Aktuelle Nachrichten – Welt
07.02.2010
Foto: Scott Johnson
Vietnam führt seit Jahrzehnten einen sowohl offenen als auch einen verdeckten Krieg gegen seine buddhistische Bevölkerung. 1981 verbot es offiziell seine älteste und ursprünglichste buddhistische Kirche, die Unified Buddhist Church of Vietnam (UBCV).
Die Kommunisten griffen die 2000 Jahre alte Tradition an und gründeten eine alternative staatlich kontrollierte buddhistische Kirche.
Wer sich weigerte seiner Treuepflicht gegenüber dieser Anordnung nachzukommen, kam ins Gefängnis, wurde gefoltert und sogar ermordet.
Der jetzige spirituelle Führer der UBCV und Nobelpreiskandidat, Thich Quang Do, hat die letzten 26 Jahre in Vietnam unter Hausarrest verbracht.
Sein Kampf begann vor Jahren, als er als junger Mönch die Exekution seines buddhistischen Lehrers durch die Kommunisten mit-erlebte.
Weil sie als Gegner der kommunistischen Ideologie eingestuft werden, sind Do und seine buddhistischen Landsleute das Ziel von Verfolgung innerhalb und außerhalb Vietnams.
Nur Tage nachdem Mönche Hanois Politik der religiösen Unterdrückung in einem buddhistischen Tempel in Westaustralien angeprangert hatten, wurden buddhistische Statuen geköpft. Der Vorfall ereignete sich im Oktober und November 2009. Die erste Schändung ereignete sich, nachdem das Oberhaupt der Mönche im Tempel, der die UBCV in Australien repräsentiert, eine buddhistische Konferenz in Los Angeles besucht hatte, wo er die Entschlossenheit ankündigte, Hanois Pläne zu verhindern.
Die zweite Schändung ereignete sich, nachdem derselbe Mönch eine Delegation von UBCV-Vertriebenen finanziert hatte, um sich mit Mitgliedern der australischen Regierung im Parliament House in Canberra zu treffen. Die Versammlung wurde organisiert, um die Regierung in Vorbereitung auf den australisch-vietnamesischen Menschenrechtsdialog, der im Dezember stattfinden sollte, über Hanois religiöse Verfolgung aufzuklären.
Deshalb wurden die Köpfungen eindeutig als Warnung an die australischen Buddhisten verstanden. Für Hanoi sind die Auswirkungen der Äußerungen der Buddhisten zu den Menschenrechtsverletzungen geopolitisch, denn ihr autoritäres Regime gerät zunehmend unter internationalen Druck, mit dem Ziel die religiöse Verfolgung einzustellen.
In den Vereinigten Staaten erklärte das Außenministerium Vietnam im Jahr 2004 zum ersten Mal zu einem „Land von besonderer Besorgnis" (CPC - Country of Particular Concern), das auf der offiziellen Liste der Nationen steht, die entsetzliche religiöse Verfolgung betreiben. Auf dieser Liste zu stehen, kann auch wirtschaftliche Sanktionen zur Folge haben, weil Hanoi entschlossen ist, sich zu keiner Kritik zu äußern.
Hanoi und Washington erzielten jedoch im Jahr 2006 eine Einigung über Reformen, wobei Vietnam von der CPC-Liste gestrichen werden sollte.
Vietnam wurde tatsächlich von der CPC-Liste gestrichen, führte aber trotzdem nie die versprochenen Reformen durch.
Tatsächlich verstärkte Vietnam noch die Verfolgung, weswegen die Menschenrechtsgesellschaft Human Rights Watch dem Land vorwarf „seit 20 Jahren in schlimmster Weise gegen friedliche Dissidenten vorzugehen".
Seitdem stoßen Aufrufe wie jener der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit, Vietnam wieder auf die CPC-Liste zu setzen, auf taube Ohren. Heute hat Vietnam bloß seine Sicherheitskräften dazu angewiesen, verdecktere Methoden der religiösen Verfolgung anzuwenden.
Diese verdeckten Methoden umfassen die Verbreitung sogenannter „legaler" Kirchen, während die „illegalen" Kirchen verfolgt werden, die sich weigern sich der Kontrolle durch die Kommunisten zu unterwerfen. Religiöse Gruppen in Vietnam - Buddhisten, Montagnard- und Hmong-Christen, Katholiken, Hoa Hao, Cai Dai-Sekten und andere Dissidenten wie Befürworter der Demokratie, Journalisten und Blogger - leiden alle unter den gleichen Unterdrückungsmaßnahmen.
Hanoi verfolgt eine „Teile und Herrsche"-Politik, die auch die Unterwanderung ausländischer Dissidentengruppen umfasst.
Hanois geheime Politik-Richtlinien
Es ist unglaublich, wie sehr die schriftlich vorliegenden Richtlinien Hanois die Politik der Verfolgung beweisen. Das in Paris ansässige Internationale Buddhistische Informationsbüro hat die geheimen Richtlinien aufgedeckt, die Hanois Absicht aufzeigen ausländische Dissidenten anzugreifen. Der Auslandssprecher des UBCV, Vo Van Ai, bezeugte diese Tatsache sogar vor dem US-Kongress. In seiner Rede vor dem US-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten im Juni 2005 erwähnte er Hanois ausdrückliche Anordnungen an die Sicherheitskräfte „die buddhistische An Quang-Kirche ein für allemal auszulöschen".
