von einer Serie von Dämmen am Mekong baute, schenkte kaum jemand aus den Ländern Südostasiens am unteren Flusslauf dieser Maßnahme Beachtung. Aber heute, da China dabei ist, in großer Eile seinen vierten Damm am oberen Flusslauf des größten Flusses Südostasiens fertig zu stellen, um Elektrizität zu erzeugen, wächst die Besorgnis in der Region über die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Darüber hinaus bewirkt die Angst, den inneren Disput zwischen China und Südostasien zu verschärfen, so dass eine konzertierte Aktion immer unwahrscheinlicher wird.
Das alleinige Ausmaß von Chinas Technik, die Kraft der Wassermassen des Mekong zu bändigen und seinen natürlichen Verlauf zu verändern, lässt die Alarmglocken schrillen - vor allem in Vietnam, Kambodscha, Thailand und Laos, den vier Ländern am unteren Flussverlauf, wo mehr als 60 Millionen Menschen wegen Nahrung, Wasser und Transport vom Fluss abhängen.
In einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und des Asian Institute of Technology wurde davor gewarnt, dass Chinas Plan, Lancang Jiang genannt, für acht hintereinander geschaltete Dämme am Mekong, „eine beträchtliche Bedrohung" für den Fluss und seine natürlichen Reichtümer darstelle. Im Juni erhielt Thailands Premierminister eine Petition, in der verlangt wurde, den Weiterbau des Dammes zu beenden. Sie war von mehr als 11.000 Menschen unterschrieben worden, die am Mekong und seinen Nebenflüssen leben und ihren Lebensunterhalt als Bauern oder Fischer verdienen.
Einige Analytiker sagen, dass, wenn die schlimmsten Befürchtungen bestätigt werden, den Beziehungen zwischen China und seinen Nachbarn in Südostasien schwerwiegender Schaden zugefügt wird. Weil aber die Regierungen Südostasiens sich der wachsenden Macht und des immer größer werdenden Einflusses Chinas bewusst sind, haben sie ihre Besorgnis nicht offen ausgesprochen. In der Zwischenzeit haben Laos, Kambodscha und Thailand schon selbst Pläne entwickelt, an ihren Abschnitten des Hauptstroms Dämme zu errichten. Diese Pläne haben Vietnam veranlasst, sofortigen Widerspruch einzulegen und sie unterstützen den Fall der örtlichen Umweltaktivisten gegen China.
Obwohl der Mekong weithin als Fluss Südostasiens angesehen wird, ist seine Quelle in den Gletschern hoch oben in Tibet. Fast die Hälfte seiner 4 880 Kilometer fließt der Fluss durch die chinesische Provinz Yunnan, bevor er Südostasien erreicht. Da es kein internationales Regierungsabkommen über die Nutzung des Flusses außerhalb der Grenzen gibt, hat China eine dominierende Stellung bei der Kontrolle des Oberlaufs des Flusses. Es hat das Recht, seine Abschnitte am Fluss so zu nutzen, wie es ihm richtig erscheint und das hat China auch getan, ohne seine Nachbarn zu konsultieren, geschweige denn, ihre Erlaubnis einzuholen.
Gewaltige chinesische Dämme
Wasser aus einem Gebiet von 795 000 Quadratmeilen fließt in den Mekong. Die Mekong Gesellschaft, Mekong River Commission (MRC) eine Kommission der vier Regierungen der Länder am unteren Flusslauf, die 1995 eingerichtet wurde, schätzt, dass man durch die Wasserkraft des unteren Flusslaufs etwa 30.000 Megawatt an Strom gewinnen kann. Aber sie weist auch auf die Herausforderungen hin, die Vorteile von sauberer Elektrizität, von Talsperren und Kontrolle der Wasserflut mit Hilfe von Dämmen den Nachteilen gegenüber zu stellen. Dazu gehören Umsiedlung der Bevölkerung, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten für die Fische und Veränderung der Fließfähigkeit des Flusses und Bildung von Sedimenten.
Durch die Reihe von Dämmen, die in Yunnan errichtet werden, wird es möglich, über 15.000 Megawatt Strom für Städte und Industrie zu erzeugen. Dadurch werden die Umwelt verschmutzenden fossilen Brennstoffe, vor allem Kohle und Erdöl, ersetzt. Durch die acht Dämme in Yunnan wird genau so viel Energie erzeugt, wie durch 30 Kohlekraftwerke.
Für fast vier Milliarden Dollar soll der vierte von Chinas Mekong-Dämmen im Jahre 2012 fertig gestellt werden.
Mit einer Höhe von 292 Metern wird der Damm der höchste der Welt sein. Sein Staubecken wird 15 Milliarden Kubikmeter Wasser enthalten, fünfmal soviel, wie die Gesamtkapazität der ersten drei chinesischen Dämme. Seit Ende 2008, als der Umleitungskanal des Xiaowan Dammes von chinesischen Ingenieuren geschlossen wurde, hat sich das Staubecken mit Wasser gefüllt. Im September kann die erste Turbine angetrieben werden. Wenn das Staubecken erst einmal voll ist, wird es eine Fläche von über 190 Quadratkilometern bedecken. Mit einer Kapazität von 4.200 Megawatt wird Xiaowan dass größte Wasserkraftwerk am Mekong sein.
