Aktuelle Nachrichten – Geschichte
14.01.2010
Foto: AP Photo/Ariel Schalit
Jerusalem (apn) Das ganze Jahr 2009 hat Tel Aviv sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Doch erst als die Feiern schon abebbten, stellte sich heraus, dass die „Weiße Stadt“ am Mittelmeer auf eine viel längere Geschichte zurückblicken kann. Archäologen stießen rein zufällig auf die Reste eines rund 8.000 Jahre alten Bauwerks aus der Jungsteinzeit.
Diese Entdeckung sei überraschend und zugleich äußerst wichtig, da sie den ersten Beweis für eine frühe Besiedlung der Region liefere, sagt die israelische Forscherin Ajelet Dajan. Es handele sich um das älteste bislang bekannte Bauwerk in der Gegend von Tel Aviv, der heutigen Wirtschafts- und Finanzmetropole Israels. Zugleich sei es das größte Gebäude aus jener Epoche.
Dajan und ihr zwölfköpfiges Team erhielten eine Grabungsgenehmigung für ein Grundstück im gehobenen Stadtviertel Ramat Aviv, auf dem Luxuswohnungen entstehen sollen. Es ist in Israel üblich, dass Archäologen vor dem Beginn von Bauarbeiten zum Einsatz kommen, denn es könnten ja irgendwelche Überreste aus biblischen Zeiten gefunden werden. Dajan erwartete allerdings höchstens 1.500 Jahre alte Funde aus byzantinischer Zeit. Mit einem 8.000 Jahre alten Bauwerk hätte niemand gerechnet. „Das war höchst aufregend“, freut sich die Archäologin.
In der Jungsteinszeit wurden viele Nomadenvölker erstmals sesshaft – so also auch in der Gegend von Tel Aviv, wie der Gebäudefund belegt. Aufschluss über den Entwicklungsstand zu jener Zeit geben ebenfalls entdeckte Steinwerkzeuge und Tonscherben. Knochen von Nilpferden und Zähne, die vermutlich von Ziegen oder Schafen stammen, zeugen von einem fortgeschrittenen Stand der Tierzucht.
Damit lasse sich bestimmen, wie die Menschen damals gelebt und was sie gegessen hätten, sagt der Leiter der Altertumsbehörde in Tel Aviv, Mosche Adschami. „Wir wussten, dass in dieser Gegend damals schon Menschen lebten, aber wir wussten nicht, wie weit sie in ihrer Sesshaftigkeit schon waren“, ergänzt Dajan.
In seinem Stil war das entdeckte Gebäude laut Adschami „auf der Höhe seiner Zeit“, insbesondere was die Bautechnik betreffe. Demnach wurden große Ecksteine verwendet und mit kleineren Steinen aufgefüllt, um den Wänden aus Lehm und Stroh Halt zu geben. Diese Bauweise wurde noch über Jahrtausende hinweg fortgesetzt.
Der Bau der Luxuswohnanlage in Ramat Aviv soll dennoch weitergehen. Die Bauherren haben aber versprochen, das Fundament aus der Jungsteinzeit zu schützen. Gedacht ist an einen Glasboden im Eingangsbereich der künftigen Wohnanlage. Behördenchef Adschami sagt dazu: „Wir müssen die richtige Balance finden zwischen dem Erhalt von Altertümern und der Fortentwicklung unseres Landes.“ (AP)
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