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29.10.2009
Früher hieß es « Rick's Café Américain" und stand in Hollywood. Trotzdem half es, mit Ingrid Bergmanns und Humphrey Bogarts Hilfe, den Mythos um die nordafrikanische Stadt Casablanca zu begründen. Heute heißt es schlicht „Rick's Café" und steht im Schatten der größten Moschee nach Mekka und Medina im marokkanischen Casablanca, genau dort, wo es - entsprechend der Filmhandlung - eigentlich hingehört.
Gleich hinter der Eingangstür öffnet sich eine andere und doch aus dem Film vertraute Welt. Es ist die Welt der frühen Vierzigerjahre, als die Kellner noch einen roten Fez trugen und der „afrikanische Orient" noch etwas orientalischer war als heute. Ein blitzblanker schwarzweißer Marmorfußboden zieht den Blick hinunter und schwungvolle grüne Stoffbahnen ziehen ihn umgehend wieder nach oben bis in die erste Etage.
Vorbei an gastfreundlich eingedeckten Tischen führt der Weg hinauf zu der gemütlich eingerichteten Teestube im ersten Stock. Dort steht ein großer Tisch bereit, um den herum kleine „Casablanca"-Poster alte Erinnerungen auffrischen. Und auf einem Flachbildschirm an der Wand läuft, für alle, die sie ein weiteres Mal sehen wollen, die tonlose Filmfassung mit französischen Untertiteln. Dazu passt natürlich ein stark gezuckerter Pfefferminztee, serviert von einer charmanten Caféhausdame in einer bauchigen Silberkanne.
Nach einiger Zeit ein zweites und dann ein drittes Mal: das erste Glas süß wie die Liebe, das zweite Glas durchsetzt wie das Leben, das dritte Glas bitter wie der Tod, so die nordafrikanische Lebensweisheit. Auch der Film „Casablanca" hatte von allem etwas. Wohl nicht zuletzt daher schuf er den aufregenden Casablanca-Mythos, der mich hier erneut - bis zum glücklichen Ende an der Startbahn des Flughafens - in seinen Bann zieht. Welch ein faszinierender Ort zum Verweilen! Denn er rührt an fast vergessene Saiten und bringt sie erneut zum Schwingen.
Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.
In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.
01. Piazza San Marco, Venedig / Italien
02. Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien
03. Montmartre, Paris / Frankreich
04. Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen
05. Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg
06. Suomenlinna, Helsinki / Finnland
07. Askona, Lago Maggiore / Italien08. Oriental, Bangkok / Thailand
09. Santorin, Ägäis / Griechenland
10. Piazza Navona, Rom / Italien 11. Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien 12. Puente la Reina, Navarra / Spanien 13. Dubrovnik, Adria / Kroatien 14. Aleppo / SyrienSchlagworte