Aktuelle Nachrichten – Städtereisen & Kulturreisen
09.11.2009
Abwasser-Systeme im Untergrund großer Städte genießen mit ihren übel riechenden Kanälen und finsteren Gängen keinen besonders guten Ruf. Nicht so in Wien. Denn hier ist die verborgene Welt unter dem Straßenpflaster der Geburtsort eines Mythos, der seit der Nachkriegszeit der späten Vierzigerjahre immer stärker um sich griff und damit Filmgeschichte schrieb. Es ist der Mythos vom „Dritten Mann“, dessen packendster Teil vom Filmdrehbuch in die anrüchige Wiener Unterwelt hineinverlegt wurde.
So zwängen sich heutige Besucher durch einen offenen Kanaldeckel hinunter in die Dunkelheit, um am Originalschauplatz des Geschehens die einzigartige Atmosphäre dieses ungewöhnlichen Ortes auf sich wirken zu lassen. Jene Geschichte um Harry Lime, mit der Graham Greene in seiner Buchvorlage der Stadt an der damals nicht so blauen Donau ein unterirdisches Denkmal setzte. Ebenso auch den Filmgrößen jener Zeit wie Orson Welles, Paul Hörbiger und Erich Ponto. Und natürlich dem damals noch weitgehend unbekannten Musiker Anton Karas, der auf seiner Zither mit seinem unverkennbaren Harry-Lime-Thema die schon bald weltberühmte Leitmelodie des Films entlockte.
Doch das Kanalsystem im Untergrund der Stadt ist es nicht allein, das die Erinnerung wach hält an das bewegende, ja unheimliche Geschehen jener Zeit. Denn als geradezu geniale Ergänzung zum Originalschauplatz gibt es seit wenigen Jahren das „Dritte Mann Museum“, in dem mit großem Einsatz die Memorabilia zum Film aus aller Welt zusammengetragen werden: Fotosammlungen und Kleidungsstücke, Filmplakate und Tonaufnahmen, Buchausgaben und Originaldokumente. All diese Museumsstücke, anschaulich platziert, lassen das Filmgeschehen sowie seine Zeitgeschichte vor den Augen des Betrachters deutlich wiedererstehen.
Hauptattraktion der Sammlung ist natürlich die Original-Zither, auf der Anton Karas einst mit seiner eingängigen Melodie die Filmwelt verzauberte. Sensationell auch das Original-Vorführgerät, mit dem der Film vor sechzig Jahren erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde und das bis heute seine Aufgabe tadellos erfüllt. Insgesamt eine Dokumentation der frühen Nachkriegszeit, die noch heute Augen öffnet und Herzen bewegt. Denn sie verdeutlicht, wie die Menschen damals lebten und fühlten in einer Zeit des Chaos, des Wiederaufbaus und der politischen Ungewissheit. Für mich zweifellos als äußerst gelungene Vergegenwärtigung des Filmmythos und zugleich als eindrucksvolles Beispiel für lebendige Geschichte einer meiner Lieblingsplätze in Wien.
www.3mpc.net
Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.
In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.
01. Piazza San Marco, Venedig / Italien
02. Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien
03. Montmartre, Paris / Frankreich
04. Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen
05. Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg
06. Suomenlinna, Helsinki / Finnland
07. Askona, Lago Maggiore / Italien08. Oriental, Bangkok / Thailand
09. Santorin, Ägäis / Griechenland
10. Piazza Navona, Rom / Italien 11. Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien 12. Puente la Reina, Navarra / Spanien 13. Dubrovnik, Adria / Kroatien 14. Aleppo / Syrien 15. Katharinenkloster, Wüste Sinai / Ägypten 16. Museum für Islamische Kunst in Doha / Qatar 17. Rick´s Café, Casablanca / Marokko 18. Schauplatz "Dritter Mann", Wien / Österreich
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