Medizin – „Placebo-Effekte sind Teil der medizinischen Routine“ – DAPD
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Schmerztherapie „Placebo-Effekte sind Teil der medizinischen Routine“

DAPD

26.02.2010

London (apn) Für manche zeigt er die Macht der Einbildung, für andere belegt er die außerordentlichen Selbstheilungskräfte des Körpers – der Placebo-Effekt. Dabei beschreibt der Begriff weniger eine einzelne Wirkung, wie der Schmerzforscher Damien Finniss von der Universität Sydney betont. Vielmehr seien ganz unterschiedliche Mechanismen an diesem Effekt beteiligt.

So tragen aus psychologischer Sicht vor allem die Erwartungshaltung eines Patienten als auch der Wunsch nach Besserung zur Wirkung von Therapien bei. Den komplexen neurologischen Hintergrund veranschaulichen Studien aus der Schmerzforschung: Erfährt ein Schmerzpatient anfangs Linderung durch ein Opiat und wird das Medikament dann durch ein Placebo ersetzt, so entfaltet dieses seine Wirkung durch körpereigene Opioide. Bekommt der Patient dagegen anfangs ein anderes Schmerzmittel, so wirkt ein später gegebenes Scheinpräparat über andere Bahnen.

Vor allem betont Finniss in der Zeitschrift „The Lancet“, dass der Placebo-Effekt nicht nur in Verbindung mit Scheintherapien auftritt, sondern ständig in der Medizin präsent ist. Dies zeigt eine Studie an Patienten, die ein – echtes – Medikament entweder computergesteuert über eine Pumpe bekamen oder aber das Mittel in gleicher Dosis von einem Arzt erhielten. Darin half das von dem Mediziner verabreichte Mittel besser. „Man braucht kein Placebo für den Placebo-Effekt“, betont Finniss. „Placebo-Effekte sind Teil der täglichen medizinischen Routine und werden möglicherweise jedes Mal aktiv, wenn sich ein Patient in eine therapeutische Situation begibt.“

Die dazu beitragenden Faktoren könne man gezielt einsetzen, um den Effekt einer Behandlung zu verstärken, betont Finniss. Dagegen warnt er eindringlich davor, Menschen mit Placebo-Pillen zu behandeln. Dies gefährde das Vertrauen des Patienten zum Arzt und bedrohe damit einen zentralen Punkt der Therapie.

(Quelle: „The Lancet“, Vol. 375, S. 686-695) (AP)

 

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