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Kanzlei will Schadenersatz für Transrapid-Opfer fordern

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26.09.2006

Der Oberbürgermeister von München, Christian Ude. (AP Photo/Roberto Pfeil) ** zu APD1128 **
Der Oberbürgermeister von München, Christian Ude. (AP Photo/Roberto Pfeil) ** zu APD1128 **

Lathen - Nach dem Transrapid-Unfall mit 23 Toten im Emsland kommen auf die Betreibergesellschaft und andere beteiligte Firmen möglicherweise Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zu. Eine Berliner Anwaltskanzlei will für Opfer und Hinterbliebene Schadenersatz und Schmerzensgeld erstreiten, wie am Dienstag bestätigt wurde. Die Polizei vernahm unterdessen erste Zeugen zu dem Unglück vom Freitag.

Der Jurist Stephan Meyer von der Berliner Kanzlei Simon und Partner sagte, er rechne mit einer Gesamtschuldnerschaft mehrerer Verantwortlicher. Er nannte die Betreibergesellschaft, das Inhaberkonsortium und unter Umständen auch den TÜV. Man gehe derzeit davon aus, dass der erforderliche Sicherheitsstandard auf der Versuchsstrecke nicht bestand.

Die Kanzlei will laut Meyer eigene Untersuchungen anstrengen und voraussichtlich ein eigenes Gutachten zum Unglückshergang einholen. Zu fragen sei, was und wann überhaupt in Sicherheitsvorkehrungen investiert wurde. Eine weitere Frage sei, wie der Kenntnisstand in Deutschland über die notwendigen Vorkehrungen gewesen sei.

Wie viele Opfer und Angehörige die Kanzlei vertritt, sagte Meyer nicht. Ein Kollege habe um Übernahme weiterer Mandate gebeten. Die finanzielle Größenordnung der Forderung sei auch noch unklar. Die Forderungen müssten noch berechnet werden.

Schon bei einem Entschädigungsbetrag von nur 50.000 Euro pro Todesopfer käme rechnerisch eine Millionenforderung zu Stande.

Funkverkehr wird ausgewertet

Zur Aufklärung des Transrapid-Unglücks auf der Teststrecke im Emsland vom vergangenen Freitag befragte die Polizei erste Zeugen. Weitere Vernehmungen seien geplant, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. Wichtige Hinweise erhoffen sich die Ermittler zudem von der Auswertung des Funkverkehrs. Wann damit begonnen werden könne, sei aber unklar. Zunächst müsse ein Gerät zur Datensicherung beschafft werden. Der Funk sei nicht digital, sondern auf einen Kassettenband gespeichert, begründete Retemeyer die Verzögerungen

Zu dem ökumenischen Trauergottesdienst für die Opfer des Unglücks am (morgigen) Mittwochvormittag in Lathen wird auch Bundespräsident Horst Köhler erwartet. Wie ein Vertreter des Landkreises am Dienstag weiter mitteilte, sollen Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke für die Evangelische Kirche und Bischof Franz-Josef Bode für die Katholiken die Andacht halten. Auf der Rednerliste steht auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff.

Die verkehrspolitische Zukunft des Transrapid ist ungewiss. Auf Messers Schneide steht vor allem der Bau der geplanten Münchner Flughafenstrecke. Oberbürgermeister Christian Ude, der das Projekt bereits wegen der hohen Kosten ablehnt, macht jetzt auch massive Sicherheitsbedenken geltend.

Ude sagte in Interviews der «Frankfurter Rundschau» und der Tageszeitung «Die Welt», er sehe das Sicherheitsproblem des in München geplanten Transrapid längst nicht gelöst. Besonders die Streckenführung in einem drei Kilometer langen Tunnel werfe viele Fragen auf und sei eine absolute Extremsituation: «Wir haben hier nach den Rettungsmöglichkeiten, nach dem Bergungskonzept gefragt, aber keine befriedigenden Antworten bekommen.»

Dagegen hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zuletzt am Montag seinen Willen bekräftigt, an der geplanten Verbindung zwischen Münchner Hauptbahnhof und Flughafen festzuhalten.

(AP)

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