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Dubai (apn) Wenn es immer gefährlicher wird, zu Demonstrationen auf die Straße zu gehen, suchen sich Oppositionelle im Iran eben andere Wege, ihrem Unmut Luft zu machen: Sie versehen Geldscheine mit Parolen wie „Tod dem Diktator“ oder dem Siegeszeichen V für Victory. Die Behörden haben ihre liebe Mühe, diese Protest-Noten aus dem Verkehr zu ziehen.
Es ist unmöglich herauszufinden, wie viele Banknoten in den letzten Monaten mit regimekritischen Botschaften beschrieben oder gestempelt wurden, seit die Obrigkeit Demonstrationen zu unterbinden und Internet und SMS-Verkehr abzuwürgen versucht. Doch es reichte, Aufsichtsbehörden bis hinauf zum Zentralbankchef zu öffentlichen Warnungen zu veranlassen. Die Banken nähmen beschriebene Geldscheine nicht mehr an, wurde verkündet, damit Bürger und Geschäftsleute die Finger davon lassen.
Da steht zum Beispiel die Frage „Wofür sind sie gestorben?“, bezogen auf die Todesopfer bei den Demonstrationen gegen Betrug bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Sommer. Auf einer anderen Banknote ist eine Hand gestempelt, die die Finger zum Victory-Zeichen spreizt. Darunter ist in Grün, der Farbe der Opposition, geschrieben: „Fürchtet den Sturm aus Staub und Dreck!“ – eine Anspielung auf die verächtliche Bezeichnung, mit der Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Demonstranten bedacht hatte.
Ein 2.000-Rial-Schein, knapp 20 Eurocent, trägt das V-Zeichen und die Botschaft „Wir sind unzählige“. Auf anderen finden sich der Stempel einer roten Hand als Symbol der blutigen Handflächen der Demonstranten oder Parolen wie „Tod dem Diktator“ und „Nieder mit Chamenei“ in die Ecke gekritzelt. Auf einem 20.000-Rial-Schein (rund zwei Euro) hat jemand das obligatorische Porträt von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini und das Wort „Islamisch“ im offiziellen Landesnamen Islamische Republik Iran durchgestrichen.
Mit Aktionen wie dieser greifen die Regimekritiker auf die Taktik der Anfangszeit zurück, mit einfachen Mitteln wie Flugblättern und Graffiti die Staatsmacht zu ärgern. Dies beweist den Einfallsreichtum der Oppositionsbewegung, die ihre nächste große Kundgebung anlässlich des Jahrestags der Islamischen Revolution 1979 nächsten Monat zu organisieren versucht. In jüngster Zeit tauchen Geldscheine mit Aufrufen zu Demonstrationen am 11. Februar auf, wenn sich der Tag jährt, an dem die letzten Getreuen des außer Landes gejagten Schahs aufgaben.
Zum Jahrestag ist eine offizielle Großkundgebung am Teheraner Asadi-Platz angekündigt. Doch die Opposition nutzt inzwischen religiöse und politische Gedenken als Anlass zu eigenen Demonstrationen, bei denen es immer wieder blutige Zusammenstöße mit Sicherheitskräften gibt. Bei den letzten derartigen Protesten an einem islamischen Trauertag Ende Dezember kamen mindestens acht Menschen ums Leben, darunter ein Neffe des Oppositionsführers Mir Hossein Mussawi.
Notenbankchef Mahmud Bamani hatte im vergangenen Monat gedroht, dass das Beschriften von Banknoten als Straftat geahndet werde. Die Bankenaufsicht kündigte an, dass die Banken vom 7. Januar an keine beschriebenen oder mit Stempeln versehenen Geldscheine mehr annähmen. Doch auch Tage nach Verstreichen der Frist waren noch welche im Umlauf, wie Gewährsleute in Teheran berichteten.
Bilder davon kursieren auch auf den Internetseiten von Netzwerken wie Facebook, YouTube und Twitter. Gelobt wird vor allem, dass die Idee so einfach wie wirkungsvoll sei. Ein Blogger stellte Fotos von Protest-Noten auf seine Seite unter der Überschrift „Money talks“ (Geld spricht Bände). (AP)
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