Umwelt – Der Regenwald der weißen Bären – Heike Soleinsky
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Schwarzbären in Kanada Der Regenwald der weißen Bären

Heike Soleinsky

07.01.2010

Foto: Klaus Pommerenke

Foto: Klaus Pommerenke

Nur etwa jeder zehnte Schwarzbär kommt weiß zur Welt. Kaum einer weiß mehr über sie als der Fotograf Klaus Pommerenke. In seinem Bildband teilt er dieses Wissen mit uns.
Eine Schwarzbärmutter mit ihren beiden weißen Schwarzbärjungen. Nur knapp jeder zehnte Schwarzbär hat eine weiße oder cremefarbene Fellfarbe. Dabei handelt es sich nicht um Albinos; sie haben braune Augen und eine schwarze Nase. Es gibt auch weiße Bäreneltern mit schwarzen Jungen.
Eine Schwarzbärmutter mit ihren beiden weißen Schwarzbärjungen. Nur knapp jeder zehnte Schwarzbär hat eine weiße oder cremefarbene Fellfarbe. Dabei handelt es sich nicht um Albinos; sie haben braune Augen und eine schwarze Nase. Es gibt auch weiße Bäreneltern mit schwarzen Jungen.

Foto: Klaus Pommerenke

137 Wirbeltierarten nutzen den Lachs als Nahrungsquelle. Um bei so viel Nahrungskonkurrenz in Ruhe fressen zu können, zieht sich dieser junge Schwarzbär auf einen Baum zurück.
137 Wirbeltierarten nutzen den Lachs als Nahrungsquelle. Um bei so viel Nahrungskonkurrenz in Ruhe fressen zu können, zieht sich dieser junge Schwarzbär auf einen Baum zurück.

Foto: Klaus Pommerenke

Schwerer Kopfschmuck: Bis zu 20 Kilogramm wiegt das Geweih eines Elchbullen. Im Winter wirft der Elch es ab. Ab April wächst es dann wieder neu.
Schwerer Kopfschmuck: Bis zu 20 Kilogramm wiegt das Geweih eines Elchbullen. Im Winter wirft der Elch es ab. Ab April wächst es dann wieder neu.

Foto: Klaus Pommerenke

Kahlschlag. Selbst wenn man die Zahl der geschlagenen Bäume nachpflanzt, hat man dann keinen üppigen Urwald mehr, der zahlreichen Tieren Nahrung bietet, sondern einen monotonen „Holzacker“ mit wenig Vegetation.
Kahlschlag. Selbst wenn man die Zahl der geschlagenen Bäume nachpflanzt, hat man dann keinen üppigen Urwald mehr, der zahlreichen Tieren Nahrung bietet, sondern einen monotonen „Holzacker“ mit wenig Vegetation.

Foto: Klaus Pommerenke

Wer einmal in einem dieser Urwälder entlang der Flusstäler der Regenwaldküste stand ... gerät in andächtiges Staunen, wenn er ameisengleich unter Jahrhunderte oder sogar tausende Jahre alten Baumriesen verharrt und schweigend nach oben blickt, wo die Baumkronen sich weit über dem üppig bewachsenen Waldboden schließen wie die Kuppeln einer Kathedrale", schreibt Klaus Pommerenke in seinem Buch über den letzten Küstenregenwald der gemäßigten Zone an der pazifischen Küste Kanadas: „Der Regenwald der weißen Bären."

Mit dem Boot, im Kajak und zu Fuß sind Klaus Pommerenke und seine Frau Ingrid seit 1994 in den teilweise noch unberührten Wäldern des Great Bear Rainforest in Kanada unterwegs - manchmal monatelang. Er schreibt von uralten Wäldern, deren Böden von Kräutern, Pilzen, Moosen, Flechten, Farnen und Beerensträuchern übersät sind - zum Teil so dicht, dass man nur am Flussufer gehen kann; von mächtigen Riesen-Lebensbäumen, an die 100 Meter hoch, sechseinhalb Meter Durchmesser der Stamm. Dort, in British Columbia, gibt es wilde Flüsse voller Lachse. Vor der Küste sind Orcas, Grauwale, Robben und Seeotter im Meer. Auf seinen Wanderungen durch dieses Naturparadies begegnet Pommerenke Weißkopfseeadlern, Pumas, Wölfen, Hirschen und Elchen und fotografiert sie. Ebenfalls Grizzlybären und den vielleicht seltensten Bären, den es in freier Wildbahn gibt: den weißen Schwarzbären.

