Buchmesse Frankfurt – Buchbranche trotzt der Wirtschaftskrise – DAPD
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Buchmesse Frankfurt

„Heikler“ Ehrengast China Buchbranche trotzt der Wirtschaftskrise

DAPD

13.10.2009

Ein sogenannter E-Reader, ein elektronisches Buch, zu sehen auf der Buchmesse im chinesischen Pavillon.  (AP Photo/Michael Probst)
Ein sogenannter E-Reader, ein elektronisches Buch, zu sehen auf der Buchmesse im chinesischen Pavillon. (AP Photo/Michael Probst)

Frankfurt/Main – Die Buchbranche trotzt der Wirtschaftskrise: In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurde ein Umsatzplus von 2,8 Prozent erwirtschaftet, wie der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, am Dienstag anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse erklärte. Diesjähriger Ehrengast der größten Bücherschau der Welt ist China, was bereits in den vergangenen Wochen viele Diskussionen ausgelöst hat.

Buchmesse-Direktor Juergen Boos betonte, man verurteile Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Meinungsfreiheit in China. „Aber das Ausblenden unangenehmer Themen hat noch keinen Veränderungsprozess beschleunigt – Offenheit hingegen schon“, sagte er. Die Buchmesse verstehe sich als Plattform, es gebe klare Regeln, sagte er. „Aber wir sind nicht die UNO. Unser Thema ist die Literatur. Wir können Konflikte aufzeigen, aber wir können sie nicht lösen.“

Ganz bewusst würden immer wieder Länder als Ehrengast ausgesucht, die sich in gesellschaftlichen Umbruchphasen befänden, sagte Boos. Honnefelder erklärte, der Börsenverein vertrete die Meinungsfreiheit als unveräußerliches Grundrecht über alle nationalen Grenzen und kulturellen Unterschiede hinweg. „Wir können dieses Menschenrecht nicht verrechnen und nicht relativieren.“

Mehrere hundert der insgesamt 2.500 Veranstaltungen auf der Buchmesse beschäftigen sich mit dem Thema China, neben den von der offiziellen chinesischen Delegation eingeladenen Autoren kommen auch viele Regimekritiker und Exilschriftsteller.

Weitere Schwerpunktthemen sind wieder einmal Digitalisierung und damit verbundene Fragen wie Kopierschutz oder Urheberrecht. Die neueste Generation von E-Books soll vorgestellt werden. Honnefelder verwies darauf, dass gedruckte Bücher inzwischen überwiegend der Unterhaltung dienten; Ratschläge oder Informationen dagegen ziehe man sich, nach Möglichkeit kostenlos, aus dem Netz. Für Verlage und Buchhändler stelle sich die Frage, wie man mit digitalen Inhalten Geld verdienen könne.

Weniger Aussteller aus Osteuropa

2009 werde für Handel und Verlage kein Jahr der wirtschaftlichen Einbrüche sein, sagte Honnefelder im Hinblick auf die guten Geschäftszahlen der Branche. Allerdings seien in den letzten drei Monaten des Jahres, auch beim Weihnachtsgeschäft, Umsatzrückgänge möglich.

Die Buchmesse selbst hat nur geringe Einbußen zu verzeichnen. Zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche als im Vorjahr sei verkauft worden, sagte Boos. Englischsprachige Verlage hätten Fläche reduziert, aus Osteuropa seien weniger Aussteller gekommen. Insgesamt stellen dieses Jahr 7.314 Aussteller aus 100 Ländern in Frankfurt ihre Produkte vor.

Am Nachmittag sollte die Buchmesse offiziell eröffnet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde als Vertreterin der Bundesregierung erwartet; für China wollten die Präsidentin des Chinesischen Schriftstellerverbands, Tie Ning, der Schriftsteller Mo Yan und der stellvertretende Staatspräsident Xi Jinping sprechen. Die Messe ist von Mittwoch bis Freitag ausschließlich für Fachbesucher geöffnet. Am Samstag und Sonntag hat dann das allgemeine Publikum Zutritt. Insgesamt rechnen die Organisatoren mit knapp 300.000 Besuchern.

Umrahmt wird die Buchmesse von zwei Preisverleihungen: Am Montagabend wurde der Deutsche Buchpreis vergeben, den in diesem Jahr Kathrin Schmidt für ihren Roman „Du stirbst nicht“ erhielt. Am Sonntag erhält der italienische Autor Claudio Magris in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. (AP)

 

 
Anzeige
Anzeige
Anzeige