Aktuelle Nachrichten – Kultur
19.10.2009
Frankfurt/Main – Der Umgang der Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast China hat einen Tag nach dem Ende der weltgrößten Bücherschau zu personellen Konsequenzen geführt. Die Messe trennte sich am Montag mit sofortiger Wirkung von Peter Ripken, dem Leiter des Internationalen Zentrums. Er war zugleich Projektverantwortlicher für ein im September vor der Buchmesse gemeinsam mit China veranstaltetes Symposium, bei dem es einen Eklat um zwei Regimekritiker gegeben hatte.
Ripken soll nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ am Sonntag zudem diesen beiden Dissidenten eine Rede beim „Farewell Empfang“ im Internationalen Zentrum verwehrt haben. Die Journalistin und Umweltaktivistin Dai Qing sagte der Zeitung zufolge, Ripken habe ihr eine Viertelstunde vor Beginn der Veranstaltung gesagt, das Auswärtige Amt als Mitveranstalter des Empfangs wünsche ihren Auftritt nicht.
Den zweiten Regimekritiker Bei Ling zitierte das Blatt mit den Worten: „Auch ich hatte eine Rede halten sollen, doch Ripken rief mich mittags auf dem Handy an und sagte, das Auswärtige Amt wünsche meine Ansprache nicht.“ Buchmesse-Sprecher Thomas Minkus lehnte auf AP-Anfrage eine Stellungnahme in dieser Sache ab. Das Auswärtige Amt erklärte, man habe zu keinem Zeitpunkt die beiden Dissidenten eingeladen. Zudem habe man bis kurz vor Beginn der Veranstaltung keine Kenntnis davon gehabt, dass beide die Absicht gehabt hätten zu reden oder dass sie von dritter Seite eingeladen worden seien.
Ripken sagte der Zeitung zufolge: „Vor 14 Tagen war einmal die Rede davon gewesen, dass sie Dai Qing, vielleicht sprechen solle. Aber Dai Qing hat mit internationaler Kulturpolitik ja nichts zu tun.“ Außerdem habe er ihren Dolmetscher bereits am Mittag verständigt und den Auftritt abgesagt.
Wie die „FR“ weiter schreibt, kann Dai Qing die Entwicklung nicht nachvollziehen. Das Blatt zitierte sie mit den Worten: „Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn hatte ich Peter noch gefragt, wer außer mir sprechen würde. Er hatte gesagt, sonst niemand.“ Sie selbst habe nie gefordert, bei dem Empfang zu sprechen. Vielmehr sei sie von der Buchmesse selbst dazu aufgefordert worden. Ihr Ziel sei es gewesen, sich bei der Buchmesse dafür zu bedanken, „dass sich offizielle und inoffizielle Stimmen aus China zu Wort melden konnten“, betonte Dai Qing dem Bericht zufolge.
Die Trennung von Ripken begründete die Buchmesse am Montag nun mit den Worten: „Damit zieht die Buchmesse die Konsequenzen aus anhaltenden Abstimmungsschwierigkeiten im Zusammenhang mit dem diesjährigen Ehrengastland China.“
Ripken war zugleich Projektverantwortlicher für ein im Vorfeld der Buchmesse veranstaltetes Symposium. Bei der gemeinsam mit China ausgerichteten Veranstaltung hatte es einen Eklat gegeben; Leidtragende waren ebenfalls Dai Qing und Bei Ling: Zunächst waren beide im Vorfeld auf Druck Chinas ausgeladen worden. Als sie trotzdem anreisten, am Symposium teilnahmen und eine Erklärung abgaben, verließen Teile der offiziellen chinesischen Delegation den Konferenzsaal.
Die Buchmesse würdigte zugleich ausdrücklich Ripkens langjährige Arbeit für die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika und als Vorsitzender von ICORN, International Cities of Refuge Network /Städte der Zuflucht. (ap/mk)
http://www.buchmesse.de
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