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04.03.2010
Rustenburg/Südafrika (apn) Als Entwicklungshelfer in Sachen Katastrophenschutz will der Leipziger Karl-Heinz Schneider partout nicht gesehen werden. „Was wir hier in Südafrika machen, passiert absolut auf Augenhöhe. Die Kollegen sind auf dem gleichen Level wie unsere Feuerwehrleute in Deutschland“, betont der 53-Jährige. Im normalen Leben führt er die Branddirektion der WM-2006-Gastgeberstadt Leipzig. Jetzt gibt er seine Erfahrungen mit diesem Riesenereignis in Südafrika weiter: „Ich mach' das gern, sehr gern“, sagt er.
Schulter an Schulter mit dem örtlichen Feuerwehr-Chef Ephraim Mfolwe sitzen Schneider und sein Ausbildungsleiter Mario Mischok in der kleinen Rustenburger Feuerwache. Gemeinsam brüten sie über Einsatz- und Dienstplänen für den Tag der Tage: den 12. Juni, wenn sich beim ersten WM-Spiel im Royal-Bakofeng-Stadion England und die USA gegenüberstehen werden. „Die Deutschen müssen nicht für uns planen“, betont Mfolwe. „Wir haben die Pläne erstellt, und die Deutschen beraten uns.“
Der Workshop, den die beiden Leipziger Experten für die örtlichen Firefighters abhalten, ist Teil eines Projekts der Arbeitsgemeinschaft deutscher Berufsfeuerwehren in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ – die Organisation, die die deutsche Entwicklungszusammenarbeit koordiniert.
Die Idee dahinter: Feuerwehrexperten aus den deutschen WM-Städten reisen ans Kap, um ihre südafrikanischen Kollegen bei der Vorbereitung zu unterstützen. Schließlich hat Südafrika noch nie ein Ereignis dieser Größenordnung stemmen müssen. Während Kollegen der Metropolen-Feuerwehren aus Berlin, Hamburg und München in den größten südafrikanischen Städten helfen, hat es die Leipziger auf das Highveld verschlagen, das ländliche, aber rohstoffreiche Hochplateau, auf dem die 120.000-Einwohner-Stadt Rustenburg liegt.
Sonst haben die Feuerwehrleute in dieser Gegend vor allem mit Buschbränden zu tun, größere Feuer gab es in Rustenburg schon länger nicht mehr. Trotzdem ist eine Verbundenheit zwischen den Brandbekämpfern aus der afrikanischen Provinz und denen aus der ostdeutschen Großstadt zu spüren. „Wir haben uns sofort verstanden“, sagt Schneider und erzählt davon, dass er schon bei den Mfolwes zum Essen eingeladen war. „Auch sonst ist die Kameradschaft beispielhaft.“
In den höchsten Tönen schwärmen die Leipziger von der örtlichen WM-Arena, in der fünf Vorrundenspiele und ein Achtelfinale ausgetragen werden. „Unter Sicherheitsgesichtspunkten ist dieser Bau wirklich optimal.“ So komme der 44.000 Zuschauer fassende und größtenteils offene Bau ganz ohne brennbare Materialien aus. „Selbst die Imbissküchen sind mit Elektro- statt mit Gasherden ausgestattet“, lobt Schneider, „perfekt“.
Das Worst-Case-Szenario der Rustenburger Feuerwehr ist daher kein Großbrand, sondern ein Terroranschlag: „Eine Explosion, die zu einem teilweisen Einsturz des Stadion-Oberrangs führen würde – mit 180 Toten, 180 Schwerstverletzten ohne Bewusstsein, 360 nicht gehfähigen Verletzten und Zehntausenden panischen Menschen.“
In diesem Fall müsste bei der – für deutsche Verhältnisse ziemlich kleinen – Rustenburger Feuerwehr schon jedes Rädchen ins andere greifen, damit das Schlimmste abgewendet werden könnte. „Deshalb habe ich die Kollegen davon überzeugt, dass sie unbedingt eine Großübung im Stadion machen müssen – mit allen Beteiligten“, berichtet Schneider. Auch die Idee, während der WM-Wochen auf ein Zwei-Schicht-System umzustellen, stammt von dem Leipziger. „So kriegen sie kurzfristig eine Verdopplung ihrer Mannschaftsstärke hin.“
Laut Ephraim Mfolwe, Feuerwehrchef in der dritten Generation, bringt die WM aber nicht nur eine höhere Arbeitsbelastung, sondern auch zusätzliche Personal und nagelneue Technik: „Bis vor kurzem hatten wir hier ein 38 Jahre altes Löschfahrzeug im Einsatz. Jetzt haben wir auf einen Schlag zwei neue Trucks und einen Gefahrguttransporter bekommen“, sagt er stolz.
Und wie sieht er das Risiko, dass während der WM etwas passiert? Kann er sich vorstellen, dass es hier in der Provinz einen Terrorangriff geben könnte, ausgerechnet im kleinsten der zehn WM-Stadien? Der Feuerwehrchef schüttelt den Kopf: „In den 33 Jahren, die ich jetzt bei der Feuerwehr bin, hatten wir hier noch nie etwa mit Terrorismus zu tun“, sagt er. Fügt dann aber noch hinzu: „Kein Land ist heutzutage völlig immun gegen Al Kaida und diese Leute. Also müssen wir bestens vorbereitet sein.“ (AP)
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