Weiße Schwarzbären

Der weiße Schwarzbär wird auch Spirit-Bär oder Kermode-Bär genannt. Etwa bei jeder zehnten Schwarzbären-Geburt kommt die weiße oder cremefarbene Fellfarbe vor - unabhängig davon, ob die Bäreneltern helles oder dunkles Fell haben. Sie sind keine Albinos, sondern haben eine schwarze Nase und braune Augen. Mit dem Eisbären sind sie nicht verwandt. Das Gen, das für die weiße Fellfarbe verantwortlich ist, scheint ein Relikt aus der letzten Eiszeit zu sein. Etwa 350 bis 400 weiße Schwarzbären gibt es - sie leben ausschließlich im Herzen vom Great Bear Rainforest, dem Regenwald des Großen Bären, einem kleinen Gebiet entlang der Nordküste von British Columbia.

Hunger nach Rohstoffen

Die First Nations, die indianische Bevölkerung lebte und lebt im Einklang mit dieser seit Jahrtausenden funktionieren Harmonie der Natur. Anders der moderne Mensch mit seinem unstillbaren Hunger nach Rohstoffen. Der Hunger nach Erdöl, garantiert der Küste die Ölkatastrophen von morgen. Durch Pipelinebrüche der Ölsande-Tagebaue wurde bereits Grundwasser kontaminiert.

Auch der Abbau von Kohle, Kupfer und Gold reißt nicht nur den Boden auf: Seen und Flüsse können seit 2002 per Gesetz in sogenannte „Abfalleinlagerungs-Gebiete" umdeklariert und als Abfallgruben für giftige Bergbauabfälle genutzt werden. Laut Pommerenke sterben jährlich Tausende Vögel durch Kontakt mit solchen Giftseen.

Doch der größte Hunger gilt dem Holz: Seit Jahrzehnten schlagen die Holzkonzerne die Regenwaldküste kahl. Die Böden erodieren und verschlammen die Flüsse. Dem Lachs, den Bären, den Wölfen und den anderen wilden Tieren werden Heimat und Nahrung entzogen. Die monotonen Wälder, mit schnell wachsendem Nutzholz, das teilweise nachgepflanzt wird, sind dunkle, nahezu vegetationslose Holzäcker, die einen nahrungsreichen Urwald nicht ersetzen können. Die Provinzregierung unterstützt die Konzerne sogar mit besten Bedingungen.

Europa und Kanada


Sicher gibt es kaum einen Deutschen, der sich besser mit dem pazifischen Regenwald auskennt, als den Psychologen, Sozialpädagogen und Fotografen Klaus Pommerenke - nicht nur über das Ökosystem sondern auch über die Bemühungen der Naturschützer, über die Versprechungen der Provinzregierung und der Konzerne sowie deren tatsächlichen Praktiken. Dieses beeindruckendes Wissen, das Pommerenke in seinem Buch mit dem Leser teilt, zusammen mit den 180 Farbfotos, die die Schönheit aber auch die Zerstörung des Naturparadieses zeigen, lässt einen zwangsläufig ein Herz für den Schutz der Natur im fernen Kanada wachsen - und öffnet gleichzeitig den Blick für die Empfindlichkeit des Ökosystems vor der eigenen Tür.

Gehen uns Europäer die Küstenregenwälder von Kanada etwas an? Vermutlich hatten Sie heute schon ein Stück Kanadischen Regenwald in der Hand: Sei es als Werbeprospekt, Schreibpapier oder Spanplatte, vielleicht als Klopapier. Deutschland importiert Urwaldzerstörung: Holz und Papier im Wert von etwa einer Milliarde Euro. Wer das nicht unterstützen will, achtet als Verbraucher auf Holzprodukte mit dem FSC-Zeichen (Forest Stewardship Council) - wobei zu hoffen bleibt, dass dies auch ein verlässliches Zeichen bleibt, da sogar kanadische Forstkonzerne mit übelsten Kahlschlagspraktiken frech die FSC-Zertifizierung beantragt haben. Beim Kauf von Schreib- und Hygienepapieren ist es einfacher: man nehme immer Produkte aus 100 Prozent Recyclingpapier.

Infos zum Buch:

Klaus Pommerenke "Der Regenwald der weißen Bären - Ein bedrohtes Ökosystem an Kanadas Pazifikküste"
232 Seiten / ca. 180 Farbfotos, Einband: gebunden, 1. Auflage 2009, ISBN: 978-3-258-07476-4, EUR: 29.90 (D), CHF: 49.90


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