Panorama - Aktuelle Nachrichten – Die Rache der Kukident-Bande – Birgit Roschy
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Aktuelle Nachrichten – Panorama

Hochkarätig besetzt Die Rache der Kukident-Bande

Birgit Roschy

21.12.2009

Frankfurt/Main (APD) Lena, eine rüstige alte Dame, lässt sich von einem alerten jungen Banker eine Hypothek aufschwatzen und verliert ihr Haus. Mit sich und der Welt fertig, landet sie depressiv in einem heruntergekommenen Seniorenheim. Dort verliebt sich der greise Schwerenöter Johann in sie und überredet sie zu einem waghalsigen Coup gegen die Bank. Und wem die Handlung dieser am 24. Dezember anlaufenden Komödie „Dinosaurier“ bekannt vorkommt, der beweist, dass seine grauen Zellen noch gut in Schuss sind.

Denn Leander Haußmanns Komödie basiert lose auf jenem Klassiker mit dem vielleicht umständlichsten Filmtitel aller Zeiten, „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“ von 1975. Der Regisseur von „Sonnenallee“ jedoch tüdelt bei seiner Verjüngungskur nicht lange herum, meidet weiträumig Betroffenheitsgesten und lässt sich von seinen Hausgöttern Billy Wilder und Ernst Lubitsch leiten. Im Stil einer temporeichen Screwball-Komödie soll jegliche Tragik weggelacht werden. Wenn dabei das Gebiss klappert, umso besser.

Zugleich präsentiert sich die boulevardeske Komödie als ein Werk der Liebe – nicht nur, weil Haußmann seinem Vater, DDR-Altstar Ezard Haußmann, die Hauptrolle des listigen Ex-Bankrotteurs Johann Schneider (!) gibt. Mit der Mutter von Nina Hagen, Eva-Maria Hagen, als Lena wird einer weiteren ostdeutschen Bühnenikone Reverenz erwiesen. Die Kukident-Bande wird außerdem von den Veteranen Nadja Tiller, die als Altersheim-Femme-fatale den Blutdruck der Greise in die Höhe treibt, Ingrid van Bergen, Walter Giller und Ralf Wolter, ergänzt. Die Oldies lassen nichts anbrennen und sorgen wacklig und tattrig für Stimmung.

Galgenhumor auf Pflegestufe 3

Da dem Film nichts ferner liegt als die Senioren-Mitleidsnummer – selbst Gevatter Tod unterliegt dem komischen Timing – nutzen die unwürdigen Greise ihre Narrenfreiheit weidlich aus. Die schwerhörigen Zausel beschimpfen sich, dass einem die Ohren klingen, veranstalten Slapstick mit Urinbeuteln, dealen mit Schlaftabletten und reißen einer Rollstuhlfahrerin, die andere verpfeift, das Gebiss aus. Macht nichts, sie war bei der Stasi. Und wenn die alten Knacker bei ihren Hochstapeleien fast ins Diabetes-Koma fallen oder mit zitternder Parkinson-Hand Schlösser knacken, erreicht der Galgenhumor seinen Höhepunkt.

Denn Haussmann macht sich nicht über ihre Gebrechen lustig, sondern zeigt, wie sie aus körperlicher Not eine komödiantische Tugend machen. Oft wirkt der Klamauk, von Swingmusik von James Last untermalt, zwar ziemlich überdreht. Und Daniel Brühl als windiger Bank-Fuzzi mit peinlicher Dauerwelle und Tom Gerhardt als schleimiger Heimleiter lassen sich von den älteren Herrschaften etwas zu ehrerbietig an die Wand spielen. Doch im Dauerfeuer der Pointen sind mehr Treffer als Rohrkrepierer zu verzeichnen – und wenn bei dem Methusalem-Komplott die Jungfüchse das Nachsehen haben, werden sich Oma und Enkel freuen. (AP)

 

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