Nachrichten Deutschland – Überflutung nach Erdwärmebohrung in Wiesbaden – Guido Rijkhoek
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Finanzamt in Nöten Überflutung nach Erdwärmebohrung in Wiesbaden

Guido Rijkhoek

07.11.2009

"Land unter" vor dem Finanzministerium in Wiesbaden. Nach einer Erdwärmebohrung treten in der Innenstadt von Wiesbaden gewaltige Wassermassen aus.    Foto: AP
"Land unter" vor dem Finanzministerium in Wiesbaden. Nach einer Erdwärmebohrung treten in der Innenstadt von Wiesbaden gewaltige Wassermassen aus.

Foto: AP

Wiesbaden – Eine missglückte Erdwärmebohrung auf dem Gelände des hessischen Finanzministeriums hat in der Innenstadt von Wiesbaden eine Überflutung ausgelöst. Ein Bohrtrupp war in der Nacht zum Freitag in rund 130 Metern Tiefe überraschend auf eine Wasserblase gestoßen. Daraufhin schoss eine bis zu sieben Meter hohe Fontäne aus der Erde. Zeitweise traten bis zum 6.000 Liter Wasser pro Minute aus.

„Wir müssen schauen, dass wir dieses Schadensereignis in den Griff bekommen“, sagte Finanzminister Karlheinz Weimar. Menschen seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. Feuerwehrleute versuchten am Freitag fieberhaft, das Bohrloch zu verschließen.

Wie der Sprecher der Stadtverwaltung, Siggi Schneider, mitteilte, wurden mehr als 40 Kubikmeter Beton verfüllt. Anschließend sei das Wasser jedoch an drei neuen Stellen wieder an die Oberfläche gekommen. Trotz aller Anstrengungen traten unaufhörlich große Mengen Wasser aus, die von der Feuerwehr in die Kanalisation geleitet wurden. Dabei wurde auch der eingesetzte Beton teilweise wieder ausgespült.

Wie der Sprecher des Finanzministeriums, Michael Scheerer, sagte, reduzierte sich die Wassermenge im Laufe des Tages auf 30 bis 40 Liter pro Minute. Es gelang jedoch zunächst nicht, die ungewollte Quelle zu verstopfen. Unter der Erdoberfläche gebe es offenbar in geringer Tiefe eine Kiesschicht, sagte Finanzminister Weimar. Daher könne sich das Wasser immer wieder an unterschiedlichen Stellen einen Weg an die Oberfläche suchen.

Schlamm tritt aus

In Behördenkreisen hieß es am Freitag, es könne Tage dauern, bis das Bohrloch effektiv verstopft sei. Ein neues Bohrgerät wurde angefordert, mit dessen Hilfe die Fachleute unterhalb der wasserdurchlässigen Kiesschicht einen neuen Betonpfropfen anbringen wollten. Die Erdwärmebohrung stand in Zusammenhang mit einem geplanten Anbau für das hessische Finanzministerium. Da der Bau hohen ökologischen Standards genügen solle, sei eine Erdwärmeheizung geplant gewesen, sagte Weimar.

„Wir waren auf diese Situation nicht vorbereitet“, sagte der CDU-Politiker: „Das ist ein einmaliger Vorgang.“ Es habe keine Hinweise auf die Wasserblase gegeben. Die Feuerwehr errichtete eine Sandsackbarriere, um die umliegenden Gebäude zu schützen. Zudem begannen Fachleute im Laufe des Freitags, eine Art Wasserkaskade einzurichten, um die austretenden Wassermassen klären zu können. Es wurde befürchtet, dass der ausgespülte Beton andernfalls die Kanalisation verstopfen könnte. Der mit dem Wasser herausgedrückte Schlamm wurde mit Lastwagen abgefahren.

Wiesbaden verfügt nach Angaben der Stadt über insgesamt 27 heiße und ungezählte kalte Quellen. Der Quellenreichtum wird durch die Lage am Rande des Taunus begünstigt. Einige Quellen sprudeln bereits seit der Steinzeit am gleichen Ort. (AP)

 

 
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