Energie – Kauder fordert Ende der Debatte um Akw-Laufzeiten – Stephan Köhnlein
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CSU attackiert Röttgen Kauder fordert Ende der Debatte um Akw-Laufzeiten

Stephan Köhnlein

28.02.2010

Die Photovoltaik-Anlage des Technologie- und Tagungszentrums in Marburg. Umweltminister Markus Söder: „Man kann nicht gleichzeitig überstürzt aus der Solarförderung und der Kernkraft aussteigen." Foto: AP Photo/Daniel Roland
Die Photovoltaik-Anlage des Technologie- und Tagungszentrums in Marburg. Umweltminister Markus Söder: „Man kann nicht gleichzeitig überstürzt aus der Solarförderung und der Kernkraft aussteigen."

Foto: AP Photo/Daniel Roland

Frankfurt/Main (apn) Wegen des Termins für den Atomausstieg gibt es in der Union weiter Streit. Mehrere CSU-Politiker griffen am Wochenende Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) scharf an, weil er sich für einen Ausstieg bis zum Jahr 2030 ausgesprochen hatte. Kanzlerin Angela Merkel will sich weiter nicht festlegen, wie lange die Atomkraftwerke am Netz bleiben. Sie verwies darauf, dass die Bundesregierung im September ihr energiepolitisches Gesamtkonzept vorlegen werde. Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte bis dahin ein Ende der Laufzeit-Debatte.

Merkel sagte in der ARD, erst im Herbst seien die entsprechenden Szenarien fertig. Deutschland brauche eine sichere Energieversorgung, sei aber auch Weltmarktführer bei der erneuerbaren Energie. „Wir brauchen also bezahlbare Energie, umweltfreundliche Energie, und wir brauchen Energiesicherheit für unsere Unternehmen und die Bevölkerung.“ Man könne allerdings schon jetzt sagen, dass die Laufzeiten wohl noch über das Jahr 2020 hinaus dauern würden. Das Jahr wurde zu Zeiten der rot-grünen Koalition als endgültiges Ausstiegsdatum festgelegt.

Kritik an Röttgen kam vom bayerischen Umweltminister Markus Söder: „Mich besorgt, dass der Bundesumweltminister offenbar kein durchgerechnetes energiepolitisches Konzept hat. Man kann nicht gleichzeitig überstürzt aus der Solarförderung und der Kernkraft aussteigen. Das ist kein Energieentwurf der Zukunft“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montagausgabe): „Die Debatte über einen Ausstieg aus der Kernenergie braucht dringend mehr Realismus. Ich kann die CDU nur vor ihrer Realitätsverweigerung bei diesem Thema warnen.“

Friedrich erklärte, man brauche derzeit „keine romantischen Ausstiegsszenarien, sondern das Bewusstsein dafür, dass Deutschland als Industrieland seine Kraft vor allem aus dem verarbeitenden Gewerbe bezieht, und dafür sind zuverlässige, sichere und bezahlbare Energieformen unverzichtbar“.

Fraktionschef Kauder forderte derweil ein Ende der Diskussionen. „Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Wie lange die Brücke sein müsse, werde die Bundesregierung in ihrem Konzept festlegen. „Bis dahin sollten sich alle mit Angaben über Laufzeiten von Atomkraftwerken zurückhalten.“

Brunsbüttel und Krümmel bleiben vorerst vom Netz

Derweil erklärte der Energiekonzern Vattenfall, er rechne nicht mehr damit, die beiden stillgelegten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel rasch wieder anfahren zu können. „Ich werde keinen Zeitpunkt dafür nennen. Aber möglicherweise wird das nicht mehr in diesem Jahr sein“, antwortete Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson der „Welt am Sonntag“. Stand der Dinge sei, dass man die beiden Anlagen auf höchstmöglichen Sicherheitsstandard bringen und dann wieder anfahren wolle.

Der Manager hält Atomenergie auf mittlere Sicht nicht für überflüssig. „Ich persönlich glaube, dass es in Deutschland zu einer Verlängerung der Laufzeiten der Atomanlagen kommen wird, denn das hilft bei der notwendigen Transformation des Energiesystems“, sagte Josefsson.

EnBW will Aus von Neckarwestheim I verzögern

Die eigentlich für Mai geplante Abschaltung des Atomreaktors Neckarwestheim I will der Betreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) wenigstens bis in den Herbst hinein hinauszögern. „Aktuell fahren wir den Block mit Minimallast. Dies führt dazu, dass sich die rechnerische Laufzeit von Neckarwestheim I mindestens bis in den Herbst hinein verlängert“, sagte EnBW-Chef Hans-Peter Villis der „WirtschaftsWoche“. Ob zur Verlängerung der Laufzeit Neckarwestheims Übertragungen von anderen Kraftwerken erfolgen, wollte Villis nicht ausschließen. (AP)

 

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