Menschen & Meinungen – Ehemaliger US-Außenminister Haig gestorben – Anne Gearan
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Folgen einer Infektion Ehemaliger US-Außenminister Haig gestorben

Anne Gearan

21.02.2010

Foto: AP Photo/Joe Marquette, File

Foto: AP Photo/Joe Marquette, File

Washington (apn) Der frühere US-Außenminister Alexander Haig, einst einer der einflussreichsten und umstrittensten Politiker in Washington, ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Vier-Sterne-General diente unter den Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und Ronald Reagan. Von 1974 bis 1979 war er NATO-Oberbefehlshaber in Europa; wenige Tage vor seiner Rückkehr in die USA entging er in Belgien knapp einem Sprengstoffanschlag einer unbekannten Terrorgruppe.

Haig starb nach Angaben seiner Kinder im Kreis seiner Familie im Johns-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore. Demnach erlag er Komplikationen nach einer Infektion.

Haig wurde am 2. Dezember 1924 in Philadelphia geboren und träumte schon als Junge von einer Militärkarriere. Ein Onkel mit Kontakten zum Kongress verschaffte ihm 1943 einen Platz an der Militärakademie West Point. Als Offizier nahm er an den Kriegen in Korea und Vietnam teil. Seine politische Karriere begann 1969, als der damalige Sicherheitsberater Henry Kissinger ihn zu seinem militärischen Assistenten machte. Haig habe sich schnell „unentbehrlich“ gemacht, schrieb Kissinger später über seinen Schützling.

„Graue Eminenz“ während der Watergate-Affäre

Unter Präsident Nixon wurde Haig 1972 vom Zwei- zum Vier-Sterne-General befördert. Ein Jahr später, inmitten des Watergate-Skandals, war Haig Nixons rechte Hand. In dieser turbulenten Zeit ernannte Nixon Haig zum Stabschef im Weißen Haus.

Haig beriet den Präsidenten 1973 bei seiner Verteidigung im drohenden Amtsenthebungsverfahren – dazu kam es wegen Nixons Rücktritt 1974 nicht mehr. Haig soll als „graue Eminenz“ in dieser Zeit die Amtsgeschäfte fast allein geführt haben. Er soll es auch gewesen sein, der Nixon schließlich von der Notwendigkeit des Rücktritts überzeugte – um nicht als erster Präsident in die US-Geschichte einzugehen, der seines Amtes enthoben wird.

Haig gilt als treibende Kraft für die Entscheidung von Nixons Nachfolger Gerald Ford, seinen Vorgänger für alle während seiner Amtszeit begangenen Straftaten zu begnadigen. Es gilt als sicher, dass dies Fords Niederlage gegen den demokratischen Kandidaten Jimmy Carter bei der Präsidentenwahl 1976 besiegelte. Ford schob Haig nach seinem Amtsantritt 1974 als NATO-Oberbefehlshaber nach Europa ab – offenbar, um ihn aus der amerikanischen Innenpolitik zu entfernen.

In Europa wurde Haig skeptisch empfangen, erwarb sich aber mit seinem Verständnis für die Belange der europäischen NATO-Partner Respekt. Seine Amtszeit auf dem im Kalten Krieg zentralen Posten wurde zweimal verlängert. Kurz vor seinem Abschied 1979 wurde in Belgien ein Attentat auf Haig verübt, dessen Urheberschaft nicht endgültig geklärt ist. Für den Anschlag wurde unter anderem die RAF-Terroristin Sieglinde Hofmann verantwortlich gemacht.

Machtverlust unter Reagan

Nach Reagans Wahlsieg wurde Haig 1981 Außenminister. Nach nur 17 Monaten trat er 1982 zurück: Interne Machtkämpfe und eine ungeschickte Äußerung nach dem Attentat auf Reagan 1981 hatten seine Position im engsten Washingtoner Zirkel untergraben. Vor allem vom damaligen Vizepräsidenten George Bush wurde Haig verübelt, dass er Stunden nach den Schüssen auf Reagan in Washington erklärte: „Von nun an habe ich bis zur Rückkehr des Vizepräsidenten die Kontrolle im Weißen Haus.“ Bush war zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg von Texas nach Washington. Haigs Äußerung wurde von einigen in der Hauptstadt als unzulässiger Griff nach der Macht kritisiert.

Haigs Verstrickung in den Watergate-Skandal um Nixon dürfte seinem großen politischen Ziel, selbst einmal US-Präsident zu werden, geschadet haben. 1988 wollte er republikanischer Präsidentschaftskandidat werden: Er sah sich selbst als „Dark Horse“, als Außenseiter. Noch vor der ersten Vorwahl in New Hampshire gab er auf.

Jahrelang wurde in Washington spekuliert, Haig sei die ominöse Figur mit dem Decknamen „Deep Throat“ gewesen, die die „Washington Post“-Redakteure Bob Woodward und Carl Bernstein mit wichtigen Details über den Watergate-Skandal versorgt habe. Haig dementierte das, schließlich wurde der FBI-Agent Mark Felt als „Deep Throat“ enttarnt.

Ungeachtet seines Scheiterns als Außenminister wurde Haig am Wochenende von Vertretern sowohl seiner eigenen Republikanischen Partei als auch der Demokraten als großer Politiker gewürdigt. Sein Nachfolger im Außenministerium, George P. Shultz, nannte Haig einen echten Patrioten: „Er war stets bereit, seinem Amt zu dienen. US-Präsident Barack Obama würdigte Haig als „großen Amerikaner“. (AP)

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