Für das Jahr 2014 jedoch plant China, einen weiteren Damm unterhalb von Xiaowan in Nuozhadu zu bauen. Er wird nicht ganz so hoch sein, aber noch mehr Wasser speichern, fast 23 Milliarden Kubikmeter und 5.000 Megawatt produzieren.
Chinesische Beamte haben Südostasien versichert, dass die Dämme in Yunnan einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben werden. Nach ihren Erklärungen wird ein Teil des Wassers in der nassen Jahreszeit zurückgehalten und dann helfen die Dämme, den Wasserfluss unter Kontrolle zu halten und so auch die Erosion der Ufer weiter flussabwärts. Andererseits würde in der trockenen Jahreszeit das Freisetzen von Wasser aus den Staubecken zur Stromerzeugung dazu beitragen, die Wasserknappheit am unteren Mekong zurückgehen zu lassen
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen zum Klimaschutz jedoch hat einen Bericht herausgegeben, dass Kambodschas größter See Tonle Sap, das Nahrungsgebiet für die Fischbestände des unteren Mekong und das Delta des Mekong in Vietnam, die Reisschüssel dieser Gegend, besonders abhängig sind vom einzigartigen Zyklus des Flusses hinsichtlich Überflutung und Trockenzeitperiode. Der kambodschanische See ist mit dem Mekong durch den Fluss Tonle Sap verbunden. Wissenschaftler befürchten, dass eine Reduktion der Wassermassen des Mekong den Wasserstand im See senken wird und somit auch die Fischbestände, die ohnehin durch Überfischung und Umwelteinflüsse bedroht sind.
Vietnam befürchtet, dass die geringeren Wassermengen des Flusses die Probleme verstärken, die durch das Eindringen von Salzwasser und die damit verbundene Versalzung des tief liegenden Mekong-Deltas ohnehin vorhanden sind. Klimatische Veränderungen und ein Ansteigen des Meeresspiegels drohen, weite Gebiete fruchtbaren Bodens zu überschwemmen und bis zum Ende des Jahrhunderts eine Umsiedlung von Millionen von Menschen erforderlich zu machen.
Keine Zusammenarbeit
Die Mekong-Gesellschaft (MRC, Mekong River Company) teilt mit, dass sie bereits Gespräche über eine technische Zusammenarbeit mit chinesischen Experten aufgenommen hat, um die Veränderungen am unteren Flusslauf zu beurteilen, die durch die Entwicklung der Wasserkraftwerke entstanden sind. Aber China hat sich geweigert, der Mekong-Gesellschaft beizutreten oder ihren Richtlinien zuzustimmen und zieht es vor ein „Dialog-Partner" zu bleiben. Eine volle Mitgliedschaft würde bedeuten, dass China es zulassen müsse, eine genaue Prüfung seiner Planung für Dämme durch die Staaten am unteren Flusslauf zu gestatten. Auch würde dadurch der Druck auf Peking größer, ihre Interessen in Betracht zu ziehen. Peking kontrolliert 21 Prozent des Wassers.
Während Chinas Programm für den Bau von Dämmen am Mekong planmäßig läuft, sind Projekte, das gleiche auch in Südostasien durchzuführen, zu einem Stillstand gekommen. Bevor die globale Finanzkrise und der wirtschaftliche Niedergang Asiens Export-orientierte Länder voll trafen, hatten Laos und Thailand angekündigt, eine Reihe von Dämmen am unteren Mekong zu bauen, sowie die Chinesen es am oberen Lauf gemacht hatten.
Die Nebenflüsse des Mekong in Laos liefern jetzt 3.200 Megawatt Strom. Aber auch dort wirkt sich die Krise aus; denn der Hauptabnehmer des Stroms vom unteren Mekong, Thailand, hat bereits angekündigt, dass es wegen der Wirtschaftskrise seine Abnahme von Energie, die es aus Laos bezieht, drastisch senken muss.
Doch dieser Stillstand der Projekte gibt den Ländern Südostasiens eine Atempause während der sie bewerten können, wie die Dammprojekte für den Mekong den Interessen der Menschen am Unterlauf des Flusses schaden können. Aber ohne Chinas volle Beteiligung wird keine Behandlungsplanung für den Mekong greifen.
Nach Pekings Intentionen sollen die wirtschaftlichen Beziehungen mit den Ländern Südostasiens intensiver werden. Das betrifft Handel, Investitionen, Kommunikation, Transport und Zusammenarbeit auf dem Energiesektor mit seinen Nachbarn in der Region des unteren Mekong. Aber bei dieser Strategie könnte der Schuss nach hinten losgehen, wenn die Region zu dem Schluss kommt, dass die chinesischen Dämme negative Auswirkungen auf ihre eigenen zukünftigen Entwicklungsprogramme haben.
Michael Richardson ist Gastwissenschaftler am Institute of South East Asian Studies in Singapur.
Mit freundlicher Genehmigung des YaleGlobal Online (www.yaleglobal.yale.edu)
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