Foto: Sabine Blunck/Pixelio
St. Petersburg/USA – Auf den ersten Blick zählt US-Kriegsveteran Bill Golden nicht unbedingt zu den Menschen, die vom Leben verwöhnt wurden. Der 86-Jährige, der 20 Jahre bei der Armee und weitere 30 Jahre im Polizeidienst arbeitete, erkrankte an Darmkrebs, trägt ein künstliches Hüftgelenk und leidet unter schmerzhafter Arthritis in den Knien. Trotzdem hält sich Golden für einen ausgesprochenen Glückspilz.
In einer solchen dankbaren Grundeinstellung sehen manche Experten den Schlüssel zu einem zufriedenen und gesunden Leben. Schon seit langem vermutet man, dass diese Haltung das Wohlbefinden fördert und Schwermut vertreibt. Aber binnen weniger Jahre ist die wissenschaftliche Untersuchung der Dankbarkeit zu einem sprießenden Forschungsfeld expandiert. Tenor der bisherigen Studienlage: Dankbarkeit steigert die Zufriedenheit – sofern man sich häufiger bedankt.
„Wenn man das nicht regelmäßig tut, profitiert man davon nicht“, sagt die Psychologin Sonja Lyubomirsky von der Universität von Kalifornien in Riverside. „Das ist, als ob man nur ein Mal im Jahr ins Fitnessstudio ginge. Wozu soll das gut sein?“
Forscher wie David DeSteno haben in den vergangenen Jahren versucht, den Nutzen von Dankbarkeit zu messen. Der Psychologe von der Northeastern Universität ließ in einer Studie die Teilnehmer zunächst in mühsamer Kleinarbeit Daten in einen Rechner einspeisen. Kurz vor dem Ende der anstrengenden Aufgabe stürzt der Computer plötzlich ab.
Ein scheinbar unbeteiligter Assistent, der offenkundig selbst sehr in Eile ist, rettet einem Teil der Probanden kurzerhand die Daten. Als die Teilnehmer später nach Hause wollen, stoßen sie „zufällig“ auf diesen Assistenten, der nun seinerseits um Unterstützung bittet. Wer selbst Hilfe erhalten hatte und somit dankbar war, kam diesem Wunsch großzügiger und uneigennütziger nach als jene Teilnehmer, die keine Unterstützung erfahren hatten.
„Dankbarkeit lässt Menschen rechtschaffener und selbstloser handeln“, erläutert DeSteno, der seine Studie im Fachblatt „Current Directions in Psychological Science“ veröffentlicht hat. „Und sie schafft soziale Unterstützung, was bekanntlich zu körperlichem und seelischem Wohlbefinden beiträgt.“
Robert Emmons von der Universität von Kalifornien in Davis glaubt, dankbare Menschen seien weniger neidisch und nachtragend. Zudem schlafen sie länger, treiben mehr Sport und haben niedrigeren Blutdruck, wie der Psychologe betont. Seine New Yorker Kollegin Brenda Shoshanna stimmt zu: „Dankbarkeit macht einen Menschen sowohl körperlich als auch psychisch gesünder“, erläutert sie. „Man kann ja nicht gleichzeitig deprimiert und dankbar sein.“
Kriegsveteran Golden interessieren derartige intellektuelle Gedankenspiele nicht. Er fühlt sich schlicht dankbar – für seine zwei Kinder und die beiden Enkel sowie für seine 89 Jahre alte Lebensgefährtin. „Danke schön. Es ist überraschend, was diese beiden Worte für einen Menschen tun“, sagt Golden. „Es geht leicht von den Lippen und bewirkt viel Gutes.“ (AP)
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