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23.01.2010
Foto: Elke Backert
"Welcome to the golden Land", begrüßt Burma seine Gäste allenthalben. In Abwandlung des deutschen Sprichworts kann man behaupten: Es ist alles Gold, was glänzt. In Mandalay ist der massige Körper des Mahamuni-Buddha bis zur Unförmigkeit angeschwollen, weil die Bevölkerung nicht ablassen will, ihm ihr 24-karätiges, in mühsamer Handarbeit zu einem hauchdünnen Viereckchen geschlagene Gold aufzudrücken. So viel Gold, dass die Tempelwächter alle Hände voll zu tun haben, heruntergefallene Blättchen zusammenzukehren. Die 2000 Jahre alte Shwedagon-Pagode in der Hauptstadt Yangon soll mehr Gold auf sich tragen als die Bank von England besitzt. Dazu ist sie sehr reich an weiteren Schätzen, sodass ein Besichtigungstag kaum genügt: Unzählige Tempel, Pagoden und Statuen gruppieren sich um den Gold-Stupa, der auf seiner Spitze mit Tausenden von Diamanten, Rubinen und Saphiren besetzt ist.
Burma - oder Myanmar, wie sich das Land zwischen Thailand, Laos, China und Indien seit 1988 nennt - öffnet sich nach jahrzehntelanger Abschottung und sozialistischer Misswirtschaft mehr und mehr dem Tourismus. Singapurer Investoren ist es zu verdanken, dass die touristische Infrastruktur gewaltige Fortschritte gemacht hat. Die Hotels stehen westlichem Luxus in nichts nach. Reinschauen sollte man ins legendäre Strand-Hotel, aber auch andere Prachtbauten aus der britischen Kolonialzeit sind sehenswert.
Lediglich gut befahrbare Straßen zu den unberührten Stränden im Golf von Bengalen fehlen noch. Ein Badetipp ist der herrliche Strand von Ngapali Beach an der Ostküste. Angst vor Kriminalität braucht man nicht zu haben. Von der herrschenden Militärdiktatur merkt der Tourist fast nichts - außer vielleicht am Flughafen und beim Zeitung lesen: Die Presse ist zensiert.
Gold und Juwelen ...
... von unschätzbarem Wert sollen im Kopf des liegenden 72 Meter langen Chaukhtatgyi-Buddha in Yangon verborgen sein. Für ihn wurde extra eine Halle gebaut. Seine Füße sind mit 118 Zeichen graviert, die alle eine Bedeutung haben. Buddhas Anhänger - und dazu zählt die Mehrheit der 45 Millionen Burmesen - sind opferfreudig. Täglich findet eine Zeremonie statt, um die Götter gnädig zu stimmen. Und fast immer begegnet man einer festlich gewandeten Gruppe, die ein Kind in eine kurze oder längere Zeit des Mönchslebens schickt. Ein Muss für die Kinder der Gläubigen.
Jeder Besucher darf mit dem schweren Holz die Glocken vor dem Tempel schlagen. Das bringt ebenso Glück wie die Waschung einer Elefantenstatue. Die religiösen Stätten sind nicht abgeschottet, sie sind Zentren des täglichen Lebens, und der Fremde darf daran teilhaben.
Tonerde im Gesicht
Männer wie Frauen sind mit dem traditionellen Lounghyi bekleidet, dem um die Hüften geschlungenen Tuch, die Füße auf weichen Sohlen mit Riemchen, Mandalay-Slipper genannt. Beim Betreten der Heiligtümer sind sie leicht abzustreifen. Frauen tragen eine Art Tonerde auf ihren Wangen - oft das Muster vom Blatt des Buddha-Erleuchtungsbaums, dem Bodhi-Baum. Sie soll das Gesicht zugleich kühlen und schmücken. Frauen sind es auch, die die „cheroots" drehen, die burmesischen Zigarren, hübsch anzusehen, weniger gut zu rauchen.
230 Jahre lang, zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert, war Bagan die mächtige Hauptstadt Burmas. Ein beeindruckendes Zeugnis menschlicher Kultur ist erhalten geblieben: Wer über das Tempelfeld blickt, traut seinen Augen kaum. Abertausende von roten Ziegelbauten, in wahrer Bauwut errichtet, ragen wie eine Fata Morgana aus der rötlichen Erde auf. Aber sie sind echt und manche über abenteuerliche dunkle Treppen zu besteigen. 2.217 Payas und Tempel sollen es genau sein. Oben auf einem der luftigen Umgänge genießt man dann erneut einen atemraubenden Ausblick. Die jungen Souvenirverkäufer können zwar nerven, aber für einen US-Dollar ersteht man die originellsten Mitbringsel. Die Landeswährung Kyat (Dschat gesprochen) will außer auf Märkten kaum einer haben. Gern tauschen sie etwa Lackarbeiten gegen Kugelschreiber, Lippenstifte, Feuerzeuge, Parfüm und Make-up. Die Ware findet sich später in Geschäften zu teuren Preisen wieder.
135 Stämme mit 100 Sprachen
Mit lautem Tassenschlagen - es sind Blechtassen - locken Wasserverkäufer Kunden an. Zugucken erlaubt, aber nicht trinken: Das Wasser das von einem ersten Eisblock durch ein Tuch auf einen zweiten darunter tropft und in einem Eimer aufgefangen wird.
Am Wegesrand macht Reiseleiter Bate vom Stamm der Arakonesen - 135 Stämme und hundert Sprachen soll es in Burma geben - auf Millionen Jahre altes Holz aufmerksam. Es soll bei Rheuma helfen.
Größtes Buch der Welt
Mandalay, die dritte Stadt, die man auf einer Flug-Rundreise besucht, besticht durch das „größte Buch der Welt". Neben der Kuthodaw-Pagode ist auf 729 weißen Marmortafeln der buddhistische Kanon eingemeißelt. Hübsch anzusehen ist auch der reich verzierte Teakholzpalast von König Mindon aus dem Jahre 1857.
Im Nachbarort Amarapura überquert die 200 Jahre alte U-Bein-Brücke aus Teakholz auf 1.200 Meter Länge den Taungthaman-See. Von der Soon-U-Phonya-Shin-Pagode auf dem Gipfel des Sagaing-Hügels, die man über 257 Stufen erreicht, blickt man wiederum auf das „goldene Land" und den Ayeyarwady-River, auf dem nicht nur die legendäre „Road to Mandalay" kreuzt. Der Fluss wird für alles benutzt. Ochsen sind darin ebenso zahlreich anzutreffen wie vollständig bekleidete Frauen.
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