Psyche – Psychischer Druck durch Krisen und Globalisierung – Verena Schmitt-Roschmann
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Aktuelle Nachrichten – Psyche

Europäischer Depressionstag Psychischer Druck durch Krisen und Globalisierung

Verena Schmitt-Roschmann

14.10.2009

„Wenn in einer Firma Krise ist, melden sich bei uns viel mehr Patienten an“, so der Hamburger Psychiater Hans-Peter Unger. Druck auf der Arbeit kann die Psyche belasten. (Dieter Schütz/www.pixelio.de)
„Wenn in einer Firma Krise ist, melden sich bei uns viel mehr Patienten an“, so der Hamburger Psychiater Hans-Peter Unger. Druck auf der Arbeit kann die Psyche belasten. (Dieter Schütz/Pixelio)

Berlin – Akute Krisen in einer Firma lassen oft direkt die Zahl der psychischen Störungen in die Höhe schnellen. Auf diesen Zusammenhang wies der Hamburger Psychiater Hans-Peter Unger am Mittwoch in Berlin hin. Auch die Globalisierung, die Zunahme von Firmenfusionen, die Gefahr für Arbeitsplätze in der Rezession und die Arbeitsverdichtung nähren Existenzängste und psychische Belastung. Allerdings warnen Experten vor der einfachen Formel „Arbeit macht krank“. Die Zusammenhänge seien kompliziert.

Unger äußerte sich bei einer Veranstaltung der Deutschen Depressionshilfe mit Blick auf den 6. Europäischen Depressionstag am Samstag. Dass ein Zusammenhang zwischen Stress und Druck am Arbeitsplatz und psychischen Störungen bestehen kann, hält er für unumstritten. Er nannte ein Beispiel aus seiner Hamburger Praxis: „Wenn in einer Firma Krise ist, melden sich bei uns viel mehr Patienten an“, sagte der Experte. Dies gelte zum Beispiel bereits, wenn bei einem Autobauer das neue Modell Probleme habe und deshalb der Druck auf die Mitarbeiter wachse.

Allerdings reagieren auf zusätzlichen Stress eben nicht alle Mitarbeiter, sondern vor allem solche, die zusätzlich zum Beispiel noch private Krisen erleben. „Es ist nicht monokausal“, sagte Unger. Die Ursachen der starken statistischen Zunahme von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz seien ebenfalls komplex und vielfältig.

Jeder achte fühlt sich belastet

Krankenkassen hatten in den vergangenen Monaten verstärkt auf die Entwicklung hingewiesen. Nach einer Untersuchung des wissenschaftlichen Instituts der AOK haben Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1995 um 80 Prozent zugenommen. Die volkswirtschaftlichen Kosten wegen des Produktionsausfalls wurden für 2007 auf 4,4 Milliarden Euro geschätzt. Nach Einschätzung der WHO ist die Depression dabei, Herz-Kreislauf-Probleme als häufigste Krankheit weltweit abzulösen.

Jeder achte Erwerbstätige sei bei der Arbeit psychischen Belastungen ausgesetzt, die sich negativ auf sein Wohlbefinden auswirkten, sagte der Hildesheimer Experte Detlef Dietrich. Er brachte dies in Zusammenhang mit der Entwicklung der vergangenen Jahre: Globalisierung, gegenseitige internationale Abhängigkeiten, wirtschaftliche Krisensituation, Firmenfusionen, Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und schlechteres Arbeitsklima.

Noch nicht erwiesen ist aber aus Sicht der Experten, ob Depressionen im engeren Sinne wirklich zunehmen oder nur besser erkannt werden. Es werde nicht immer scharf getrennt zwischen Depressionen und Phänomenen wie „Burn out“ oder Erschöpfung, die kein eigenes Krankheitsbild sind. Trotzdem gilt aus Dietrichs Sicht: „Eine zunehmende Belastung am Arbeitsplatz und ein drohender Arbeitsplatzverlust erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine depressive oder andere psychische Störung zu entwickeln.“

Arbeitgeber sollten aufhorchen

Arbeitgeber sollten sich nach Rat der Experten auf die Situation einstellen. Während es für Rückenleiden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in vielen Betrieben Präventionsangebote oder Wiedereingliederungshilfen gebe, stehe man psychischen Erkrankungen oft hilflos gegenüber, sagte der Leipziger Psychiater Ulrich Hegerl. Wissensdefizite bei den Betroffenen wie auch bei den Personalverantwortlichen führten dazu, dass Depressionen spät und schlecht behandelt würden. (AP)

http://www.depressionday.eu http://www.deutsche-depressionshilfe.de/
 
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