Kultur – Frankfurt im Dreivierteltakt – Bernd Kregel / Gastautor
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28. Opernball in der Alten Oper Frankfurt im Dreivierteltakt

Bernd Kregel / Gastautor

28.02.2010

Foto: Bernd Kregel

Foto: Bernd Kregel

Nein, eine Demo wie noch vor zwei Jahren habe es in diesem Jahr auch nicht ansatzweise gegeben. Opernball-Veranstalter Manfred Pasenau zeigt sich in kleinem Kreis erleichtert, als er sich nach Empfang und Begrüßung der mehr als 2.000 Gäste eine kurze Ruhepause gönnt. Um dann jedoch augenzwinkernd hinzuzufügen, dass der Opernball es aus diesem Grund damals sogar auf die Titelseite des Handelsblatts geschafft habe - worauf er in Zukunft aber lieber nicht bestehe.

Heute hingegen kann sich das Haus voll „dem Wahren, Schönen, Guten" zuwenden, das die prachtvolle Fassade in großen Lettern beschwört. Vor allem dem Schönen, da das Innere der Alten Oper sich mit 20.000 roten Rosen und einer zwanzig Meter großen Passionsblüte unter der Decke von seiner schönsten Seite zeigt.

Und auch dem Guten wird Genüge getan. In diesem Jahr als die Zusage, entstehende Überschüsse und eingehende Spenden auf das Konto von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen" zu überweisen. Als beste Botschafterin seines Anliegens hat er seine Frau Almaz Böhm hierher entsandt, die mit ihrer Anwesenheit dem großartigen humanitären Projekt auf charmante Weise Nachdruck verleiht.

Schauspielerin Daniela Ziegler im Gespräch mit Mario Adorf
Schauspielerin Daniela Ziegler im Gespräch mit Mario Adorf

Foto: Bernd Kregel

Genügend Raum bleibt natürlich auch für „die Schönen", besonders die in festliche Abendgarderobe gekleideten Damen, die sich vom Roten Teppich an dem Blitzlichtgewitter der Fotografen ausgesetzt sehen. Manche gern, manche weniger. Rot ist die angesagte Farbe des Abends, so will es das Protokoll. Viele halten sich daran und wetteifern an Schönheit mit den überall dekorierten roten Rosen.

So die Sängerin und Schauspielerin Dunja Rajter, in langer roter Robe mit einem entzückenden Dekolleté. Oder die Schauspielerin Daniela Ziegler, deren Tischnachbarschaft Mario Adorf in langen Gesprächen sichtlich genießt. Selbst Larry Hagman aus „Dallas", besser bekannt als J.R., hat es sich nicht nehmen lassen, in einem schwarzroten Umhang zu erscheinen, der ihm über seinem weißen Anzug zunächst - imagegerecht - ein leichtes diabolisches Aussehen verleiht.

So sind sie nun alle versammelt, die Honoratioren aus Politik, Wirtschaft und Banken, aus Publizistik Show und Kultur. Allen voran der hessische Ministerpräsident Roland Koch und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, die sich sicherlich darüber freuen dürften, dass „ihr" Opernball den Titel des „Deutschen Opernballs" in seinem Wappen trägt - wo immer es auch noch andere Opernbälle in Deutschland geben sollte.

Veranstalter und Gastgeber Manfred Pasenau
Veranstalter und Gastgeber Manfred Pasenau

Foto: Bernd Kregel

Und sie alle vertrauen sich Allegra Curtis an, der Tochter von Christine Kaufmann und Toni Curtis, die die Moderation des Bühnenprogramms übernommen hat. In dieser Funktion hat sie gleich zwei Höhepunkte anzusagen: zunächst „Adoro", das Quintett der fünf Tenöre, die nicht nur hervorragend singen, sondern denen die Frauen wegen ihres Aussehens normalerweise zu Füßen liegen. An diesem Abend bleibt es allerdings beim kräftigen und herzlichen Applaus.

Und später dann den Star des Abends, die Sängerin Bonnie Tyler, die mit ihrer verrucht-verrauchten Stimme auch noch den richtigen Ton trifft und damit bei den Zuhörern nostalgische Begeisterungsstürme heraufbeschwört. So erhält Allegra Curtis zum Dank einen riesigen Rosenstrauß von keinem Geringeren als dem Schauspieler Alain Delon, der in diesem Jahr die Schirmherrschaft über den Opernball übernommen hat.

Und Gastgeber Manfred Pasenau sieht es mit Genugtuung. Denn was ihm am Herzen liegt, so vertraut er seinen Gesprächspartnern mit leuchtenden Augen an, ist das Publikum. Das soll sich von Anfang bis Ende amüsieren, und dieses Ziel hat er, das zeigt das Stimmungsbarometer im Saal, auch klar erreicht. Und er selber, so gesteht er, bade im Lächeln seiner Gäste, das ihm bei seinen organisatorischen Rundgängen aus strahlenden Gesichtern zur Genüge entgegengebracht werde.

NRW-Ministerpräsident Roland Koch mit Naomi Kern, Ehefrau von Modemacher Otto Kern.
NRW-Ministerpräsident Roland Koch mit Naomi Kern, Ehefrau von Modemacher Otto Kern.

Foto: Bernd Kregel

So scheinen sich „Eleganz und Harmonie", so das Motto des heutigen Abends, auf der ganzen Linie durchzusetzen. Oder doch nicht so ganz? Jedenfalls sei bei bekannten Animositäten unter den Gästen eine entsprechende Sitzordnung immer noch die wirkungsvollste Stellschraube, um Schlimmeres zu verhindern. Namen? Glaubt wirklich jemand daran, ihm diese zu entlocken? Und ein Buch werde er auch nicht schreiben. Welch eine Zusage im Hinblick auf die angestrebte Harmonie!

Bleibt noch die Frage nach der Mengenlehre des Opernballs 2010: insgesamt 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 37 Nationen, inklusive Künstler, Tänzer, Techniker und Chauffeure. Dazu 9.000 Meter Kabel, 300 Scheinwerfer und eine riesige Videoprojektion im Großen Saal. Und nicht zuletzt ist die Alte Oper an diesem Tage Deutschlands größtes à la carte-Restaurant mit 800 Vorspeisen, 1.500 Hauptgängen und zahlreichen Desserts, von fünfzig Köchen in vier Küchen zubereitet.

Natürlich: Frankfurt ist nicht Wien. Doch dort hatte man viel länger Zeit zum Üben. Und überhaupt muss man doch froh sein, dass es diese glamouröse Tradition seit knapp drei Jahrzehnten überhaupt gibt! Wo doch damals „Dynamit-Rudi" Arndt, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, die Opernhausruine dem Erdboden gleich machen wollte. Ist bei diesen Rahmenbedingungen der Deutsche Opernball in Frankfurt nicht geradezu ein kleines Wunder?

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