Geschichte - Erkenntnisse und Fakten – Mittelalterliches Bischofsgrab geöffnet – Annette Schneider-Solis
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Ausgrabungen Mittelalterliches Bischofsgrab geöffnet

Annette Schneider-Solis

24.02.2010

Bei den ausgesprochen gut erhaltenen sterblichen Überresten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den 1192 gestorbenen Erzbischof Wichmann von Seeburg. Foto: Eckehard Schulz/AP Photo
Bei den ausgesprochen gut erhaltenen sterblichen Überresten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den 1192 gestorbenen Erzbischof Wichmann von Seeburg.

Foto: Eckehard Schulz/AP Photo

Magdeburg (apn) Neuer spektakulärer Fund bei Grabungen im Magdeburger Dom: Archäologen haben das Grab eines Erzbischofs aus dem 12. Jahrhundert geöffnet. Bei den ausgesprochen gut erhaltenen sterblichen Überresten handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den 1192 gestorbenen Erzbischof Wichmann von Seeburg, wie Landesarchäologe Harald Meller am Mittwoch in Magdeburg berichtete.

Der Erzbischof war einer der bedeutendsten Kirchenfürsten seiner Zeit. Als enger Vertrauter Kaiser Friedrichs I. Barbarossa nahm er an zwei Feldzügen gegen die Polen teil. Eine wichtige Rolle spielte er bei der Kolonisierung Brandenburgs und bei den Verhandlungen zum Frieden von Venedig 1177 zwischen Barbarossa und Papst Alexander III..

In der Vergangenheit wurden nur einige wenige bischöfliche oder gar erzbischöfliche Gräber professionell geöffnet. „Das macht den Fund so besonders“, sagte Meller. Neben dem Toten wurden in dem für das 11. und 12. Jahrhundert typischen Kopfnischengrab sehr gut erhaltene Beigaben entdeckt: eine Mitra aus golddurchwirktem Brokat, die vermutlich aus Palermo stammt, ein feuervergoldeter Silberkelch, ein erzbischöflicher Ring, Handschuhe, Kussmedaillon, goldverzierte Schuhe und ein hölzerner Bischofsstab.

Kleiner Stoffbeutel mit Metallplatte noch nicht geborgen

„Noch nicht geborgen haben wir einen kleinen Stoffbeutel mit einer Metallplatte. Vermutlich handelt es sich dabei um die Autentik, so dass wir selbst ohne naturwissenschaftliche Untersuchungen ganz sicher sagen können, wer der Tote ist“, vermutet Meller.

Bislang gehen die Wissenschaftler nach dem Ausschlussverfahren vor. Sicher ist, dass das Grab bereits im Vorgängerbau des Magdeburger Doms angelegt wurde. Das ist anhand der anderen Achslage eindeutig zu bestimmen. Dieser Vorgängerbau wurde 1207 zerstört. Bis dahin wirkten in Magdeburg 18 Erzbischöfe. Bei einigen ist der Bestattungsort bekanntermaßen an anderer Stelle, so dass nur Konrad von Querfurt, Friedrich von Wettin und Wichmann von Seeburg infrage kommen.

„Für Wichmann spricht zum einen die Lage des Grabes“, erklärt Grabungsleiter Rainer Kuhn. Es befindet sich an exponierter Stelle in der Mittelachse des Vorgängerbaus. Dort soll sich auch schriftlichen Überlieferungen zufolge die letzte Ruhestätte von Erzbischof Wichmann befunden haben. Das jetzt erstmals geöffnete Grab wurde 1207 nach der Zerstörung des Vorgängerbaus nicht umgebettet – möglicherweise aus Respekt vor dem erst fünfzehn Jahre zuvor Verstorbenen.

„Schließlich gibt es große Ähnlichkeiten des Toten mit der Darstellung auf seiner Grabplatte, die sich an anderer Stelle im Dom befindet“, sagte Kuhn. So trägt der Tote den Ring und den Bischofsstab an derselben Hand wie auf der Darstellung. Da es sich bei dem Verstorbenen ganz offensichtlich um einen großen und auch alten Menschen handelt, verdichten sich die Hinweise auf Wichmann: „Er war 1,85 Meter groß und 80 Jahre alt.“

Die Bergung des Grabes erfolgte ausgesprochen vorsichtig. „Bei einer Kamerabefahrung im vorigen Jahr haben wir gesehen, dass sowohl Textilien als auch Knochen und Holz sehr gut erhalten sind“, sagte Meller: „Daraufhin haben wir eine Bergungsstrategie entworfen.“

Würdevolle Wiederbestattung geplant

So wurde über dem Grab ein Klimacontainer errichtet, der nur in Schutzkleidung betreten werden darf, um den wertvollen Fund nicht zu kontaminieren. Die sterblichen Überreste werden in den nächsten Tagen wie die des Otto von Hessen, der im Grab daneben gefunden worden war, in einen mit Stickstoff gefüllten Sarg umgebettet, wo sie naturwissenschaftlich untersucht werden.

Anschließend soll der Erzbischof würdevoll an seinem alten Platz wiederbestattet werden. Die Grab-Beigaben werden restauriert und sollen in einem Dommuseum gezeigt werden, das in unmittelbarer Nähe der Kathedrale entstehen soll. „Dieser spektakuläre Textilfund dürfte zum Besten gehören, was es in Deutschland gibt“, urteilte Kuhn.

Bei den Magdeburger Domgrabungen wurden seit 2006 immer wieder spektakuläre Entdeckungen gemacht. Zuletzt war im vergangenen Jahr ein Bleisarg geborgen worden, der mit großer Wahrscheinlichkeit die Gebeine der Königin Editha (910-946) enthält. (AP)

 
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