Nachrichten Deutschland – Zahl der Anträge auf Stasi-Akteneinsicht nochmals gestiegen – DAPD
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Deutschland

Im Jahr des Mauerfall-Jubiläums Zahl der Anträge auf Stasi-Akteneinsicht nochmals gestiegen

DAPD

14.01.2010

Foto: AP Photo/Jockel Finck, Archiv

Foto: AP Photo/Jockel Finck, Archiv

Berlin (apn) Die Zahl der Anträge auf Einsicht in Stasi-Unterlagen ist 20 Jahre nach dem Mauerfall noch einmal gestiegen. Im Jahr 2009 gingen bei der Berliner Birthler-Behörde rund 103.000 Anträge auf persönliche Einsicht ein, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies teilte die Stasi-Unterlagenbehörde am Donnerstag mit und bestätigte damit einen Vorabbericht des „Tagesspiegels“ (Freitagausgabe).

Behördenleiterin Marianne Birthler sagte der Zeitung, erstaunlich sei, dass der Anteil an Erstanträgen – also von Leuten, die bislang noch nie nach ihren Akten gefragt hätten – derzeit noch immer bei rund zwei Dritteln liege. Noch stärker gestiegen sei die Zahl der Anträge aus Wissenschaft und Medien, und zwar von 1.418 im Jahr 2008 auf 1.930 im Jahr 2009. Birthler führte das auf die vielen Jahrestage in 2009 zurück.

„Apparat hatte keine Macht mehr über Menschen“

Die Besetzung der Berliner Stasi-Zentrale vor 20 Jahren bezeichnete Birthler als wichtige Botschaft für die Menschen in der DDR. Die Aktion habe gezeigt: „Dieser Apparat, der die Menschen das Fürchten gelehrt hatte, hatte keine Macht mehr über sie.“

Allerdings seien diejenigen Bürger, die in Erfurt, Dresden und anderen Städten schon Anfang Dezember 1989 die dortigen Stasi-Dienstellen besetzt hätten, ein größeres Risiko eingegangen. Dies seien die entscheidenden Ereignisse gewesen. Diese seien am 15. Januar 1990 in Berlin „politisch gesehen vollendet“ worden.

Zur Zukunft ihrer Behörde sagte Birthler, für sie stelle sich die Frage, ob die Akteneinsicht für Privatpersonen und der Zugang für Journalisten und Wissenschaftler nach einer Überführung der Akten ins Bundesarchiv auch gewährleistet wäre – „zumindest für die Täterakten ziehe ich das in Zweifel“, sagte Birthler. Auch die besondere Schutzbedürftigkeit der in den Unterlagen enthaltenen Informationen, die ja zum Teil unter Verletzung der Menschenrechte erhoben worden seien, gebiete besondere Vorschriften und Gesetze.

Zudem forsche das Bundesarchiv nicht und betreibe keine politische Bildung. Auch das gehöre zu den Aufgaben, „für die wir noch etliche Jahre gebraucht werden“, sagte Birthler dem „Tagesspiegel“. (AP)

 
Anzeige
Anzeige
Anzeige