Städtereisen - Kulturreisen - Kurztripps – Mosaikhauptstadt Ravenna — Eintauchen in die bunte Welt des frühen Mittelalters – Brend Kregel / Gastautor
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Lieblingsplätze Mosaikhauptstadt Ravenna — Eintauchen in die bunte Welt des frühen Mittelalters

Brend Kregel / Gastautor

04.03.2010

Kaiserin Theodora inmitten ihres Hofstaates.  Foto: Bernd Kregel
Kaiserin Theodora inmitten ihres Hofstaates.

Foto: Bernd Kregel

Orte, an denen die Seele baumelt

In der Auseinandersetzung des Weströmischen Reiches mit den Goten verlegt Kaiser Honorius kurzerhand seinen Regierungssitz aus der „Ewigen Stadt“ an den Ort mit der stärksten Befestigungsanlage – nach Ravenna. In Konstantinopel herrscht dagegen im 6. Jahrhundert der oströmische Kaiser Justinian, der sich zum Ziel setzt, das Römische Reich wieder zu vereinen. Nach der Eroberung Ravennas macht er die Stadt zum Vorposten des Byzantinischen Reiches in Italien.

Damit ist der Grundstein gelegt für die Entwicklung Ravennas zur Mosaikhauptstadt der Welt. Allem voran der mächtige Komplex der Basilica di San Vitale, eines der vollendetsten frühchristlichen Bauwerke in Italien. Obwohl schwelgerisch ausgestattet mit Gold und Marmor, wird doch der Blick wie von magischer Kraft nach oben gezogen zu den farbenprächtigen Mosaiken an den Wänden. Es bleibt haften an den Porträts Kaiser Justinians und seiner Gattin Theodora, beide umgeben von ihrem prunkvollen Hofstaat. Und obwohl das oströmische Kaiserpaar der Stadt nie einen Besuch abstattete, wurde ihm doch stellvertretend mit Hilfe dieser Mosaiken stets der größte Respekt zuteil.

Von ähnlicher Pracht und Schönheit sind die Mosaiken in der Kirche San Apollinare Nuovo. Sie ist ein Geschenk des Ostgotenherrschers Theoderich an die Stadt Ravenna und wartet in der geräumigen Innenhalle auf mit bekannten biblischen Szenen. Obwohl aus Stein, leuchten sie von den Kirchenfriesen herab in einer Lebendigkeit, als wären sie gemalt. Zum Beispiel die drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Christkind in feierlicher Prozession ihre Geschenke bringen.

Kirchenraum mit Mosaik des heiligen Apollinaris.
Kirchenraum mit Mosaik des heiligen Apollinaris.

Foto: Bernd Kregel

Am eindrucksvollsten jedoch ist die Basilica San Apollinare. Errichtet zu Ehren des Märtyrers San Apollinaris, liegt sie etwas außerhalb der Stadt in Classe, dem alten Hafen Ravennas. Am Ende der gewaltigen Innenhalle, die auf 24 griechischen Marmorsäulen ruht, wird der Blick gefesselt von dem in gedämpften Farben gehaltenen Mosaik, das den heiligen Apollinaris in seiner symbolhaft ausgestalteten Umwelt zeigt. Eine Darstellung voller verschlüsselter Andeutungen, in der die bunte Welt des frühen Mittelalters wieder lebendig wird. Für mich ist es das schönste Kunsterlebnis in der Stadt, bei dessen Betrachtung die Zeit vergeht wie im Fluge.

 

Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.

In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.

 
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