Städtereisen - Kulturreisen - Kurztripps – Die Frauenkirche in Dresden – Steinernes Mahnmal der Versöhnung – Bernd Kregel / Gastautor
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Lieblingsplätze Die Frauenkirche in Dresden – Steinernes Mahnmal der Versöhnung

Bernd Kregel / Gastautor

11.01.2010

Foto: Bernd Kregel

Foto: Bernd Kregel

Orte, an denen die Seele baumelt

Einst war der barocke Baustil der prächtige Mantel, den sich die Gegenreformation umlegte, um in repräsentativer Pose das an die Reformation verlorene Terrain wieder zurück zu gewinnen. Nicht so in Dresden, wo ein selbstbewusstes protestantisches Bürgertum den sächsischen Landesherrn August den Starken darum bat, ein neues, geräumigeres Gotteshaus nach dem Vorbild der venezianischen „Santa Maria della Salute" errichten zu dürfen. Der Bitte wurde stattgegeben und es entstand der schönste barocke Kuppelbau nördlich der Alpen.

Bis zu jener Februarnacht im Jahr 1945, als Dresden in Schutt und Asche versank und die Frauenkirche, weithin sichtbares Symbol der Stadt, ausgeglüht unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrach. Immerhin noch gut genug, um - ähnlich wie die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche - als Trümmerhaufen zum „Mahnmal gegen den Krieg" erhoben zu werden. Bis Stimmen laut wurden, die sich nach der deutschen Einheit für einen Wiederaufbau des Gotteshauses aussprachen. Kaum formuliert in einem „Ruf aus Dresden", siegte der Glaube an die Utopie gegenüber den Einwänden zahlreicher Bedenkenträger.

Nun steht sie da, ein Phoenix aus der Asche! Stattlich und schön wie einst reiht sich ihre stolze steinerne Kuppel ein in die vertraute Stadtsilhouette der Elbmetropole. Ein neues Wahrzeichen nicht nur Dresdens, sondern des gesamten deutschen Protestantismus, der das Bauwerk nun als ein Symbol der Versöhnung versteht. Als einen Ort, an dem Freunde und Feinde von einst friedlich zusammenströmen, um das Wunder des Wiederaufbaus zu bestaunen. Viele von ihnen versehen mit einer Armbanduhr, in deren Zifferblatt zum Gedenken ein kleines Stückchen Sandstein aus dem einstigen Trümmerhaufen eingearbeitet wurde.

Foto: Bernd Kregel

Was die äußere Kulisse verspricht, hält auch der Innenraum. Stilvoll wiederhergestellt nach den alten Vorlagen, atmet er mit seinen Gemälden und Schnitzereien, seinem Altar und seiner Orgel jenen Geist, der ihm schon bei seiner Entstehung vor 250 Jahren eingehaucht wurde. Und der heute wieder besonders dann erfahrbar wird, wenn Musik aus jener Zeit, wie das Bachsche Weihnachtsoratorium, bei hervorragender Akustik bis auf die letzte Empore hinauf klingt. Wahrlich ein Lieblingsplatz, zu dem ich nicht oft genug zurückkehren kann.

 

Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.

In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.

 

 
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