Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
01.03.2010
Foto: Mel Evans//AP Photo
Darmstadt (apn) Milliardenzukauf in der Chemie- und Pharmabranche: Das Darmstädter Familienunternehmen Merck übernimmt für 5,3 Milliarden Euro die US-Biotechfirma Millipore. Wie der Konzern am Montag mitteilte, wurden den Eignern des US-Unternehmens 107 US-Dollar, 78,47 Euro, je Aktie in bar angeboten. Millipore ist ein Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für die Biowissenschaften und die biopharmazeutische Produktion.
Merck-Chef Karl-Ludwig Kley sprach von einem „Meilenstein in der Geschichte unseres Unternehmens“. So wie die Akquisition des Schweizer Biotechunternehmens Serono die Merck-Pharmasparte auf eine neue Grundlage gestellt habe, verändere der Kauf von Millipore die Merck-Chemiesparte grundlegend. Der Merck-Umsatz werde durch den Zukauf auf schätzungsweise rund 8,9 Milliarden Euro steigen.
Nach Unternehmensangaben erwirtschaftete das US-Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,7 Milliarden Dollar, 1,25 Milliarden Euro, und beschäftigte weltweit 6.000 Menschen. Durch den Zusammenschluss rechnet Merck innerhalb von drei Jahren mit jährlichen Synergieeffekten in Höhe von 75 Millionen Euro. Im Kaufpreis von 5,3 Milliarden Euro sind auch 800 Millionen US-Dollar, 588,56 Millionen Euro, Schulden von Millipore enthalten.
Die Integrationskosten bezifferte Merck auf 150 Millionen Euro, wovon die Hälfte jeweils in 2010 und 2011 anfallen soll. Kley bezeichnete die Übernahme als ein Geschäft „mit eingebauter Wachstumsgarantie“. Neben der Pharmasparte Serono und dem Geschäft mit Flüssigkristallen erhalte Merck einen dritten Wachstumstreiber. Das Darmstädter Familienunternehmen werde zu einem führenden Partner für Unternehmen im Biobereich weltweit.
Am Kapitalmarkt kam die Millipore-Akquisition zunächst nicht gut an, später drehte der Aktienkurs aber ins Plus. An der Frankfurter Börse sank der Wert des Merck-Papiers bis zum Mittag zunächst um 0,6 Prozent. Am Nachmittag stand ein Plus von 1,29 Prozent zu Buche.
„Die heutige Veröffentlichung ist das Ergebnis der Prüfung strategischer Alternativen“, sagte Millipore-Vorstandschef Martin Madaus. Mit der Übernahme durch Merck gewinne Millipore deutlich an Größe und Reichweite in der Biotech-Industrie. Nach Medienberichten wollte auch der US-Konkurrent Thermo Fisher Millipore übernehmen, wurde nun aber von Merck überboten.
Die Übernahme, der die Millipore-Hauptversammlung sowie die Kartellbehörden noch zustimmen müssen, soll aus vorhandenen Barbeständen, Bankdarlehen sowie Anleihen finanziert werden. Merck rechnet nach eigenen Angaben mit einem Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2010. (AP)
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