Geschichte - Erkenntnisse und Fakten – De Klerks Worte brachten die Wende – Matthias Armborst
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Südafrika 2. Feb. 1990 De Klerks Worte brachten die Wende

Matthias Armborst

31.01.2010

Kapstadt (apn) Es war eine politische Sensation, die Frederik Willem de Klerk am 2. Februar 1990 verkündete. „Ich möchte hier klar sagen, dass die Regierung den festen Entschluss gefasst hat, Nelson Mandela ohne Bedingungen freizulassen“, erklärte der frischgewählte südafrikanische Präsident bei der Eröffnung des Parlaments vor genau 20 Jahren. Auch die Legalisierung der südafrikanischen Opposition – seit Jahrzehnten als verbrecherisch abgestempelt – kündigte er live im Fernsehen an.

„Es war ein atemberaubender Augenblick“, erinnerte sich der schwarze Volksheld Mandela später in seiner Autobiografie. Im Schnellgang habe es de Klerk geschafft, die Situation in Südafrika zu normalisieren, was für ihn selbst ein neues Leben bedeutet habe. Auch die Welt horchte auf: Jetzt gebe es „Perestroika am Kap“, schrieb der „Spiegel“. De Klerks Kehrtwende sei die „wichtigste Weichenstellung in der neueren Geschichte Südafrikas“.

Nach Rassen getrennte Bushaltestellen

Der damals 53-jährige de Klerk hatte erkannt, dass der krasse Rassismus südafrikanischer Prägung – bekannt unter dem afrikaanssprachigen Schlagwort „Apartheid“ – nicht länger aufrechtzuhalten war. Die Praxis, der schwarzen Mehrheitsbevölkerung konsequent jede Art von Teilhabe vorzuenthalten, lähmte die südafrikanische Gesellschaft und führte immer wieder zu gewaltsamen Massendemonstrationen, die von der weißen Polizei noch gewaltsamer niedergeschlagen wurden.

Schon seit 1976 bezeichneten die UN die Apartheid als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Anfang der 90er Jahre sorgten Absurditäten wie nach Rassen getrennte Toiletten und Bushaltestellen im Rest der Welt nur noch für Kopfschütteln. Am schwersten zu schaffen machten dem Burenstaat aber die europäischen und amerikanischen Handelssanktionen, die die Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs brachten. Die Apartheid war untragbar geworden.

Auch der seit Jahrzehnten verbotene Afrikanische Nationalkongress (ANC) war unter Druck, weil seine Finanzzuflüsse aus dem zusammenbrechenden Ostblock versiegten. Die Zeichen standen also auf Ausgleich.

De Klerk brauchte Verhandlungen mit dem ANC, um die Lage unter Kontrolle zu behalten. Seit 1988 liefen diese im Geheimen, doch jetzt mussten durchgreifende Fortschritte her. Dazu ging de Klerk im Februar 1990 auf die wichtigsten ANC-Forderungen ein: Erstens die Wiederzulassung der Oppositionsparteien, sogar des kommunistischen Arms des ANC. Zweitens die Freilassung inhaftierter Politiker – vor allem die Mandelas, der seit zehntausend Tagen auf der Gefängnisinsel Robben Island einsaß. Und schließlich eine Lockerung des schon viele Jahre andauernden Ausnahmezustandes.

Dies alles kündigte de Klerk an: „Die Alternative wären zunehmende Gewalt, Spannung und ein sich verschärfender Konflikt“, erklärte er. „Dies wäre inakzeptabel, das kann niemand wollen.“ Die Abschaffung der Pressezensur und die Aussetzung der Todesstrafe verkündete er obendrein.

Durchbruch nur eingeleitet, noch nicht geschafft

Allerdings war der Durchbruch mit de Klerks Rede nur eingeleitet, noch nicht geschafft: Zum einen blieben die Gesetze über die Rassentrennung zunächst in Kraft. Die Schwarzen wie Mandelas Ehefrau Winnie (“Wir werden es nicht akzeptieren, wenn man uns einen Knochen ohne Fleisch hinwirft“) blieben zunächst skeptisch.

Die burischen Extremisten wiederum reagierten mit blankem Hass, drohten dem „Verräter“ de Klerk mit Gerichtsverfahren und Anschlägen. Bei einem Referendum im März 1992 sprachen sich allerdings mehr als zwei Drittel der Weißen für die Abschaffung der Rassentrennung aus. Im Jahr darauf erhielt de Klerk gemeinsam mit dem einstigen Staatsfeind Mandela den Friedensnobelpreis.

Letztlich ebnete de Klerks Rede den Weg hin zu den ersten allgemeinen Wahlen 1994, die Mandela ins Amt des Staatsoberhaupts brachten. De Klerk war nun nur noch Vizepräsident. Die Vorherrschaft der weißen Südafrikaner, die weniger als zehn Prozent der Bevölkerung ausmachten, war gebrochen. (AP)

http://www.info.gov.za/speeches/1996/101348690.htm

 

 
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