Fernreisen - Die Welt entdecken – Indien: Der Ganges in Varanasi – Bernd Kregel / Gastautor
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Lieblingsplätze Indien: Der Ganges in Varanasi

Bernd Kregel / Gastautor

24.02.2010

Foto: Bernd Kregel

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Orte, an denen die Seele baumelt

Das Wichtigste am Fahrzeug ist die Hupe. Sie regelt die Vorfahrt, warnt respektlose Fußgänger und verscheucht wiederkäuende Kühe. Zusammen ergeben alle Hupen der Stadt Varanasi einen quäkenden Dauerton, an den sich jeder schnell gewöhnt. So bahnt sich die kleine Motorrikscha mühsam aber wendig ihren Weg durch die engen Gassen hinunter zu den Ghats, den Ufertreppen des Ganges. Die Fahrt wird zu einem Wettlauf mit der aufgehenden Sonne.

Geschafft! Noch liegen die Steinstufen im Halbdunkel, und Nebelschwaden kräuseln sich über dem behäbig dahin gleitenden Strom. Der Duft qualmender Räucherstäbchen aus Tempeln und Schreinen mischt sich mit dem Morgendunst. Hier und da ertönt helles Glockengeläut. Kaum habe ich an der Schiffsanlegestelle noch einen der letzten Bootsplätze erhascht, schiebt sich die glutrote Sonnenscheibe majestätisch über den östlichen Horizont. Grell spiegelt sie sich auf der nur leicht bewegten Oberfläche des Flusses.

Foto: Bernd Kregel

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Kaum hat das Licht der aufgehenden Sonne die Farben der Paläste und Tempel in leuchtendes Safrangelb verwandelt, steigen zarte Inderinnen in ihren Saris die Stufen hinab. Dreimal benetzen sie ihren Körper mit dem heiligen Wasser und lassen seine besondere Energie auf sich einwirken. Als Dank an „Mutter Ganga" setzen sie mit Öllämpchen bestückte Blumengirlanden auf die Wasseroberfläche und schauen ihnen versonnen nach, bis sie langsam in der Ferne verschwinden.

Die heiligen Männer am Ufer, Sadhus genannt, tun es ihnen gleich. Der Sonne zugewandt und in sich gekehrt rufen sie Gott Shiva an, dem diese Stadt geweiht ist. Dabei gießen sie sich aus kleinen Messingschalen heiliges Wasser über ihre zerzausten Haare, die schon lange Zeit keine Schere mehr gesehen haben. Für diese Gläubigen erfüllt sich hier nach langer entbehrungsreicher Wanderschaft ein Lebenstraum. In gemeinsamem Gesang bringen sie ihre Begeisterung zum Ausdruck. Denn wer Mutter Ganga berührt, den reinigt sie auch heute von seinen Sünden und gibt ihm neue Hoffnung für sein nächstes Leben. Fürwahr ein heiliger Ort, der zu langem Verweilen einlädt!

 

Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.

In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.

 
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