Die „buddhistische An Quang-Kirche" ist Hanois Name für die UBCV, und die geheimen Richtlinien, die vom Wissenschaftsinstitut für öffentliche Sicherheit in Hanoi stammen, heißen „Über Religionen und den Kampf gegen Aktivitäten zur Ausbreitung der Religion - Internes Dokument zum Studium und zur Verbreitung bei den Sicherheitsdiensten des Volkes."
Penelope Faulkner, eine langjährige Aktivistin beim Internationalen Buddhistischen Informationsbüro, spricht darüber, dass die geheime Richtlinie Parteikader und Sicherheitsagenten anweist UBCV-Führer auf allen Ebenen zu „bekämpfen, zu unterdrücken, zu isolieren und zu spalten." Sie stellt fest, dass „diese Richtlinien das Training für Spezialagenten bestimmen, um die UBCV zu unterwandern. Es sollen nicht nur Erkenntnisse über die UBCV gesammelt und über ihre Aktivitäten berichtet werden, sondern man will auch Spaltungen und Uneinigkeiten bei ihnen hervorrufen, wodurch die UBCV von innen ausgehöhlt wird."
Laut Faulkner haben diese „Spezialagenten" ihre Tätigkeit auf das Ausland ausgedehnt, wobei Australien zum Testfall für ihre Strategie werden soll.
Australien - Der Testfall
Faulkner meint, dass Hanoi Regierungs-„Fronten" gebildet hat, um ausländische religiöse Gruppen und Demokratieaktivisten zu unterwandern, und Hunderte von „staatlich finanzierten" Mönchen nach Australien und in die Vereinigten Staaten geschickt hat.
Die wichtigste, die jetzt die UBCV angreift, wurde in Sydney in Australien am 1. Januar 2009 gebildet. Diese „Front" läuft unter dem Namen „Trans-continental Unified Buddhist Church of Vietnam" (Transkontinentale Vereinigte Buddhistische Kirche von Vietnam).
Faulkner sagte, der Trick mit diesen Fronten besteht nicht darin, den Kommunismus offen zu fördern, sondern darin, den Buddhisten zu sagen, sie sollten sich nicht in die Politik einmischen und nicht an der Bewegung für religiöse Freiheit und Menschenrechte beteiligen, sondern einfach nur beim Beten bleiben und Geld nach Vietnam schicken.
Sie hat auch keinen Zweifel daran, dass Hanoi in die Bedrohung ausländischer Buddhisten verwickelt ist und nennt die geheime Richtlinie, die die vietnamesischen Behörden anweist „vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass westliche Länder Untersuchungen über Menschenrechtsverletzungen in Vietnam anstellen".
Die Richtlinie stellt klar: „Wir bitten das Politbüro dringend, die Aktivitäten zwischen den Abteilungen der Vietnamesischen Kommunistischen Partei für Propaganda, Mobilisierung, innere Angelegenheiten, äußere Angelegenheiten, religiöse Angelegenheiten und Auslandsvietnamesen zu koordinieren, damit sie in dieser Verfahrensweise zusammenarbeiten."
Ein Mitglied dieser „transkontinentalen UBCV", ein vietnamesischer Mönch aus Sidney, sprach am 26. November 2006 vor dem Parliament House in Canberra zu über einem Dutzend hochrangiger vietnamesischer Sicherheitsoffiziere. Es war der gleiche Tag, an dem die Auslandsdelegation der UBCV die australische Regierung traf.
Einige Tage später wurde der Tempel der UBCV in Westaustralien entweiht.
Faulkner war bei der UBCV-Delegation dabei. Sie meint, dass diese Sicherheitsoffiziere wahrscheinlich aus diplomatischen Gründen das australische Parlament besuchten, und hat keinen Zweifel daran, dass sie ihre Chefs in Hanoi darüber informierten, sie im Parliament House zu treffen.
Sie ist sich auch sicher, dass die Entweihung des Tempels in Westaustralien kein Zufall war.
Im Januar 2010 reiste die Reporterin zum buddhistischen Tempel in Perth in Westaustralien und sprach mit dem leitenden Mönch, Thich Phuoc Nhon. Er trug den Kopf einer der enthaupteten Statuen in seinen Händen und sagte, Hanoi versuchte schon lange, seine Kirche auszulöschen. Er sagte auch, er hätte 2009 per Post einen anonymen Briefumschlag mit Gold und Silber mit einer „Beerdigungsanzeige" bekommen, was einer alten Tradition entspräche und wofür es nur eine Erklärung geben würde: es war seiner Meinung nach eine „Todesdrohung".
Mitglieder seiner Kirche in Sydney and Melbourne hätten auch telefonische Drohungen erhalten.
Nhon sagt, die Statue wird repariert werden.
Zum Autor
Scott Johnson ist ein Rechtsanwalt, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist, der sich auf Themen in Südostasien spezialisiert hat.
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