Paris (apn) Der Airbus-Konzern EADS ist mit dem Militärtransporter A400M und dem Superjumbo A380 erneut tief in die roten Zahlen geflogen und muss jetzt auch noch dem Erzrivalen Boeing einen lukrativen Rüstungsauftrag der US-Luftwaffe überlassen. Airbus und sein US-Partner Northrop Grumman gaben das Rennen um den 35-Milliarden-Dollar-Auftrag für 179 Tankflugzeuge auf und beklagten unfaire Wettbewerbsbedingungen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle warnte die US-Regierung am Dienstag vor Protektionismus, die EU-Kommission drohte mit Sanktionen.
Das Pentagon hatte dem Konsortium EADS/Northrop den Auftrag schon zugesagt, nach Protesten des US-Kongresses aber erneut ausgeschrieben. EADS-Chef Louis Gallois und Northrop-Chef Wes Bush erklärten, die Richtlinien bevorzugten von vornherein Boeing. Airbus-Chef Thomas Enders beklagte in der „Financial Times Deutschland“, „dass wir in diesem Umfeld keine Chance haben zu gewinnen, egal wie gut unser Angebot ist“. Die Ausschreibung sei „maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz“.
Von dem Auftrag hatte sich der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS Folgeaufträge zur Erneuerung der gesamten US-Tankerflotte und den Durchbruch auf dem US-Rüstungsmarkt erhofft. Der US-Abgeordnete Norm Dicks lobte, dass der Auftrag an „ein amerikanisches Unternehmen mit amerikanischen Arbeitern“ gehe. Der Gouverneur von Alabama, Bob Riley, sagte, die Ausschreibung sei eine Farce. EADS wollte in Alabama eine Fabrik aufbauen.
Die EU-Kommission drohte den USA mit höheren Hürden für künftige Rüstungsprojekte. Wenn das Pentagon Boeing bevorzugt habe, könnte das Folgen für Rüstungsgeschäfte mit den USA haben.
Brüderle sagte in Berlin: „Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus.“ Der FDP-Politiker mahnte: „Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden.“
Andauernde Probleme mit dem Militärtransporter A400M, aber auch wieder mit dem Superjumbo A380 rissen den EADS-Konzern im vergangenen Jahr wieder in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von von 763 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,57 Milliarden Euro im Vorjahr.
Der Umsatz sank nur leicht auf 42,8 Milliarden Euro, und mit 498 ausgelieferten Airbus-Flugzeugen schaffte EADS eine neue Bestmarke und ließ Boeing wieder hinter sich. Aber allein die steigenden Kosten für die A400M, die von Deutschland und den anderen Bestellerländern soeben mit zusätzlichen 3,5 Milliarden Euro vor dem drohenden Aus gerettet worden ist, belastete den Konzern mit 1,8 Milliarden Euro. Und die A380 schlug erneut mit 240 Millionen Euro negativ zu Buche. Sinkende Flugzeugpreise und Wechselkursverluste konnten von dem soliden Geschäft der Raumfahrt-, Rüstungs- und Hubschraubersparte nicht ausgeglichen werden.
Für das laufende Jahr kündigte Gallois aber einen stabilen Umsatz und einen Betriebsgewinn von einer Milliarde Euro an. Der Auftragseingang halbierte sich im vergangenen Jahr zwar auf 45,8 Milliarden Euro, und dieses Jahr rechnet Gallois sogar nur noch mit 250 bis 300 Airbus-Bestellungen. Aber die Talsohle sei durchschritten, es gebe „Anzeichen für eine Verbesserung“ auf dem Flugzeugmarkt. EADS sei gut aufgestellt, „wir brauchen kein frisches Geld“, betonte Gallois. Airbus wolle wieder rund 500 Maschinen ausliefern, die Produktion der kleinen Flugzeuge werde zum Jahresende erhöht.
Mit der A380 werde EADS allerdings noch zwei oder drei Jahre lang Geld verlieren, sagte Finanzvorstand Hans-Peter Ring. Dieses Jahr würden 20 ausgeliefert, 26 flögen schon. Das neue Langstreckenflugzeug A350 liege etwas hinter dem Zeitplan, werde aber wieder aufholen.
Die Börse reagierte negativ. EADS-Aktien fielen bis Dienstag mittag um fünf Prozent.
http://www.eads.com/ (AP)
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