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Betrieb auf Transrapid-Teststrecke soll weitergehen

DAPD

26.09.2006

Der Oberbürgermeister von München, Christian Ude. (AP Photo/Roberto Pfeil)
Der Oberbürgermeister von München, Christian Ude. (AP Photo/Roberto Pfeil)

Lathen - Trotz der bislang ungeklärten Ursache für den Transrapid-Unfall vom vergangenen Freitag will die Betreibergesellschaft IABG die Teststrecke offenbar wieder in Betrieb nehmen. Das Nachfolgemodell des verunglückten Zuges werde im April 2007 auf die Teststrecke gesetzt und getestet, sagte der Landrat des Landkreises Emsland, Hermann Bröring, am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. Das habe ihm das Unternehmen mitgeteilt. Die IABG war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach dem Unfall mit 23 Toten im Emsland kommen auf die Betreibergesellschaft und andere beteiligte Firmen möglicherweise Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zu. Eine Berliner Anwaltskanzlei will für Opfer und Hinterbliebene Schadenersatz und Schmerzensgeld erstreiten, wie am Dienstag bestätigt wurde. Die Polizei vernahm unterdessen erste Zeugen zu dem Unglück.

Der Jurist Stephan Meyer von der Berliner Kanzlei Simon und Partner sagte, er rechne mit einer Gesamtschuldnerschaft mehrerer Verantwortlicher. Er nannte die Betreibergesellschaft, das Inhaberkonsortium und unter Umständen auch den TÜV. Man gehe derzeit davon aus, dass der erforderliche Sicherheitsstandard auf der Versuchsstrecke nicht bestand.

Die Kanzlei will laut Meyer eigene Untersuchungen anstrengen und voraussichtlich ein eigenes Gutachten zum Unglückshergang einholen. Zu fragen sei, was und wann überhaupt in Sicherheitsvorkehrungen investiert wurde. Eine weitere Frage sei, wie der Kenntnisstand in Deutschland über die notwendigen Vorkehrungen gewesen sei.

Wie viele Opfer und Angehörige die Kanzlei vertritt, sagte Meyer nicht. Ein Kollege habe um Übernahme weiterer Mandate gebeten. Die finanzielle Größenordnung der Forderung sei auch noch unklar. Die Forderungen müssten noch berechnet werden.

Schon bei einem Entschädigungsbetrag von nur 50.000 Euro pro Todesopfer käme rechnerisch eine Millionenforderung zu Stande.

Laut Landrat Bröring soll der Zug der neuen Transrapid-Generation TR09 in München und China zum Einsatz kommen. Er begrüßte die Ankündigung der IABG ausdrücklich. Die Teststrecke sei ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, sagte der emsländische Verwaltungschef. Insgesamt hingen rund 300 zum Teil hoch qualifizierte Arbeitsplätze von der Versuchsanlage ab.

Funkverkehr wird ausgewertet

Zur Aufklärung des Transrapid-Unglücks auf der Teststrecke im Emsland vom vergangenen Freitag befragte die Polizei erste Zeugen. Weitere Vernehmungen seien geplant, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. Wichtige Hinweise erhoffen sich die Ermittler zudem von der Auswertung des Funkverkehrs. Wann damit begonnen werden könne, sei aber unklar. Zunächst müsse ein Gerät zur Datensicherung beschafft werden. Der Funk sei nicht digital, sondern auf einen Kassettenband gespeichert, begründete Retemeyer die Verzögerungen.

Zu einem ökumenischen Trauergottesdienst für die Opfer des Unglücks am (morgigen) Mittwochvormittag in Lathen wird auch Bundespräsident Horst Köhler erwartet. Wie ein Vertreter des Landkreises am Dienstag weiter mitteilte, sollen Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke für die Evangelische Kirche und Bischof Franz-Josef Bode für die Katholiken die Andacht halten. Auf der Rednerliste steht auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff.

(AP)

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